Illegales KI-Training mit Raubkopien:
Anthropic zahlt Milliardenstrafe

Illegale Bücher-Quellen, wütende Autoren und eine Rechnung über 1,5 Milliarden Dollar: Anthropic muss für das Training seines KI-Modells Claude tief in die Tasche greifen. Ein US-Gericht hat den teuren Vergleich jetzt offiziell für gültig erklärt.
Anthropic, Claude, Claude AI

Milliarden-Vergleich für KI-Firma

Die US-Bundesrichterin Araceli Martinez-Olguin hat in San Francisco einen Vergleich über 1,5 Milliarden US-Dollar (etwa 1,31 Milliarden Euro) zwischen dem Unternehmen Anthropic und einer Autorengruppe endgültig genehmigt. Die Kläger warfen dem Entwickler des Sprachmodells Claude vor, urheberrechtlich geschützte Bücher aus illegalen Quellen für das KI-Training verwendet zu haben. Die Einigung beendet einen großen Urheberrechtsstreit in den USA.

Der finanzielle Ausgleich umfasst rund 500.000 Werke, wobei für jedes betroffene Buch etwa 3000 US-Dollar (etwa 2622 Euro) an die Rechteinhaber fließen. Anthropic hatte die Texte aus sogenannten Schattenbibliotheken wie Library Genesis aus dem Netz heruntergeladen. Der ursprünglich zuständige Richter William Alsup urteilte bereits im Vorfeld, dass das reine KI-Training mit legal erworbenen Texten hingegen unter die Fair-Use-Regelung falle.


Die Beschaffung über illegale Plattformen stufte der Richter jedoch als rechtswidrig ein. Um einem langen Prozess mit potenziellen Forderungen in dreistelliger Milliardenhöhe zu entgehen, stimmte Anthropic der Zahlung schließlich zu. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben bereits mehr als 91 Prozent der berechtigten Verlage und Autoren ihren Anspruch auf Entschädigung geltend gemacht.

Vermeidung einer Rekordstrafe

Das Gericht reduzierte zudem die ursprünglich geforderten Anwaltshonorare der Klägerseite. Die Kosten sanken von 187,5 Millionen US-Dollar (etwa 164 Millionen Euro) auf gut 101 Millionen US-Dollar (etwa 88 Millionen Euro). Für die gesamte Branche liefert der Fall nun gemischte Signale. Einerseits werten Entwickler die prinzipielle Bestätigung der Fair-Use-Doktrin für das Modelltraining als Erfolg.

Andererseits kritisieren einige Autoren die gezahlte Entschädigungssumme als deutlich zu gering. Da es sich um einen Vergleich und nicht um ein rechtskräftiges Berufungsurteil handelt, entsteht kein bindender Präzedenzfall für künftige Verfahren. Das reine Training wird von den Richtern weiterhin strikt von der legalen Beschaffung der Trainingsdaten getrennt behandelt.

Weitere Verfahren stehen aus

Zahlreiche weitere Klagen gegen Technologiekonzerne sind vor US-Gerichten weiterhin anhängig. Firmen wie OpenAI, Google und Meta sehen sich aktuell mit ähnlichen Vorwürfen von Verlagen und Kreativen konfrontiert. Einige Rechteinhaber haben sich bewusst gegen den Anthropic-Vergleich entschieden. Sie führen ihre Verfahren nun individuell fort, um möglicherweise höhere Summen zu erstreiten.

Wie bewertet ihr den Milliarden-Vergleich von Anthropic? Reicht das als Signal für den Urheberschutz beim KI-Training aus? Teilt eure Gedanken dazu in den Kommentaren.

Download Ollama - KI-Sprachmodelle lokal verwenden
Zusammenfassung
  • US-Richterin genehmigt Milliarden-Vergleich für KI-Firma Anthropic
  • Autoren warfen dem Claude-Entwickler die Nutzung illegaler Quellen vor
  • Rund 500.000 geschützte Bücher wurden für das KI-Training genutzt
  • Betroffene Rechteinhaber erhalten etwa 3000 US-Dollar pro Werk vom Konzern
  • KI-Training mit legal beschafften Daten gilt weiterhin als zulässig
  • Der außergerichtliche Vergleich schafft keinen bindenden Präzedenzfall

Siehe auch:


Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!