KI entschlüsselt Regeln von bisher mysteriösem römischen Brettspiel
Ein römischer Kalkstein aus Heerlen gab Archäologen fast 100 Jahre lang Rätsel auf. Jetzt hat eine KI die Regeln des antiken Brettspiels durch Tausende Simulationen entschlüsselt. Das System ermittelte ein asymmetrisches Blockierspiel als wahrscheinlichste Lösung.
Die Römer waren zwar als begeisterte Spieler bekannt, die sich in Lagern und Städten die Zeit mit Würfeln oder Strategiespielen wie Latrunculi vertrieben, doch dieses spezifische Design passte in kein bekanntes Schema. Nun haben Forscher der Universitäten Maastricht und Leiden unter der Leitung des Archäologen Walter Crist moderne Technologie genutzt, um die Funktionsweise des Objekts zu entschlüsseln. Durch komplexes Reverse Engineering ermittelte das Team, wie römische Siedler vor über 1500 Jahren ihre Freizeit verbrachten.
Das Team setzte auf das Spielsystem Ludii, eine spezialisierte Softwareumgebung für die Modellierung antiker Spiele, die im Rahmen des Digital Ludeme Project entwickelt wurde. Ziel war es, jene Regeln zu identifizieren, die exakt die auf dem Stein gefundenen Abnutzungsspuren verursachen würden. Die Software simulierte Tausende von Partien mit unterschiedlichsten Konfigurationen.
Die virtuellen Agenten spielten Szenarien wie drei gegen zwei oder vier gegen zwei Spielsteine durch und analysierten die Wahrscheinlichkeiten für Sieg und Niederlage. Dabei zeigte sich, dass die spezifischen Einkerbungen und Abnutzungen auf dem Stein am ehesten durch ein asymmetrisches Spiel entstanden sein mussten, bei dem die Figuren bestimmte Pfade häufiger frequentierten als andere.
Die Analyse deutet darauf hin, dass es sich um ein strategisches Blockierspiel handelte. Wie ScienceNews berichtet, platzierten die Spieler wahrscheinlich abwechselnd Steine in den Rillen, wobei eine Seite mit vier und die andere mit zwei Figuren spielte. Gewinner war, wer am längsten verhindern konnte, vom Gegner bewegungsunfähig gemacht zu werden. Das Spiel, das die Forscher nun Ludus Coriovalli getauft haben, weist Parallelen zu späteren mittelalterlichen Spielen auf, war aber in dieser Form für die römische Antike bisher nicht dokumentiert.
Der Fundort Heerlen liegt auf den Ruinen der römischen Stadt Coriovallum, einem damals bedeutenden Handelsplatz. Der etwa 20 Zentimeter breite Kalkstein wird auf den Zeitraum zwischen 250 und 476 nach Christus datiert. Das Ergebnis der KI-Analyse ist historisch relevant, weil reine Blockierspiele in Europa eigentlich erst Jahrhunderte später im Mittelalter auftauchten.
Das Artefakt könnte somit das fehlende Bindeglied in der Evolution der Brettspiele darstellen. Die Forscher vermuten deshalb, dass ähnliche Muster in antiken Ruinen, die bisher oft als bloße Kritzeleien oder Graffiti abgetan wurden, ebenfalls solche Spielbretter sein könnten.
Glaubt ihr, dass KI auch andere archäologische Rätsel lösen kann oder bleibt der menschliche Kontext unverzichtbar? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.
Siehe auch:
KI simuliert historische Partien
Ein unscheinbares Stück Kalkstein aus dem niederländischen Heerlen sorgte fast ein Jahrhundert lang für Kopfzerbrechen. Das Artefakt wurde bereits in den 1920er Jahren bei Ausgrabungen entdeckt, doch seine genaue Funktion blieb lange schleierhaft. Während die geometrischen Einritzungen auf ein Spielbrett hindeuteten, waren die Regeln unbekannt und konnten auch nicht ermittelt werden.Die Römer waren zwar als begeisterte Spieler bekannt, die sich in Lagern und Städten die Zeit mit Würfeln oder Strategiespielen wie Latrunculi vertrieben, doch dieses spezifische Design passte in kein bekanntes Schema. Nun haben Forscher der Universitäten Maastricht und Leiden unter der Leitung des Archäologen Walter Crist moderne Technologie genutzt, um die Funktionsweise des Objekts zu entschlüsseln. Durch komplexes Reverse Engineering ermittelte das Team, wie römische Siedler vor über 1500 Jahren ihre Freizeit verbrachten.
Das Team setzte auf das Spielsystem Ludii, eine spezialisierte Softwareumgebung für die Modellierung antiker Spiele, die im Rahmen des Digital Ludeme Project entwickelt wurde. Ziel war es, jene Regeln zu identifizieren, die exakt die auf dem Stein gefundenen Abnutzungsspuren verursachen würden. Die Software simulierte Tausende von Partien mit unterschiedlichsten Konfigurationen.
Die virtuellen Agenten spielten Szenarien wie drei gegen zwei oder vier gegen zwei Spielsteine durch und analysierten die Wahrscheinlichkeiten für Sieg und Niederlage. Dabei zeigte sich, dass die spezifischen Einkerbungen und Abnutzungen auf dem Stein am ehesten durch ein asymmetrisches Spiel entstanden sein mussten, bei dem die Figuren bestimmte Pfade häufiger frequentierten als andere.
Die Analyse deutet darauf hin, dass es sich um ein strategisches Blockierspiel handelte. Wie ScienceNews berichtet, platzierten die Spieler wahrscheinlich abwechselnd Steine in den Rillen, wobei eine Seite mit vier und die andere mit zwei Figuren spielte. Gewinner war, wer am längsten verhindern konnte, vom Gegner bewegungsunfähig gemacht zu werden. Das Spiel, das die Forscher nun Ludus Coriovalli getauft haben, weist Parallelen zu späteren mittelalterlichen Spielen auf, war aber in dieser Form für die römische Antike bisher nicht dokumentiert.
Der Fundort Heerlen liegt auf den Ruinen der römischen Stadt Coriovallum, einem damals bedeutenden Handelsplatz. Der etwa 20 Zentimeter breite Kalkstein wird auf den Zeitraum zwischen 250 und 476 nach Christus datiert. Das Ergebnis der KI-Analyse ist historisch relevant, weil reine Blockierspiele in Europa eigentlich erst Jahrhunderte später im Mittelalter auftauchten.
Das Artefakt könnte somit das fehlende Bindeglied in der Evolution der Brettspiele darstellen. Die Forscher vermuten deshalb, dass ähnliche Muster in antiken Ruinen, die bisher oft als bloße Kritzeleien oder Graffiti abgetan wurden, ebenfalls solche Spielbretter sein könnten.
Glaubt ihr, dass KI auch andere archäologische Rätsel lösen kann oder bleibt der menschliche Kontext unverzichtbar? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.
Zusammenfassung
- KI deckt Regeln eines rätselhaften römischen Brettspiels nach 100 Jahren auf
- Forscher nutzten Spielsystem Ludii zur Simulation tausender Spielvarianten
- Abnutzungsspuren weisen auf asymmetrisches strategisches Blockierspiel hin
- Eine Seite spielte mit vier, die andere mit zwei Figuren auf dem Kalkstein
- Das etwa 20 Zentimeter breite Spielbrett stammt aus dem 3. bis 5. Jahrhundert
- Entdeckung könnte ein fehlendes Bindeglied in der Evolution der Brettspiele sein
- Ähnliche Muster in antiken Ruinen könnten ebenfalls unerkannte Spielbretter sein
Siehe auch:
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