AOL erwägt, seinen Namen komplett in den Ruhestand zu schicken

AOL, ehemals America Online, ist den meisten Internet-Nutzern bzw. -Veteranen ein Begriff. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren eine bewegte Geschichte hinter sich, man hat sich zuletzt vom Internet-Anbieter zum Medienkonzern bzw. Verlagshaus orientiert. Der Name des Unternehmens ist dabei ein überaus bekannter, zeitgemäß ist er jedoch nicht mehr. Deshalb erwägt AOL nun, die Marke (komplett) in den Ruhestand zu schicken.
Provider, Aol, America Online
AOL

Ich bin drin!

Zur Jahrtausendwende war AOL der weltweit größte Internet Service Provider (ISP), rund 30 Millionen Kunden hatten zuvor (teilweise) eine der berühmt-berüchtigten CD-ROMs eingelegt. In Deutschland hatte seinerzeit ein erstaunter Boris Becker verkündet: "Ich bin drin!"

Dann folgte aber eine misslungene Fusion mit Time Warner, in den vergangenen Jahren hat das Unternehmen versucht, sich als Medienkonzern mit einem wichtigen Standbein im Werbegeschäft neu zu erfinden.

AOL wurde zuletzt vom US-Mobilfunkriesen Verizon gekauft, ein Problem hat AOL aber seither: den Namen AOL. Denn zwar ist der Markenname sehr bekannt, aber eben für das falsche Geschäft. So sagte AOLs Chief Marketing Officer Allie Kline gegenüber Business Insider, dass die Leute AOL nach wie vor als Mail-Provider kennen, aber nicht wissen, dass zu AOL auch Medien wie The Huffington Post, Engadget und TechCrunch gehören.

Deshalb überlegt man nun einen Relaunch, der aber weiter geht als das üblicherweise der Fall ist (neues Logo, neues Markendesign etc.) und auch den Namen komplett ändert. Eine finale Entscheidung dazu ist bisher nicht gefallen, man ist bei AOL laut Allie Kline hin- und hergerissen zwischen der Tradition und dem Wunsch nach vorne zu blicken.

Eine international durchgeführte Analyse von Marke und Name habe bisher kein eindeutiges Ergebnis geliefert: Es gebe laut Kline ein 50:50-Verhältnis zwischen Leuten, die den Namen aufgrund seiner Vergangenheit lieben und jenen, die ihn nicht mögen, weil er nicht sehr zeitgemäß ist.

Siehe auch: Knaller am US-Markt - Mobilfunker Verizon kauft Internet-Pionier AOL
Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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