Whisky im Weltraum: Satellit soll Destillation im All testen

Ingenieure aus Schottland und Japan planen, nächstes Jahr Whisky in einem Satelliten ins All zu schicken. Das ungewöhnliche Experiment soll Erkenntnisse für zukünftige orbitale Fabriken und die Herstellung von Medikamenten liefern.
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University of Glasgow
  • Schottische und japanische Forscher testen Whisky-Reifung im Weltraum
  • Sieben Studierende aus Glasgow entwerfen dafür die Technik in Japan
  • Ein Nanosatellit soll im Jahr 2028 über die ISS ins All transportiert werden
  • Eine optische Zunge prüft die chemische Zusammensetzung der Flüssigkeit
  • Extreme Temperaturschwankungen und Vakuum beeinflussen das mitgeführte Holz
  • Die gewonnenen Daten dienen künftigen orbitalen Fabriken für Arzneien

Whisky-Forschung im Orbit

Ingenieure der schottischen University of Glasgow und des japanischen Kyushu Institute of Technology planen ein ungewöhnliches Weltraumprojekt. Sie wollen 2028 einen kleinen Satelliten in die Erdumlaufbahn bringen, um dort die Destillation und Reifung von Whisky unter den Bedingungen der Schwerelosigkeit zu untersuchen. Das Ziel des auf bis zu fünf Jahre angelegten Vorhabens ist die Erforschung chemischer Prozesse im All.

Die technologischen Grundlagen für das Vorhaben legen in diesem Herbst sieben Studenten der University of Glasgow. Sie verbringen drei Monate in Japan, um gemeinsam mit ihren Kollegen das System zu entwerfen. Dabei arbeiten sie an der Entwicklung der Batterie, der Funktechnik und der Bordcomputer. Finanziert wird der Aufenthalt durch ein Stipendium des Beratungsunternehmens Allen Associates.


Im Zentrum der Mission steht ein CubeSat, ein winziger Nanosatellit, der lediglich zehn Milliliter Flüssigkeit, die Grundzutaten für Whisky sowie kleine Holzfragmente transportieren soll. Der Start ist für 2028 im Rahmen einer SpaceX-Versorgungsmission zur Internationalen Raumstation geplant. Von dort aus soll der Satellit über das japanische Modul in seinen eigenen Orbit entlassen werden.

Wie aus einer Pressemitteilung der University of Glasgow hervorgeht, kommt an Bord auch eine künstliche Zunge zum Einsatz. Der nanophotonische Sensor besteht aus mikroskopisch kleinen Gold- und Aluminiumscheiben in einem Schachbrettmuster. Die Zunge soll kontinuierlich die chemische Zusammensetzung der Flüssigkeit analysieren und dabei minimale Veränderungen bei den Terpenen erfassen. Das sind die Verbindungen, die dem Alkohol das typische Aroma verleihen.

Extreme Temperaturen im All

Die Forscher wollen gezielt untersuchen, wie sich das Vakuum des Weltraums auf die chemische Evolution auswirkt. Während der Satellit die Erde in 90-minütigen Zyklen umkreist, ist das Material schnell wechselnden Extremen von Hitze und Kälte ausgesetzt. Im Weltraum können die Temperaturen laut Bailet zwischen -150 und 200 Grad Celsius schwanken. Das dürfte Folgen haben: Die Wissenschaftler erwarten, dass das mitgeführte Holz unter diesen harschen Bedingungen viel schneller atmet als auf der Erde. Das könnte neue Wege zur Untersuchung des Reifungsprozesses eröffnen.

Letztlich dient der Whisky als gut verstandenes Modell, um biologische Prozesse in der Mikrogravitation zu überwachen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Extraktion von Ethanol, einem essenziellen Nebenprodukt der Whisky-Herstellung. Die gesammelten Daten sollen das Fundament für zukünftige orbitale Fabriken legen. In solchen Anlagen könnten eines Tages komplexe Moleküle für Medikamente gegen Krebs, Diabetes oder Alzheimer produziert werden, deren Synthese auf der Erde schwierig oder unmöglich ist.

Zwar wurden in der Vergangenheit bereits Whisky-Proben auf der Internationalen Raumstation gelagert, jedoch befanden sich die Proben dort in einer streng temperaturkontrollierten Umgebung. Das schottisch-japanische Projekt wird den Alkohol erstmals direkt dem Vakuum des Weltraums aussetzen.

Was haltet ihr von der Idee, im Weltraum neue Produktionswege für Medikamente zu erforschen? Teilt eure Meinung und diskutiert mit uns in den Kommentaren.

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Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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