Tennet: Bundesregierung steht vor Übernahme des Übertragungsnetzes

Ein solcher Schritt klingt angesichts der zahlreichen Privatisierungen von Staatsunternehmen in den letzten Jahrzehnten ungewöhnlich: Die Bundesregierung will einen großen Betreiber einer wichtigen Infra­struktur in ihren Besitz bringen.
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Kontrolle über Infrastruktur

Konkret geht es dabei um Tennet, einen der vier Betreiber von Übertragungsnetzen im deutschen Strommarkt. Die Infrastruktur des Unternehmens erstreckt sich einmal quer durch Deutschland - von Schleswig-Holstein im Norden über Niedersachsen und Hessen bis Bayern. Neben Tennet sind derzeit noch TransnetBW (Baden-Württemberg), Amprion (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland) und 50Hertz (ostdeutsche Länder und Hamburg) aktiv.

Tennet gehört derzeit zum gleichnamigen Mutterkonzern aus den Niederlanden. Komplett privatwirtschaftlich ist dieser allerdings auch nicht, sondern gehört zu guten Teilen dem niederländischen Staat. Angesichts der Bedeutung der Übertragungsnetze für die Energiewende ist die Bundesregierung allerdings daran interessiert, ihren Einfluss auf diese Infrastrukturen zu stärken, wie aus einem Bericht des Handelsblattes hervorgeht.


Seitens des Bundeswirtschaftsministeriums hielt man sich auf Nachfrage zwar bedeckt. Doch gibt es verschiedene Hinweise, die darauf schließen lassen, dass es bald zu einer Übernahme durch den deutschen Staat kommen könnte. Aus Regierungskreisen erfuhr die Zeitung, dass intensiv verhandelt werde, es aber unwahrscheinlich sei, dass es noch in dieser Woche zu einem Abschluss kommt.

Unabhängig vom Haushalt

Einen weiteren Hinweis lieferte die niederländische Muttergesellschaft in ihren jüngsten Bilanzen. Diese wurden auf einen neuen Buchhaltungsstandard umgestellt, der es erleichtert, Geschäftsbereiche auszuweisen, von denen man sich trennt. Das ist für gewöhnlich ein starkes Indiz dafür, dass sich ein Konzern von einem großen Geschäftsbereich trennen will.

Für das deutsche Stromnetz ist Tennet von besonderer Bedeutung. Denn über dessen Infrastruktur läuft sowohl die Anbindung der Offshore-Windparks in der Nordsee als auch der Transport des Stroms bis in die Industrieregionen im Süden des Landes. Von den Diskussionen um den Bundeshaushalt wäre eine Übernahme nicht berührt, da die Finanzierung über die KfW durchgeführt würde und nichts mit dem Etat eines Ministeriums zu tun hat.

Zusammenfassung
  • Bundesregierung plant Kauf von Infrastrukturbetreiber Tennet
  • Tennet ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland
  • Niederländischer Staat besitzt große Anteile an Tennet
  • Deutschland will Einfluss auf Energiewende-Infrastruktur stärken
  • Bundeswirtschaftsministerium äußert sich nicht zu Übernahmegerüchten
  • Bilanzänderung deutet auf mögliche Trennung hin
  • Finanzierung einer Übernahme würde über KfW laufen

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