ChatGPT imitiert Nutzer-Tonfall:
OpenAI testet neue Schreibstil-Funktion

OpenAI erprobt ein neues Werkzeug für ChatGPT, das den persönlichen Schreibstil der Nutzer perfekt imitieren soll. Dafür muss die künstliche Intelligenz direkten Zugriff auf externe Dienste wie Gmail, Slack oder Notion erhalten - und will man das wirklich?
OpenAI, ChatGPT

    KI lernt persönlichen Schreibstil

    OpenAI erprobt derzeit ein neues Werkzeug für seinen Textgenerator ChatGPT. Die Funktion analysiert die individuelle Ausdrucksweise der Anwender anhand bestehender Texte, um neue Entwürfe im exakt gleichen Tonfall zu verfassen. Erste Nutzer entdeckten die Neuerung Anfang September 2026 in den Einstellungen der Software. Das primäre Ziel ist es, den Prozess der manuellen Eingabe von Textbeispielen vollständig zu automatisieren.

    Das hat aber durchaus seinen "Preis": Um die nötige Datenbasis für den individuellen Tonfall zu schaffen, muss sich die künstliche Intelligenz direkt mit externen Anwendungen verbinden. Interessierte Anwender können dem System weitreichenden Zugriff auf verschiedene digitale Arbeitsbereiche gewähren. Dazu gehören konkret Kommunikation über Plattformen wie Slack, gespeicherte Textdateien in Google Drive und Notion sowie der Posteingang und gesendete Nachrichten bei Gmail.


    Laut Bleeping Computer entfällt durch die tiefe Integration die Notwendigkeit, der Software den gewünschten Stil vor jeder Anfrage neu zu erklären. Das System greift stattdessen auf einen großen Pool an echten Formulierungen zurück. Dadurch erkennt das Programm selbstständig, wie der Nutzer im beruflichen oder privaten Alltag kommuniziert.

    Datenschutz bleibt ungeklärt

    Der Ansatz von OpenAI unterscheidet sich von bisherigen Lösungen am Markt. Der Konkurrent Anthropic bot für seinen Assistenten Claude eine ähnliche Personalisierung an. Dort mussten Nutzer ihre Referenztexte jedoch manuell hochladen. Die direkte Anbindung an bestehende Arbeitsumgebungen bei ChatGPT erfordert im Gegenzug weitreichende Zugriffsrechte der Software auf persönliche Daten.

    Bisher hat OpenAI nicht im Detail erklärt, wie die Informationen aus den verknüpften Konten verarbeitet werden. Bislang fehlt eine Angabe darüber, wie lange die analysierten Textmuster auf den Servern des Unternehmens gespeichert bleiben. Ebenso offen ist die Frage, ob private E-Mails und Chatverläufe für das weitere Training der großen Sprachmodelle verwendet werden.

    Aktuell steht die Funktion nur einer sehr kleinen Gruppe von Testern zur Verfügung. Wer bereits Zugriff hat, findet den entsprechenden Schalter im Menü unter den Personalisierungs-Einstellungen. Ob und wann das Werkzeug für alle Abonnenten freigeschaltet wird, hat OpenAI bislang nicht offiziell kommuniziert.

    Würdet ihr einer KI den Zugriff auf eure privaten E-Mails erlauben, um bessere Texte zu generieren? Teilt eure Gedanken dazu mit uns in den Kommentaren!

    Zusammenfassung
    • OpenAI erprobt ein neues Werkzeug zur Stil-Personalisierung in ChatGPT
    • Die KI analysiert den individuellen Schreibstil direkt aus Nutzerdaten
    • Dafür ist eine direkte Anbindung an verschiedene externe Apps nötig
    • Unterstützt werden Plattformen wie Gmail, Google Drive, Notion und Slack
    • OpenAI lässt den künftigen Umgang mit den privaten Nutzerdaten noch offen

    Siehe auch:
    Witold Pryjda

    Senior Redakteur

    Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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