Kodi Multimedia-Boxen geraten ins Visier der Anti-Piraterie-Lobby

Media Center, Xbmc, Xbox Media Center, Kodi Bildquelle: XBMC
Britische und internationale Lobbyorganisationen der Urheberrechtsinhaber nehmen aktuell die Anbieter von Set-Top-Boxen und anderen Geräten mit dem freien Media-Center Kodi und ähnlichen Lösungen ins Visier. Jüngst wurde sogar ein Händler verklagt, weil die von ihm vertriebenen "Kodi-Boxen" angeblich zur Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen genutzt werden können.
Wie die BBC berichtet, wurde jüngst Klage gegen einen Mann aus dem englischen Middlesbrough angestrengt, weil er angeblich Geräte anbietet, die die Umgehung von Maßnahmen zum Schutz des Urheberrechts ermöglichen. Der Händler hatte kleine Set-Top-Boxen und Streaming-Sticks angeboten, auf denen ein vorkonfiguriertes Betriebssystem mit Kodi installiert ist. Teil der Ausstattung waren offenbar auch Add-Ons, die den Zugriff auf eigentlich kostenpflichtige oder zumindest geschützte Inhalte ohne den Umweg über offizielle Quellen ermöglichten.

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Kodi wurde ursprünglich unter dem Namen Xbox Media Center (XBMC) entwickelt und brachte einen vielseitigen Multimedia-Player auf die erste Generation der Xbox. Inzwischen ist es ein Open-Source-Projekt, das von Freiwilligen vorangetrieben wird, und ist in seinen inzwischen auch für PCs, Smartphones und Tablets vertriebenen Versionen ein beliebtes Tool, um auf Geräten wie dem Amazon Fire TV Stick eine alternative Oberfläche für den Medienkonsum zu nutzen.

Da Kodi freie Software ist, gibt es auch diverse Anbieter von sogenannten Android-TV-Boxen, die ihre Geräte mit Kodi ausstatten. Die Plattform kann ohne weiteres um zahllose kostenlose Erweiterungen ergänzt werden, die unterschiedlichste Funktionen bieten, darunter eben auch die Möglichkeit, eigentlich kostenpflichtige Programme und Serien, Filme und anderes zu konsumieren. Teilweise werden diese Erweiterungen wie im Fall des Engländers schon ab Werk aufgespielt und somit mitgeliefert, so dass es für die Endkunden kein Problem ist, die rechtlich nicht ganz einwandfreien Erweiterungen zu nutzen. KodiMit solchen Bannern werben die Anbieter von vorkonfigurierten Kodi-Boxen & Sticks bei eBay & Co Genau diese Produkte geraten nun ins Visier von Ermittlern und Urheberrechtsschützern, so der Bericht. Inzwischen ist die Problematik sogar bei der internationalen Lobbyorganisation FACT (Federation Against Copyright Theft) angekommen, bei der sich nach eigenen Angaben aktuell rund die Hälfte ihrer Ermittlungen um das Thema drehen. Im jetzt von der Welturheberrechtsorganisation IPO veröffentlichten jährlichen Kriminalitätsbericht werden die vorkonfigurierten Boxen ausdrücklich als illegal bezeichnet, wenn sie dazu dienen, kostenpflichtige Inhalte über das Internet kostenlos abzurufen.

Laut der FACT entwickeln sich die Geräte mittlerweile zu einer "Epidemie", da die Kunden auf diesem Weg in Ländern wie Großbritannien die Pay-TV-Inhalte von Sky, BT oder anderen Anbietern kostenlos empfangen könnten. Die IPO bezeichnet die Produkte deshalb als "signifikante Bedrohung" für die Rechte der Anbieter. FACT kündigte an, in Großbritannien mit Behörden und Polizei zusammen gegen "Kriminelle" vorgehen zu wollen, die vom Vertrieb der Produkte profitieren wollen.

Für die Macher von Kodi ist die Lage klar: das Team hinter dem Open-Source Media Center erklärte, dass man seinerseits keine Erweiterungen mitliefere, die illegale Inhalte zugänglich machen. Außerdem verurteilte man die Aktivitäten von Händlern, die vorkonfigurierte Kodi-Geräte mit dem Versprechen des gratis Zugriffs auf geschützte Inhalte vertreiben. Man vertrete grundsätzlich eine neutrale Haltung, was Art der Nutzung der Software durch die Anwender betrifft. Gleichzeitig kündigte das Kodi-Team aber an, gegen all jene vorzugehen, die den Markennamen Kodi verwenden, um vorkonfigurierte Geräte mit illegalen Add-Ons zu vertreiben.

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Kodi (ehemals XBMC) - Media-Center-Software
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