Forscher überwinden Hürde für extrem stromsparende Computerchips
Forscher der Brown University haben einen Weg gefunden, einen bislang entscheidenden Nachteil vielversprechender Materialien für besonders energieeffiziente Computerchips zu überwinden. Dabei spielt der Magnetismus eine entscheidende Rolle.
Bismutferrit gehört zur Materialklasse der Multiferroika. Diese verbinden elektrische und magnetische Eigenschaften miteinander. In ihrer Kristallstruktur sind positive und negative Ladungen gegeneinander verschoben, wodurch eine elektrische Polarisation entsteht. Diese lässt sich durch eine kleine angelegte Spannung umkehren und damit zur Speicherung von Informationen in Form von Bits nutzen. Da elektrische und magnetische Zustände gekoppelt sind, könnten Daten zudem magnetisch ausgelesen werden. Das verspricht Speicher und Logikschaltungen mit deutlich geringerem Energiebedarf.
Bislang verhinderte jedoch ein Effekt namens "Dead Layer", dass solche Materialien in besonders dünner Form eingesetzt werden konnten. Werden die Schichten auf wenige Atomlagen reduziert, verändern sich ihre atomare Struktur und chemische Umgebung. Gleichzeitig können interne elektrische Felder die Polarisation destabilisieren. Dadurch gehen die gewünschten ferroelektrischen und magnetischen Eigenschaften verloren.
Das Team um Lucas Caretta, Ingenieurwissenschaftler an der Brown University, hat beide Probleme durch gezielte Veränderungen des Schichtaufbaus gelöst. Die Forscher züchteten Bismutferrit auf einem Kristallsubstrat aus Dysprosiumscandat. Dessen geringerer Gitterabstand erzeugt eine mechanische Spannung, die die benötigte atomare Struktur stabilisiert. Eine zusätzliche Metallschicht schirmt störende elektrische Felder ab.
Darüber hinaus wies das Material Altermagnetismus auf. Diese besondere magnetische Ordnung könnte Eigenschaften klassischer Ferro- und Antiferromagneten verbinden: schnelle Schaltvorgänge, geringe gegenseitige Störungen und zugleich gut auslesbare Signale. Das würde besonders dicht integrierte Speicher- und Logikbausteine ermöglichen.
Noch handelt es sich nicht um einen fertigen Chip. Die Arbeit zeigt vielmehr, wie sich grundlegende Materialeigenschaften für praktische Anwendungen erhalten und gezielt verbessern lassen. Angesichts des steigenden Energiebedarfs durch Künstliche Intelligenz könnte dies langfristig einen Beitrag zu effizienteren Rechenarchitekturen leisten.
Siehe auch:
- Extrem dünne Schichten aus Bismutferrit behalten nun wichtige Eigenschaften
- Bismutferrit verbindet elektrische sowie magnetische Merkmale miteinander
- Bisher zerstörte der Dead-Layer-Effekt die Polarisation bei dünnen Schichten
- Fachleute der Brown University lösten das Problem über ein Kristallsubstrat
- Eine spezielle Metallschicht schirmt zudem störende elektrische Felder ab
- Das extrem dünne Material weist eine besondere Form von Altermagnetismus auf
- Die Methode verspricht künftig energieeffiziente Speicher- und Rechenchips
Tod durch zu dünne Schichtung überwunden
Die neu entdeckte Methode ermöglicht es, extrem dünne Schichten aus Bismutferrit herzustellen, die auch bei wenigen Atomlagen ihre elektrischen und magnetischen Eigenschaften behalten. Zusätzlich weisen die Materialien eine besondere Form des Magnetismus auf, die für kommende Speicher- und Rechenbausteine interessant sein könnte. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Materials veröffentlicht.Bismutferrit gehört zur Materialklasse der Multiferroika. Diese verbinden elektrische und magnetische Eigenschaften miteinander. In ihrer Kristallstruktur sind positive und negative Ladungen gegeneinander verschoben, wodurch eine elektrische Polarisation entsteht. Diese lässt sich durch eine kleine angelegte Spannung umkehren und damit zur Speicherung von Informationen in Form von Bits nutzen. Da elektrische und magnetische Zustände gekoppelt sind, könnten Daten zudem magnetisch ausgelesen werden. Das verspricht Speicher und Logikschaltungen mit deutlich geringerem Energiebedarf.
Bislang verhinderte jedoch ein Effekt namens "Dead Layer", dass solche Materialien in besonders dünner Form eingesetzt werden konnten. Werden die Schichten auf wenige Atomlagen reduziert, verändern sich ihre atomare Struktur und chemische Umgebung. Gleichzeitig können interne elektrische Felder die Polarisation destabilisieren. Dadurch gehen die gewünschten ferroelektrischen und magnetischen Eigenschaften verloren.
Das Team um Lucas Caretta, Ingenieurwissenschaftler an der Brown University, hat beide Probleme durch gezielte Veränderungen des Schichtaufbaus gelöst. Die Forscher züchteten Bismutferrit auf einem Kristallsubstrat aus Dysprosiumscandat. Dessen geringerer Gitterabstand erzeugt eine mechanische Spannung, die die benötigte atomare Struktur stabilisiert. Eine zusätzliche Metallschicht schirmt störende elektrische Felder ab.
Noch kein Chip
So blieb das Material selbst bei einer Dicke von wenigen Ångström funktionsfähig. Ein Ångström entspricht einem Zehnmillionstel Millimeter. Die Forscher konnten damit den bislang unvermeidlichen "Dead Layer"-Effekt überwinden.Darüber hinaus wies das Material Altermagnetismus auf. Diese besondere magnetische Ordnung könnte Eigenschaften klassischer Ferro- und Antiferromagneten verbinden: schnelle Schaltvorgänge, geringe gegenseitige Störungen und zugleich gut auslesbare Signale. Das würde besonders dicht integrierte Speicher- und Logikbausteine ermöglichen.
Noch handelt es sich nicht um einen fertigen Chip. Die Arbeit zeigt vielmehr, wie sich grundlegende Materialeigenschaften für praktische Anwendungen erhalten und gezielt verbessern lassen. Angesichts des steigenden Energiebedarfs durch Künstliche Intelligenz könnte dies langfristig einen Beitrag zu effizienteren Rechenarchitekturen leisten.
Siehe auch:
- Haltbarkeit von ferroelektrischen Speichern wurde 100-fach erhöht
- Neue Methode soll Energiebedarf von Speichern drastisch senken
- Durchbruch bei Magneten könnte RAM, SSDs und HDDs revolutionieren
- Magnetspeicher mit Licht füllen: Durchbruch bei Antiferromagneten
- Altes Material öffnet neue Wege zu schnelleren, effizienteren Chips
Thema:
Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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