Gas heller als Sterne:
Webb entdeckt verrückte Galaxie

Die Reihe spektakulärer Entdeckungen durch das James-Webb-Welt­raum­teleskop reißt nicht ab: Jetzt haben die Astronomen eine Galaxie entdeckt, in der die Sterne nicht das Hellste sind, was Licht ausgesandt hat.
Weltraum, Raumfahrt, Weltall, Galaxie, Schwarzes Loch, SDSS1335+0728

Extrem heißes Gas

Die Galaxie fiel durch ihre ungewöhnlich helle Lichtsignatur auf. Nach eingehender Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass diese Helligkeit nicht direkt von den Sternen stammt, sondern von superheißem Gas. Diese Entdeckung, veröffentlicht in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, könnte eine bisher unbekannte Phase der Galaxienentwicklung zeigen.

Laut Harley Katz, einem Astrophysiker der Universitäten Oxford und Chicago, deuten die Daten darauf hin, dass die Sterne in dieser Galaxie viel heißer und massereicher sind als diejenigen, die wir in unserer kosmischen Nachbarschaft sehen. Dies sei logisch, da das frühe Universum ein sehr anderes Umfeld war, als wir es aus unserer Nachbarschaft kennen. GS-NDG-9422Um diese Galaxie geht es Das James-Webb-Teleskop, ein Gemeinschaftsprojekt von NASA, ESA und der kanadischen Weltraumbehörde, wurde speziell entwickelt, um die frühesten Phasen des Universums zu erforschen. Es kann Licht im Infrarotbereich detektieren, das uns Einblicke in die ältesten und schwächsten Lichtquellen gibt. Die untersuchte Galaxie, GS-NDG-9422, existierte etwa eine Milliarde Jahre nach dem Urknall. Zum Vergleich: Das Alter des Universums wird auf etwa 13,8 Milliarden Jahre geschätzt.

Die Forscher nehmen an, dass in der Galaxie eine intensive Sternentstehung in einem Kokon aus dichtem Gas abläuft. Das Licht der massiven, heißen Sterne bombardiert das Gas, wodurch es strahlend hell leuchtet. Computermodelle zeigten, dass das Gas tatsächlich heller strahlen könnte als die Sterne selbst, was die Beobachtungen des Webb-Teleskops bestätigt.

Frühe Sterne

Während heiße, massereiche Sterne in der Milchstraße Temperaturen zwischen 40.000 und maximal 50.000 Grad Celsius erreichen, haben die Sterne in dieser Galaxie Temperaturen von rund 80.000 Grad. Diese Entdeckung könnte den Kosmologen helfen, die sogenannten Population-III-Sterne zu verstehen - die ersten Sterne des Universums, die nahezu ausschließlich aus Wasserstoff und Helium bestehen.

Obwohl die analysierte Galaxie nicht diese urtümlichen Sterne enthält, scheint sie eine Zwischenstufe zwischen den ersten primitiven Sternen und den etablierten Sternen in späteren Galaxien darzustellen. Alex Cameron, der Hauptautor der Studie, erklärte, dass das Webb-Teleskop genau dafür gebaut wurde: "Es enthüllt völlig neue Phänomene im frühen Universum, die uns helfen werden zu verstehen, wie die kosmische Geschichte begann."

Zusammenfassung
  • Neue Galaxie mit ungewöhnlich hellem Licht durch superheißes Gas entdeckt
  • Sterne in GS-NDG-9422 sind deutlich heißer und massereicher als üblich
  • Galaxie existierte etwa eine Milliarde Jahre nach dem Urknall
  • Intensive Sternentstehung in einem Kokon aus dichtem Gas beobachtet
  • Temperaturen der Sterne erreichen rund 80.000 Grad Celsius
  • James-Webb-Teleskop ermöglicht Einblicke in die frühesten Phasen des Universums
  • Entdeckung unterstützt das Verständnis der Entwicklung früher Galaxien

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