NASA zeigt Sterngeburt: JWST dokumentiert Lynds 483 in Entstehung

Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) hat mit seiner hoch­auf­lösenden Nahinfrarotkamera beeindruckende Bilder des aktiv ent­stehenden Stern­systems Lynds 483 (L483) gezeigt - und eröffnet damit einen einzigartigen Blick in die Wiege neuer Sterne.
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Geburt neuer Sterne

Das etwa 650 Lichtjahre entfernte System im Sternbild Schlange lässt erahnen, wie dynamisch und komplex die Geburt neuer Sterne verläuft. Gestartet im Dezember 2021, ist das JWST mit einem beeindruckenden Hauptspiegel von 6,5 Metern Durchmesser aus vergoldetem Beryllium das größte Weltraumteleskop, das je konstruiert wurde.

In einem speziellen Orbit um den Lagrange-Punkt L2, etwa 1,5 Millionen Kilo­meter von der Erde entfernt, wird es durch diese Position vor der Wärme­strah­lung von Sonne, Erde und Mond geschützt. Dies ist für den Missions-Erfolg von entscheidender Bedeutung, da das Teleskop für präzise Infrarot­beobachtungen auf unter -223 Grad Celsius gekühlt werden muss. NASA James Webb Lynds 483Lynds 483: Ein Vermächtnis der Astronomin Beverly T. Lynds

Im Zentrum des Geschehens: Zwei Protosterne

Die von der NASA jetzt veröffentlichten Bilder des Webb-Teleskops zeigen eine faszinierende Farbenpracht. Dominierende orange, blaue und violettfarbene Töne ent­hüllen komplizierte Strukturen im Lynds 483-Sternsystem.

Besonders ins Auge fallen die großen, halb­durch­sichtigen, orange­farbenen Kegel ober- und unterhalb der zentralen Staub­scheibe. Diese Formationen entstehen dort, wo das Licht der noch jungen Sterne durch dünnere Bereiche von Gas und Staub scheint. Die Auf­nahmen offen­baren zwei junge Proto­sterne, die das Herz von L483 bilden.

Diese noch unfertigen Sterne sind von einer dichten Scheibe kalten Gases und Staubs umgeben, die einen Großteil ihres Lichtes schluckt. Dennoch ist ihre Aktivität unübersehbar: In regelmäßigen Abständen schleudern sie gebündelte Jets aus Gas und Staub ins All, begleitet von etwas langsameren Ausströmungen.

Protosterne entstehen, wenn Fragmente einer Molekülwolke unter dem Einfluss ihrer eigenen Schwerkraft kollabieren.

Geschichte des James Webb Space Teleskops

  • 2021
    25. Dezember
    Der James Webb Space Telescope wird von der ESA-Raketenbasis in Kourou, Französisch-Guayana, mit einer Ariane 5-Rakete gestartet
  • 2021
    31. Dezember
    Die Sonnenschutzfolie des Teleskops wird erfolgreich entfaltet
  • 2022
    5. Januar
    Die sekundäre Spiegelanordnung wird erfolgreich eingesetzt und verriegelt
  • 2022
    8. Januar
    Die primäre Spiegelanordnung wird vollständig entfaltet und verriegelt
  • 2022
    24. Januar
    Der James Webb Space Telescope erreicht seinen endgültigen Orbit am zweiten Lagrange-Punkt (L2)
  • 2022
    12. Juli
    Die ersten wissenschaftlichen Bilder des Teleskops werden veröffentlicht
  • 2022
    12. Juli
    Beginn der regulären wissenschaftlichen Betriebsphase nach Abschluss der Inbetriebnahmephase

Während dieser anfänglichen Phase, die bei sonnenähnlichen Sternen etwa 500.000 Jahre dauert, sammelt der aufstrebende Stern aktiv Masse aus seiner Umgebung. Die Rotation des zusammenziehenden Materials formt eine Scheibe, während überschüssiger Drehimpuls durch die beobachteten Jets und Aus­strö­mun­gen abgegeben wird - ein entscheidender Mechanismus, der dem jungen Stern weiteres Wachstum ermöglicht.

Astronomen schätzen, dass die beiden Protosterne in L483 nach Abschluss ihrer Entstehung eine Masse erreichen könnten, die etwa der unserer Sonne entspricht. In einigen Millionen Jahren dürften ihre Ausströmungen die Umgebung weitgehend von Gas und Staub befreit haben. Zurück bleiben wird eine kleine Scheibe aus Gas und Staub - der perfekte Ort für die Bildung neuer Planeten.

Astronomin Beverly T. Lynds

Das Sternsystem L483 ist nach der amerikanischen Astronomin Beverly T. Lynds benannt. Ihre weg­weis­enden Kataloge "dunkler" und "heller" Nebel aus den 1960er Jahren sind fundamental für die Er­for­schung von Stern­ent­steh­ungs­gebieten. Lynds sorgfältige Arbeit, die auf der Aus­wertung foto­grafischer Platten des Palomar-Observatoriums basierte, bildet auch heute noch eine tra­gende Grund­lage für die moderne astronomische Forsch­ung.

Was haltet ihr von diesen faszinierenden Einblicken in die Geburt neuer Sterne? Welche Aspekte der Sternentstehung interessieren euch besonders? Teilt eure Gedanken und Fragen gerne in den Kommentaren!

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Zusammenfassung
  • James-Webb-Teleskop liefert hochauflösende Aufnahmen von L483
  • Bilder zeigen komplexe Strukturen und Farbenpracht im Sternsystem
  • Zwei junge Protosterne im Zentrum von dichter Gas- und Staubscheibe
  • Ausströmungen und Jets der Protosterne formen die Umgebung
  • Scheiben um Protosterne sind Geburtsstätten von Planetensystemen
  • L483 stammt aus Beverly T. Lynds' Katalog dunkler Nebel von 1962
  • Webb-Teleskop ermöglicht neue Einblicke in Sternentstehung

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