Speicherkrise: Kleine Hersteller sind froh, wenn sie etwas bekommen

Für viele Hardware-Hersteller wird im Zuge der Speicherkrise nicht der gestiegene Preis von Komponenten zum Problem, sondern deren Verfügbarkeit. Vor allem kleinere Produzenten stehen in dieser Hinsicht mit dem Rücken an der Wand.
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WinFuture/KI-generiert

    Der Druck ist enorm

    "Wenn man keine Zuteilung bekommt, ist man ohnehin aus dem Spiel", sagte Raymond van Eck, Chef des niederländischen Smartphone-Herstellers Fairphone, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Besonders Hersteller günstiger Geräte geraten durch die Entwicklung unter Druck. Speicher kann bei Smartphones der unteren Mittelklasse inzwischen bis zu 60 Prozent der Materialkosten ausmachen. Steigende Komponentenpreise können damit die Produktion von Einsteigergeräten unwirtschaftlich machen.

    Eine schnelle Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Der Chef des Speicherherstellers SK Hynix hatte im Juli erklärt, 2027 werde aus Sicht der Versorgung voraussichtlich das schwierigste Jahr der Branche. Die Nachfrage könnte seinen Angaben zufolge sogar über 2030 hinaus die verfügbaren Produktionskapazitäten übersteigen. Die Marktforscher von Counterpoint Research erwarten deshalb für 2026 einen Rückgang der weltweiten Smartphone-Auslieferungen um 13,9 Prozent auf 1,08 Milliarden Geräte. Das wäre der stärkste jährliche Rückgang seit Beginn der Erfassung.


    Zwar hat sich der Preisanstieg zuletzt abgeschwächt. TrendForce rechnet für das laufende Quartal bei herkömmlichem DRAM aber weiterhin mit einem Anstieg der Vertragspreise um 13 bis 18 Prozent. Im ersten Quartal waren die Preise noch um 93 bis 98 Prozent gestiegen. Eine nachhaltige Entspannung bedeutet das für die Hersteller daher nicht.

    Die Unternehmen reagieren deshalb mit Änderungen am Produktdesign. Der finnische Anbieter Jolla hat zwei Varianten seiner Hauptplatine entwickelt, um zwischen einem kombinierten Speicherbaustein und einzelnen Chips wechseln zu können. Beim Laptop-Hersteller Framework ist der Arbeitsspeicher bereits modular aufgebaut. Kunden können dadurch auch aus älteren Geräten ausgebaute Speichermodule weiterverwenden.

    Harte Preiskalkulation

    Zudem verschärfen sich die Qualitätskontrollen. Jolla untersucht Stichproben aus jeder gelieferten Charge, um sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um neue und nicht um aufbereitete Chips handelt. Auch bei der Beschaffung gehen die Hersteller neue Wege: Framework bestellt Komponenten lange im Voraus und nimmt dabei in Kauf, den späteren Preis, Lieferzeitpunkt oder die endgültige Menge noch nicht zu kennen.

    Mehr bleibt den Unternehmen auch kaum übrig. Denn sie müssen sich in dem hart umkämpften Markt gegen große Hersteller wie Apple behaupten. Insbesondere der Konzern aus Cupertino ist seit vielen Jahren dafür bekannt, sich mit seiner Marktmacht wichtige Kontingente bei den Zulieferern gesichert zu haben.

    Die gestiegenen Kosten werden letztlich unterschiedlich an die Kunden weitergegeben. Framework passt seine Preise zeitnah an, während Jolla kostenpflichtige Speicher-Upgrades anbietet. Fairphone hat seine Preise dagegen bislang nicht erhöht. Mit einer Normalisierung der Versorgung rechnet Jolla-Chef Sami Pienimäki erst ab 2028.

    Zusammenfassung
    • Teure Speicherchips bedrohen besonders günstige Einsteiger-Smartphones
    • Laut Branchenkennern könnte der Engpass sogar noch bis 2030 andauern
    • Counterpoint Research erwartet für 2026 historisch schwache Verkäufe
    • Manche Hersteller passen ihre Hardware an oder nutzen modularen RAM
    • Framework und Jolla reagieren mit flexiblen Preisen sowie Upgrades
    • Gegen Branchenriesen wie Apple haben kleine Anbieter kaum eine Chance

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