Vista: Toleranz der Aktivierung bei Hardware-Tausch
Microsoft sorgte vor kurzem mit der Veröffentlichung der Lizenzbedingungen von Windows Vista für Verwirrung, weil die darin enthaltenen Formulierungen etwas schwammig gehalten sind und deshalb viel Spielraum für Interpretationen lassen.
Kürzlich versuchte man nun die Unklarheiten zu beseitigen und gab an, dass der Aktivierungsprozess der gleiche bleiben werde, wie beim Vorgänger XP. Wie bisher soll eine neue Aktivierung nur dann nötig werden, wenn die wichtigsten Komponenten eines PC-Systems getauscht werden.
Um zu ermitteln, wann eine Reaktivierung des Betriebssystems notwendig wird, verwendet man weiterhin einen Algorithmus, der ermitteln soll, wie schwerwiegend der Tausch einer Hardware-Komponente ist. Dabei handelt es sich um ein Punktesystem, bei dem jedes Teil des Computers für eine bestimmte Zahl von Punkten steht.
Bei Windows XP gilt eine Grenze von sieben Punkten. Jede Komponente schlägt mit einem Punkt zu Buche, ausser der Netzwerkkarte, der drei Punkte beigemessen werden. Um im Toleranzbereich zu bleiben, müssen mindestens sieben Punkte erreicht werden, sonst wird eine Aktivierung fällig. Hat man also eine Netzwerkkarte verbaut, müssen weitere vier Teile des PCs im Vorher-Nachher-Vergleich übereinstimmen, um einer erneuten Aktivierung aus dem Weg zu gehen.
Bei Laptops und vor allem denen, die in Verbindung mit einer Docking-Station betrieben werden, ist die Toleranz größer. In diesem Fall müssen nur vier Punkte erreicht werden. Auch bei Windows Vista wird bei der Produktaktivierung nach dem Punktesystem verfahren, allerdings ändern sich die Werte, welche für jede Hardare-Komponente gelten und auch der Mindestwert wird erhöht.
Dieser muss bei Windows Vista 25 Punkte übersteigen. In der untenstehenden Tabelle lassen sich die Punktzahlen der jeweiligen Komponenten einsehen, die von Microsoft-Kennerin Mary Jo Foley in ihrem Weblog unter Berufung auf Dokumente des Redmonder Software-Konzerns genannt werden. Offensichtlich schlagen vor allem die Festplatte und die BIOS-ID des Mainboards mit hohen Punktzahlen zu Buche. Sie werden jeweils mit 11 bzw. 9 Punkten bewertet.
| Hardware-Komponente | Gewichtung |
| Festplatten-Seriennummer | 11 |
| BIOS-ID (Mainboard) | 9 |
| IDE-Adapter | 3 |
| Hauptprozessor | 3 |
| Soundkarte | 2 |
| Netzwerkkarte | 2 |
| SCSI-Adapter | 2 |
| CD/DVD-ROM oder CD-RW | 1 |
| Grafikkarte | 1 |
| Menge des Arbeitsspeichers | 1 |
| Minimaler Gesamtwert | 26 |
Dies bedeutet, dass bei einem Tausch dieser beiden Komponenten eine erneute Aktivierung höchstwahrscheinlich nötig wird, da der benötigte Mindestwert von 26 Punkten unterschritten wird. Andere Teile der Hardware, wie zum Beispiel der Prozessor, die Grafikkarte oder auch der Arbeitsspeicher können weiterhin relativ frei getauscht und erweitert werden. Ist einmal ein Wechsel erfolgt, kann anscheinend beliebig oft gewechselt werden, ohne dass eine Aktivierung nötig ist, bei der ein neuer Gesamtwert der Hardware ermittelt wird.
Um das Ganze zu verdeutlichen, hier noch einmal eine Beispiel Rechnung. Ein System das in seiner Grundausstattung mit 34 Punkten bemessen wird, lässt sich nach dem Tausch des Prozessors und der Grafikkarte durch leistungsfähigere Varianten auch ohne eine erneute Aktivierung von Windows Vista nutzen, da mit einem Restwert von 30 Punkten die 26-Punkte-Grenze nicht unterschritten wird.
Tauscht der Anwender jedoch das Mainboard aus, während die anderen Komponenten wie gehabt erhalten bleiben, bleiben von ursprünglich 34 Punkten nur noch 24 übrig, da sich die BIOS-ID geändert hat. Somit muss eine Aktivierung durchgeführt werden. Anhand dieser Rechnung kann jeder selbst ermitteln, wie wahrscheinlich es ist, dass Windows Vista neu aktiviert werden muss, wenn neue Hardware zum Einsatz kommt.
Vor kurzem hatte Microsoft in einem Interview klar gestellt, dass sich Windows Vista bis zu zehn Mal über das Internet aktivieren lassen wird. Erst danach wird ein Anruf bei der Hotline des Unternehmens fällig, wenn man einen neuen Freischalt-Code erhalten will, der in den meisten Fällen auch ohne Umstände herausgegeben wird. In Verbindung mit dem Punktesystem zeigt sich, dass die Kriterien zwar gegenüber Windows XP verschärft wurden, aber immer noch einigen Spielraum für Änderungen der Hardware-Konfiguration lassen.
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