Mossul: Der erste Krieg im Livestream - Bilder allein reichen nicht
Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen sind traditionell etwas, das nur gefiltert und mit der passenden Propaganda zu den nicht direkt beteiligten oder betroffenen Menschen durchdringt. Das ändert sich gerade - und die vom Entertainment verwöhnten Nutzer sind teilweise enttäuscht.
Als die Offensive gegen die von den Daesh (Islamischer Staat, IS) besetzte irakische Stadt Mossul begann, konnten die Nutzer weltweit live dabei sein. Es gab keineswegs die vom Militär freigegeben und redaktionell zusammengeschnittenen Berichte in Nachrichtensendungen. Insbesondere auf Seiten der Peshmerga, der Streitkräfte des kurdischen Autonomiegebietes, liefen die Kameras und übertrugen ihre Bilder im Livestream auf YouTube und anderen Plattformen.
Dass dies heute möglich ist, rief beeindruckte Reaktionen bei einer ganzen Reihe von Nutzern hervor. Es zeigte sich aber auch schnell, dass ein Livestream direkt von der Front nicht unbedingt heißt, dass man auch mehr weiß oder die Vorgänge vor Ort versteht. Denn es gab vor allem pure Bilder, ohne dass ein Journalist diese in irgendeinen Kontext einordnete. Mit Glück erfuhr man gerade noch den konkreten Standort der Kamera. Zu hören sind zwar auch diverse Kommentare der Soldaten in der unmittelbaren Umgebung, doch versteht kaum einer der Zuschauer arabisch, geschweige denn kurdisch.
Und die erste Aufregung darüber, dass man tatsächlich live einen Videostream von der Front im Irak verfolgen kann, verfliegt schnell wieder. "Schöne Aufnahme einer irakischen Landschaft, sehr entspannend, danke", kommentiert ein Nutzer auf YouTube recht treffend den Stream, der vom kurdischen Fernsehsender Rudaw angeboten wird. Denn zu sehen ist über lange Zeit lediglich eine Ortschaft in der Wüste, vor der einige gepanzerte Fahrzeuge und Leute herumstehen. Zur Abwechslung wird zwischendurch einmal auf eine Pressekonferenz umgeschaltet, die Befehlshaber am Frontabschnitt abhalten. Dann wieder das gleiche Bild. Ganz anders, als es Menschen erwarten, die Konflikte aus Nachrichtensendungen, Filmen und Computerspielen kennen.
Trotzdem sind Live-Streams nicht zwingend überflüssig. Sie fordern den Nutzer aber heraus. Wer sich tatsächlich ein Bild von der Lage und dem Geschehen vor Ort machen will, muss nun eben selbst das tun, was ansonsten bezahlte Journalisten erledigen: Zusätzliche Quellen heranziehen, sie prüfen, sich unterscheidende Angaben gewichten und anhand des Kontextes bewerten. Dann kann diese direktere Form der Teilhabe tatsächlich dazu führen, dass man näher am Geschehen dran ist. Ansonsten bekommt man immerhin einen Eindruck davon, dass dort, scheinbar weit entfernt, tatsächlich recht normale Menschen versuchen, das Beste aus der tragischen Situation zu machen.
Kurdisches Rudaw-TV Livestreams aus Mossul
Dass dies heute möglich ist, rief beeindruckte Reaktionen bei einer ganzen Reihe von Nutzern hervor. Es zeigte sich aber auch schnell, dass ein Livestream direkt von der Front nicht unbedingt heißt, dass man auch mehr weiß oder die Vorgänge vor Ort versteht. Denn es gab vor allem pure Bilder, ohne dass ein Journalist diese in irgendeinen Kontext einordnete. Mit Glück erfuhr man gerade noch den konkreten Standort der Kamera. Zu hören sind zwar auch diverse Kommentare der Soldaten in der unmittelbaren Umgebung, doch versteht kaum einer der Zuschauer arabisch, geschweige denn kurdisch.
Und die erste Aufregung darüber, dass man tatsächlich live einen Videostream von der Front im Irak verfolgen kann, verfliegt schnell wieder. "Schöne Aufnahme einer irakischen Landschaft, sehr entspannend, danke", kommentiert ein Nutzer auf YouTube recht treffend den Stream, der vom kurdischen Fernsehsender Rudaw angeboten wird. Denn zu sehen ist über lange Zeit lediglich eine Ortschaft in der Wüste, vor der einige gepanzerte Fahrzeuge und Leute herumstehen. Zur Abwechslung wird zwischendurch einmal auf eine Pressekonferenz umgeschaltet, die Befehlshaber am Frontabschnitt abhalten. Dann wieder das gleiche Bild. Ganz anders, als es Menschen erwarten, die Konflikte aus Nachrichtensendungen, Filmen und Computerspielen kennen.
Das Gegenteil eines Action-Films
"Krieg ist zu 99 Prozent Langeweile und 1 Prozent Aufregung und Terror", erklärte der Kriegsberichterstatter David Axe gegenüber dem Vice-Magazin. Man warte, bewege sich langsam irgendwohin, stehe in der Stellung, stocke die Ausrüstung auf, aktualisiere die Pläne, esse und so weiter. "Das kann sehr öde sein. Bis der Kampf beginnt. Dann ist es alles andere als langweilig. Aber in der Realität ist Krieg so ziemlich genau das Gegenteil eines Action-Films."Trotzdem sind Live-Streams nicht zwingend überflüssig. Sie fordern den Nutzer aber heraus. Wer sich tatsächlich ein Bild von der Lage und dem Geschehen vor Ort machen will, muss nun eben selbst das tun, was ansonsten bezahlte Journalisten erledigen: Zusätzliche Quellen heranziehen, sie prüfen, sich unterscheidende Angaben gewichten und anhand des Kontextes bewerten. Dann kann diese direktere Form der Teilhabe tatsächlich dazu führen, dass man näher am Geschehen dran ist. Ansonsten bekommt man immerhin einen Eindruck davon, dass dort, scheinbar weit entfernt, tatsächlich recht normale Menschen versuchen, das Beste aus der tragischen Situation zu machen.
Kurdisches Rudaw-TV Livestreams aus Mossul
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