Ukraine ohne Starlink? EU sucht unter Hochdruck Alternativen

Europäische Alliierte der Ukraine versuchen derzeit unter Hochdruck, möglichst schnell alternative Lösungen für die Bereitstellung von Internetzugängen und Satellitenbildern in dem noch immer von Russland angegriffenen Land zu finden. Elon Musks Starlink arbeitet unterdessen immer weniger zuverlässig.
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EU führt Gespräche mit vier anderen Satellitenbetreibern

Laut einem Bericht der Financial Times versuchen verschiedene europäische Regierungen und EU-Organisationen händeringend, zügig alternative Kapazitäten für satellitengestützte Internetzugänge zu finden, um der Ukraine bei der Verteidigung gegen Russland zu helfen. Dabei verhandelt man mit mehreren Satellitenbetreibern.

Laut der Zeitung haben sowohl SES aus Luxemburg, Hisdesat aus Spanien, Viasat/Inmarsat aus Großbritannien und Eutelsat/OneWeb aus Frankreich bestätigt, dass man jüngst verstärkt Gespräche mit Regierungsvertretern und EU-Behörden führt, um Back-Up-Lösungen für Satellitenverbindungen in der Ukraine zu schaffen.

Mehr als 40.000 Starlink-Terminals in der Ukraine

Dass die europäischen Satellitenbetreiber tatsächlich ausreichende Kapazitäten liefern können, darf durchaus bezweifelt werden. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor etwas mehr als drei Jahren wurden mittlerweile mehr als 40.000 Starlink-Terminals in dem Land in Betrieb genommen, hieß es vom ukrainischen Digitalministerium.

Seit der wiedergewählte US-Präsident Trump verstärkt auf Kuschelkurs zum russischen Präsidenten Putin gegangen ist und in einer aufsehenerregenden Aktion den ukrainischen Präsidenten Selenskyj bei einem Treffen in Washington attackierte, versuchen die Europäer unter Hochdruck Alternativen zu dem von Trump-Freund Elon Musk betriebenen Starlink zu finden.

Private US-Anbieter dürfen Ukraine nicht mehr beliefern

Mittlerweile hat die US-Regierung nämlich nicht nur sämtliche Weitergaben von Geheimdienstinformationen und militärischen Satellitendaten gestoppt, sondern auch dafür gesorgt, dass von Privatfirmen gelieferte Satellitendaten von US-Firmen wie Maxar ebenfalls nicht mehr an die Ukraine weitergegeben werden können. Gleichzeitig melden ukrainische Quellen, dass Starlink gerade nahe der Front immer häufiger nicht zuverlässig verwendet werden kann.

Starlink hat aktuell noch den Vorteil, dass die gut 7.000 Satelliten der Musk-Firma in geringerem Abstand um die Erde kreisen als Satelliten der meisten Konkurrenten. Derzeit wird deshalb geprüft, inwiefern ein zusammengewürfeltes System aus Satelliten verschiedener europäischer Betreiber, die in größeren Höhen unterwegs sind, als Rückfallmöglichkeit verwendet werden kann.

Europäische Betreiber sehen große Kapazitäten

Aktuell arbeitet SES aus Luxemburg bereits mit der Ukraine zusammen und führt Gespräche über eine Steigerung seiner Kapazitäten für das Land. Von Viasat war zu hören, dass es "bedeutsame Kapazitäten aus verschiedenen Quellen" gebe. Unterdessen soll die EU-Kommission die sogenannte "Govsatcom"-Initiative schneller realisieren, bei der eine Koordinierung und Bündelung der von verschiedenen EU-Regierungen betriebenen Satellitenkapazitäten erfolgen soll.

Der US-Anbieter Maxar, der wohl aufgrund von Druck aus den USA die Ukraine nicht mehr direkt mit Satellitenbildern beliefert, gibt sich unterdessen offen für eine Kooperation auf Umwegen. So könnten auch kommerzielle Kunden, die von ihnen erworbenen Daten weitergeben, zum Beispiel auch an die Ukraine, hieß es von dem Unternehmen.

Auch die Arbeit an der europäischen Starlink-Alternative Iris2 könnte durch die von vielen Beobachtern erwartete Abschaltung von Starlink in der Ukraine einen Schub bekommen. Zwar soll das fast 11 Milliarden Euro teure Projekt erst 2030 in Betrieb gehen, doch werden die Gespräche über die benötigten Technologien für das Vorhaben nun mit größerer Vehemenz geführt, so jedenfalls Quellen aus dem Umfeld des Programms.

Zusammenfassung
  • EU sucht dringend Alternativen zu Starlink für Internetzugang in der Ukraine
  • Verhandlungen mit europäischen Satellitenbetreibern wie SES und Viasat
  • Über 40.000 Starlink-Terminals in der Ukraine sind seit Kriegsbeginn im Einsatz
  • US-Regierung stoppt Weitergabe von Geheimdienstinformationen an Ukraine
  • Starlink funktioniert nahe der Front zunehmend unzuverlässig
  • EU-Kommission beschleunigt 'Govsatcom'-Initiative für Satellitenkapazitäten
  • Europäisches Starlink-Pendant Iris2 könnte durch die Situation Auftrieb erhalten

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