Drohnenüberwachung durch Versicherer:
Kunden verlieren Schutz

In Deutschland undenkbar, in den USA kein Problem. Hier werden die Häuser von Versicherungsnehmern mithilfe von Luftaufnahmen überwacht. Die werden im Anschluss von einer KI ausgewertet. Das führt zum Teil sogar zu fragwürdigen Vertragskündigungen.
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KI entscheidet über Versicherungsschutz

Künstliche Intelligenz wird nicht nur genutzt, um Excel-Tabellen zu erstellen oder Videospiele schöner aussehen zu lassen. Ein amerikanischer Versicherer setzt die Technologie in Verbindung mit Drohnen und Luftaufnahmen ein, um die Grundstücke und Häuser seiner Kunden zu überwachen und zu bewerten. Aufgrund einer fraglichen Entscheidung der KI wurde einem Versicherungsnehmer jetzt der Vertrag gekündigt.

Schon die Tatsache, dass ein Unternehmen die Grundstücke seiner Kunden überwacht, klingt nach einem illegalen Eingriff in die Privatsphäre. In den USA scheint das jedoch kein Problem zu sein. Denn auf seiner eigenen Webseite wirbt die Firma Travelers mit dem Einsatz von KI und Luftaufnahmen, auf deren Basis Entscheidungen zu Versicherungsverhältnissen getroffen werden und hat in der Vergangenheit große Summen in Drohnen investiert.


Moos als "erhebliches Risiko"

Was das im Einzelfall bedeuten kann, hat jetzt auch Albert Fox Cahn erfahren und berichtet bei Business Insider davon. Denn mit einem Anruf teilte ihm Travelers plötzlich mit, dass ihm die Versicherung für sein Haus gekündigt wurde. Auf Nachfrage sagte man Cahn, eine KI habe Luftaufnahmen seines Hauses ausgewertet und Moos auf seinem Dach entdeckt. Moos bedeute Feuchtigkeit und sei demnach ein "erhebliches Risiko".

Bei dieser Geschichte scheint es sich nicht um einen Einzelfall zu handeln. So wurde einer weiteren Kundin mit der Auflösung ihrer Versicherung gedroht, falls sie ihr Dach nicht erneuere. Dabei war es völlig intakt und Experten hatten die Haltbarkeit der Konstruktion für die nächsten 70 Jahre bestätigt. Auch hier war die KI-basierte Luftüberwachung zum Einsatz gekommen.

Versicherer dementiert

Trotz der Aussage des Mitarbeiters gegenüber Cahn am Telefon und den Texten zu KI und Luftausnahmen auf der eigenen Webseite sagt Travelers in einer Stellungnahme: "Die Analyse/Modellierung mit künstlicher Intelligenz und die Überwachung durch Drohnen sind nicht Teil unseres Entscheidungsprozesses bei der Übernahme von Versicherungen." Auf weitere Nachfragen reagierte der Versicherer nicht mehr.

Der Vorfall zeige laut Cahn, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Rahmen von Versicherungen zu ungerechten Entscheidungen führen kann. Versicherer hätten keine Konsequenzen zu befürchten und würden die verwendeten Algorithmen daher so aggressiv wie möglich gestalten. So könne man teils unnötige Reparaturen fordern oder das Versicherungsverhältnis kündigen.

Letztlich musste jedoch wohl auch Travelers einsehen, dass die getroffene Entscheidung unverhältnismäßig war und stellte Cahns Versicherungsschutz wieder her.

Zusammenfassung
  • Versicherer in den USA überwachen Grundstücke mit Luftaufnahmen
  • Versicherungsvertrag aufgrund von KI-Analyse von Luftaufnahmen gekündigt
  • Moos auf Dach führte bei Albert Fox Cahn zur Kündigung seiner Hausversicherung
  • Andere Kundin sollte Dach erneuern, obwohl Experten dessen guten Zustand bestätigten
  • Travelers behauptet, KI und Drohnen seien nicht Teil des Entscheidungsprozesses
  • Einsatz von KI kann zu ungerechten Versicherungsentscheidungen führen
  • Versicherer verwenden möglichst aggressive Algorithmen
  • Travelers stellte den Versicherungsschutz von Cahn letztlich wieder her

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