Apple iPhone 12 Pro im Test:
Mit Kante & MagSafe in die 5G-Zukunft
Verbesserte Kameras: Die Spiegelreflex aus der Hosentasche
Wichtiger als die 5G-Verbindung sind die drei verbauten Kameras des iPhone 12 Pro. In diesem Jahr trifft man auf ein Ultraweitwinkel-, Weitwinkel- und Teleobjektiv an der Rückseite des iOS-Smartphones. Apple bleibt dem Megapixel-Wahnsinn weiterhin fern und setzt auf eine maximale Auflösung von 12 Megapixeln. Dafür fangen die Kameras nun mehr Licht ein und die Software sorgt für einen erstklassigen Feinschliff der Aufnahmen. Die deutlich verbesserte Neural Engine des Apple A14 Bionic-Chips sorgt in Kombination mit einem neuen Bildsignalprozessor (ISP) für detailreiche und natürliche Aufnahmen, sogar in dunklen Umgebungen.
Deep Fusion und Smart HDR 3 sind die Prozesse, die im Hintergrund dafür verantwortlich sind, dass Fotos auch unter widrigen Bedingungen - zum Beispiel bei Gegenlicht oder besonders hellen Elementen im Bild - mit Hilfe von maschinellem Lernen für grandiose Ergebnisse sorgen. Dabei nähert sich Apple bereits im Automatik-Modus einer Qualität an, die sonst nur von professionellen Fotografen mit teuren Spiegelreflexkameras (DSLR) erreicht werden. Zusätzlich sorgt der neue LiDAR-Sensor des iPhone 12 Pro für einen schnelleren Autofokus und deutlich bessere Nachtaufnahmen samt Portrait-Funktion. Letztere sind ab sofort sogar über das True-Depth-Kamerasystem an der Front möglich.
Abschließend bringt Apple Videoaufnahmen mit 10-Bit-HDR inklusive Dolby Vision im 4K-Format auf die neuen Smartphones. Das iPhone 12 Pro unterstützt diese mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, das normale iPhone 12 immerhin mit bis zu 30 fps. Man kennt diese Features aus Filmen und Serien, die jetzt auch beim Erstellen von kontraststarken Videos zur Verfügung stehen. Genießen kann man sie jedoch oftmals nur auf dem iPhone-Display selbst, da beim Teilen der Aufnahmen mit anderen Nicht-HDR-Geräten nur die dafür passende SDR-Version übertragen wird. Was Dolby Vision im Detail mit sich bringt, erfahrt ihr im folgenden Video unseres YouTube-Partners Alexander "AlexiBexi" Böhm.
Apple iPhone 12 (Pro): Videoqualität mit HDR, Dolby Vision & Co.
Kommendes Feature: Im Verlauf des Jahres wird Apple die sogenannte ProRAW-Funktion auf den iPhone 12 Pro (Max)-Modellen aktivieren. Die Möglichkeiten zur professionellen Nachbearbeitung von Fotos in Programmen wie Adobe Photoshop und Lightroom werden für Enthusiasten somit weiter verbessert.
Solide Akkulaufzeit und kabelloses Laden via MagSafe
Mehr Leistung, Funktionen und 5G-Mobilfunk - Das muss sich doch deutlich auf die Batterie auswirken, oder? Nicht unbedingt. Zwar erreicht das iPhone 12 Pro mit 17 Stunden auf dem Datenblatt hinsichtlich der Videowiedergabe eine kürzere Laufzeit als das iPhone 11 Pro, doch das ist wohl eher dem größeren Display zuzuschreiben. Obwohl wir vom letztjährigen iPhone 11 Pro Max auf das iPhone 12 Pro gewechselt sind, bringt uns das Smartphone weiterhin sicher über den Tag. Wir checken stetig unsere E-Mails, sind auf Facebook, Twitter und TikTok unterwegs und vergnügen uns zum Feierabend mit Apple Arcade. Zur Mittagspause gibt es noch ein paar Fotos aus dem Home-Office-Garten und am Abend hängen wir das iPhone meist mit 40 Prozent Restladung an die Steckdose.Prognose: Wer das iPhone 12 Pro vorrangig im 5G-Netz betreiben kann, wird mit einem höheren Stromverbrauch rechnen müssen. Da wir während des "Stay Home"-Lockdowns in den seltensten Fällen in diesem unterwegs sein konnten, werden wir in diesem Bereich (noch) kein praxisnahes Urteil fällen.
In den letzten 14 Tagen haben wir das iPhone 12 Pro vorrangig über den neuen MagSafe-Lader aufgeladen und sind mit seiner Funktionsweise zufrieden. Er lädt, ein entsprechendes Apple-Netzteil vorausgesetzt, mit 15 Watt doppelt so schnell wie unser bisher genutzter Qi-Wireless-Charger und bietet sich somit auch für schnellere Zwischenladungen abseits des Nachttischs an. Dass Apple mit seiner grünen Kein-Netzteil-Politik und dem Preispunkt von 44 Euro für MagSafe nicht alle Besitzer erfreut, ist logisch. Allerdings sind wir gespannt, welches Zubehör man in Kompatibilität mit dem magnetischen Ladegerät aus dem Hut zaubern wird.
Etwas skeptisch blicken wir jedoch auf den kürzlich vorgestellten "Magnetic Car"-Halter von Belkin. Wir bezweifeln, dass die Magnete des iPhones und der optionalen Cover stark genug sind, um das Smartphone auch auf holprigem Kopfsteinpflaster festhalten zu können. Doch auch hier wird es auf einen späteren Test ankommen.
Beide 6,1-Zoll-iPhones können sich wirklich sehen lassen
Unser Fazit zum Apple iPhone 12 Pro
Nach zwei Wochen intensiver Nutzung hinterlässt das iPhone 12 (Pro) einen sehr guten Eindruck. Das aufgefrischte Design überzeugt mit einer erstklassigen Haptik sowie Wertigkeit und vor allem die neue Farbvariante in Pazifikblau trifft unseren Geschmack. Ansonsten zeigt sich Apple mit dem bekannten "Schneller, größer, weiter"-Upgrade, das wir vorab erwartet haben. Die Leistung des neuen A14 Bionic-Chips kann sich ebenso wie die verbesserten Kameras samt LiDAR-Sensor, Dolby Vision-Videos und die Funkverbindungen per Wi-Fi 6 und 5G sehen lassen. Selbst bei unseren hohen Anforderungen bleiben nicht viele Wünsche offen.
Die klassische Notch-Front...
...und die Wahl der Rückseite
Doch wie kann sich Apple noch verbessern? Auch bei der Ausstattung des iPhone 12 Pro gibt es natürlich Luft nach oben. Schon lange ist der Wechsel auf einen USB-C-Anschluss überfällig und auch die 120-Hz-Technik der OLED-Displays hätte unser Meinung nach vorrangig behandelt werden können. Letztere hätte sich wahrscheinlich deutlich positiver auf unseren Smartphone-Alltag ausgewirkt, als das 5G-Modul.
Wer in diesem Jahr noch nicht zuschlägt oder seinen Mobilfunkvertrag verlängert, darf gespannt auf die Modelle im nächsten Jahr blicken. Und dennoch können wir allen denjenigen, die über die Anschaffung des diesjährigen iPhone 12 (Pro) nachdenken, eine nahezu uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Denn neben der erstklassigen Hardware dürfte für viele das iOS-14-Ökosystem eine deutlich größere Rolle dabei spielen, entweder erneut oder gerade deshalb zu einem iPhone zu greifen.
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