Angespielt: Mass Effect 3 - Wir werden alle sterben!

Videospiel, Weltraum, MASS EFFECT 3 Bildquelle: Bioware
Mass Effect 3 ist das erste große Spiel des Jahres. Der Abschluss der Science-Fiction-Trilogie ist wie seine Vorgänger alles andere als perfekt, aber dennoch ein großartiges Spiel. Das hat vor allem einen Grund: die epische Story.
Hunde und Kinder sterben nie. Das ist eine der seit Anbeginn wichtigsten Regeln Hollywoods. Das ist allerdings vor allem eines: berechenbar. Dass Videospiele längst einen Schritt weiter sind, zeigt Mass Effect 3 gleich in den ersten paar Minuten.

Da muss Commander Shepard von der Erde fliehen, diese wird von den so genannten Reapern angegriffen. Shepard kommt an einem Schacht vorbei, in dem sich ein Kind versteckt. Das erinnert wohl nicht ganz zufällig an eine ähnliche Szene aus "Aliens - Die Rückkehr". Doch während Alien-Jägerin Ripley das kleine Mädchen retten kann, muss Shepard mitansehen, dass der Junge, der ursprünglich nicht mit dem ME3-Helden mitkommen will, dann doch in ein Rettungsshuttle einsteigt, das aber kurz nach Start dann abgeschossen wird.


Das ist sogar mehr als nur ein dramatischer Kniff, der zeigt, in welcher aussichtslosen Lage sich die Erde befindet. Es weckt Emotionen, denn die sind bei BioWare-Spielen das eigentliche Erfolgsgeheimnis. Es ist schließlich bekannt, dass ein wesentlicher Teil des Spielerlebnisses in der Interaktion mit den Begleitern liegt. Wer sich nicht die Zeit nimmt, lange Gespräche mit ihnen zu führen, der verpasst einen relevanten Teil eines Titels der Kanadier.

Da ist es natürlich wichtig, die Vorgänger gespielt zu haben. Essentiell ist es zwar nicht, man kann Mass Effect 3 auch genießen, ohne die beiden Vorgänger zu kennen. Aber es nimmt dem Spiel sicherlich einiges von seinem Reiz. Dazu gehört natürlich auch die Möglichkeit, einen alten Spielstand importieren zu können. Das hat zur Folge, dass bestimmte Charaktere (nicht) auftauchen und je nach früher getroffenen Entscheidungen auch anders reagieren.

Für Kenner der Vorgänger ist es sicherlich kein allzu großer Spoiler, wenn man verrät, dass so mancher Charakter im dritten und letzten Teil wiederkehrt. Überhaupt ist Teil 3 wie eine große Familienzusammenführung, Shepard trifft etliche seiner loyalen Gefährten aus früheren Abenteuern.

An dieser Stelle muss die Schwärmerei über die Story unterbrochen bzw. eingeschränkt werden, da man unter Umständen Gefahr läuft, etwas Wichtiges (und selbst so manches vermeintlich Unwichtiges kann bei ME3 einen mittelschweren Spoiler darstellen) zu verraten.

Nur so viel: Die Reaper greifen die Erde an und machen sie und ihre Verteidiger innerhalb kürzester Zeit platt. Shepard kann mit seinem Raumschiff Normandy gerade noch entkommen. Seine Aufgabe: Er muss die anderen Völker des Universums gegen den Angriff der Riesen-"Tintenfische" mobilisieren, was natürlich keine leichte Aufgabe ist, da jeder vor allem an sich und das eigene Volk denkt. Wie und weshalb, ist sehr schnell klar, aber auch das wollen wir im Sinne der Spoiler-Hygiene verschweigen.


Allerdings leistet sich Mass Effect 3 gleich zu Beginn einen doch ziemlich schweren Logik-Aussetzer: Die ersten Minuten des Spiels zeigen (grafisch beeindruckend) wie die Reaper die Erde überfallen. Man hat aber nicht das Gefühl, dass Homo Sapiens den Angreifern ernsthaft etwas entgegen setzen kann, die Reaper sollten mit der Erde in etwa so viele Probleme haben wie ein Schaufelradbagger mit einem durchschnittlichen Ameisenhaufen im Wald. Trotzdem hat Shepard nach seiner Flucht alle Zeit der Welt den Widerstand zu organisieren.

Denn das Spiel führt einen wieder in alle möglichen Ecken des Universums, man kümmert sich um diverse Nebenaufgaben, sucht Rohstoffe (die jetzt als Kriegsmittel aller Art daherkommen), verbessert seine Ausrüstung, baggert Crew-Mitglieder an und ähnliches. Angesichts der Übermacht der Reaper ist es erstaunlich, dass für Shepard und Co. noch überhaupt etwas zu retten da ist. Aber sei’s drum, aufgrund all der Dramatik, die in ME3 steckt, wollen wir über diesen erzählerischen Kunstgriff hinwegsehen.

Zum Spiel selbst: Tja, was soll man sagen, es ist halt Mass Effect. Zwar haben die Entwickler an so manchem Element herumgeschraubt, es ist und bleibt aber das gleiche Spiel. Das betrifft viele Dinge, die das Spiel von Anfang an ausgemacht haben (im positiven Sinne), aber auch einige Dinge, die seit jeher eher eine lästige Pflichtübung waren, Stichwort: Ressourcensammeln.

Mass Effect 3Mass Effect 3Mass Effect 3Mass Effect 3

Da sind wir schon bei einer der größten Änderungen von Mass Effect 3, nämlich Sektorenkarte mitsamt des Scannens und Entdeckens fremder Planeten. Das wurde nämlich noch weiter vereinfacht. Im ersten Teil konnte man noch mit einem (ziemlich bockigen) Gefährt die Planetenoberfläche abfahren und dort Artefakte und Rohstoffe sammeln. In der ersten Fortsetzung gab es stattdessen eine neue Planetenansicht aus dem Orbit, man scannte die Oberfläche vom Raumschiff aus mit einem Fadenkreuz und verschoss ständig Sonden, wenn eine entsprechende Anzeige ausschlug.

Die Ansicht aus Teil 2 wurde nun in ME3 beibehalten, allerdings weiter simplifiziert. Man scannt zwar nach wie vor die Oberfläche, allerdings gibt es jeweils nur einen Gegenstand bzw. Kriegsmaterial ("War Asset") zu entdecken, eine Art Pfeil weist einem die Richtung, somit kann man das Ziel gar nicht verfehlen.

Gescannt werden die jeweiligen Sonnensysteme nun auch großflächig: Man fliegt herum und löst auf Knopfdruck einen Scanvorgang aus. Ist etwas Interessantes in der Nähe, scheint eine rote Markierung auf. Das Blöde dabei: Nach drei oder vier Scans kommen mehrere Reaper-Tintenfische ins Sonnensystem und jagen einem hinterher. Dann kann man nur die Triebwerke in die Hand nehmen und das Gebiet schnellstmöglich verlassen, wenn die Reaper das Schiff erwischen, gibt es ein Game Over. Wenn die Reaper einmal in ein Sonnensystem kommen, ist dieses fortan "verseucht" und man kann erst nach einer absolvierten Mission wieder zurück, um 100 Prozent der Kriegs-Ostereier aufzustöbern.

Die Story wird wie gewohnt vorangetrieben: Man hat im Prinzip freie Wahl, in welcher Reihenfolge man das Universum rettet, es empfiehlt sich aber dennoch, bestimmte Aufgaben nicht zu lange aufzuschieben, da sie unter Umständen verfallen können, die Auftraggeber können es sich nämlich auch anders überlegen.

Viele Missionen haben vor allem einen Zweck: Man kommt zum Kämpfen. Hier hat BioWare beim dritten Teil endlich eine gute Mischung aus Action und taktischen Elementen gefunden. Der Vorgänger spielte sich ja (fast zu) sehr wie ein Shooter. Action steht zwar auch nun wieder im Vordergrund, aber mehr denn je ist bei ME3 kluges Vorgehen und der Einsatz der Spezialfähigkeiten notwendig, um zum Erfolg zu kommen.


ME3 kann gelegentlich auch eine ganz schön harte Nuss sein: Das liegt vor allem daran, dass die Gegner-KI besser ist als ihr Ruf. Die Kontrahenten gehen eigentlich ganz geschickt in Deckung, wechseln diese und werfen auch überaus lästige Rauchgranaten. Zudem reicht die Munition nicht ewig, vor allem wenn man in einer Ecke festhängt. Das bedeutet aber nicht, dass ein wirklich dramatischer Munitionsmangel herrscht, man kann aber eben nicht ständig mit nur einer einzigen Waffe hantieren, sondern sollte immer wieder zwischen den unterschiedlichen Knarren hin- und herwechseln.

Wer in Deckung gehen kann, ist klar im Vorteil. Dieses Motto gilt bei ME3 mehr denn je. Die Sache hat nur einen Haken: Es klappt nicht immer. Shepard geht zwar auf Knopfdruck in Deckung, diese ist aber nicht immer dazu geeignet.

Der Ablauf der (Kampf-)Missionen ist hingegen meist der gleiche: Anfangs gibt es eine Story-Gesprächssequenz, danach kommen Gegnerwellen, schließlich durchstöbert man das gesäuberte Gebiet nach etwaigen Gegenständen, etwa Waffenerweiterungen oder Rüstungsteilen. Der Rätselanteil hält sich (generell) sehr in Grenzen, meist geht es darum Schalter A zu drücken um Tür B aktivieren zu können.

Gut gelungen ist auch, dass sich die Waffen sowie die biotischen bzw. Tech-Fähigkeiten erstmals angemessen mächtig anfühlen. Das liegt auch daran, dass die Waffengeräusche und Effekte nun richtig fetzig aus den Boxen dröhnen.

Apropos Sound: An dieser Stelle sollte man EA und BioWare loben, dass das englische Sprachpaket für die Xbox 360 gleich am ersten Verkaufstag zur Verfügung gestellt worden ist. Zwar ist auch die deutsche Synchronisation gut gelungen, das Original bietet aber etliche bekannte Namen, darunter Martin Sheen als Illusive Man, Seth Green als Joker und Tricia Helfer als EDI.

Grafisch hat sich kaum etwas getan: Mass Effect sieht zwar sicherlich etwas schicker aus als die beiden Vorgänger, eine dramatische Verbesserung ist es aber auch nicht. Der Detailgrad der Gesichtsanimationen ist recht hoch, dennoch wirken sie meist etwas hölzern, aber das war schon bisher nicht anders.


Die Bewegungsanimationen sind dagegen nur mäßig: Gelegentlich hat man das Gefühl, eine Figur würde dringend einen Chiropraktiker benötigen, weil sie steif, schief und seltsam verbogen durch die Gegend spaziert. Alles in allem stimmt die Inszenierung der cinematischen Zwischen- und Gesprächssequenzen aber, weshalb man über die motorischen Defekte der Figuren durchaus hinwegsehen kann.

Fazit:
Es gibt ja in den weiten Welten der Internets tatsächlich den einen oder anderen, der auf die Idee kommt, Mass Effect 3 in einem Atemzug mit Titeln wie Killzone oder Gears of War zu nennen. Das mag zwar auch auf den ersten Blick nicht zwangsläufig völlig abwegig sein, schließlich handelt es sich bei allen drei Games um Science-Fiction-Spiele. Auch wird in allen Fällen geballert. So weit, so gut.

Allerdings ist der Ansatz von BioWare dennoch ein völlig anderer: Man legt den Fokus auf das Erzählen einer spannenden Geschichte, diese ist auch das zentrale Element des Spiels. Klar, als Actionspiel funktioniert ein Gears of War sicherlich besser, was die Story betrifft, spielen die beiden Titel aber in völlig unterschiedlichen Ligen.

Man kann in Mass Effect 3 sicherlich so einiges finden, das man kritisieren kann: Gegner-KI, Kampfmechanik und auch die eher halbherzigen Rollenspielelemente. Doch man kann darüber auch hinwegsehen und einfach die epische Story genießen. Ja, auch die hat gelegentlich die eine oder andere Länge, aber dennoch gibt es heutzutage kaum Spiele, die sich derartig stark auf das Erzählen einer spannenden Geschichte konzentrieren. Und dafür sollte man BioWare dankbar sein, schließlich gibt es in der Branche nicht viele, die die Kunst des Geschichtenerzählens derart gut beherrschen.

Mass Effect 3 im WinFuture-Preisvergleich: Für PC, Xbox 360 und PlayStation 3 Videospiel, Weltraum, MASS EFFECT 3 Videospiel, Weltraum, MASS EFFECT 3 Bioware
Diese Nachricht empfehlen
Kommentieren43
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Kommentar abgeben Netiquette beachten!

Jetzt als Amazon Blitzangebot

Ab 00:00 Uhr Hazet Schlagschrauber 9012-1SPC
Hazet Schlagschrauber 9012-1SPC
Original Amazon-Preis
129,90
Im Preisvergleich ab
129,90
Blitzangebot-Preis
95,99
Ersparnis zu Amazon 26% oder 33,91

Beliebteste Xbox 360 im Preisvergleich

WinFuture Mobil

WinFuture.mbo QR-Code Auch Unterwegs bestens informiert!
Nachrichten und Kommentare auf
dem Smartphone lesen.

Folgt uns auf Twitter

WinFuture bei Twitter

Interessante Artikel & Testberichte

WinFuture wird gehostet von Artfiles

Tipp einsenden