Betrüger nutzen Deepfakes inzwischen in industriellem Umfang

Deepfakes werden inzwischen in deutlich größerem Stil für Betrugs­fälle eingesetzt, als die meisten Nutzer ahnen. Laut einer neuen Analyse von KI-Fachleuten lässt sich inzwischen davon sprechen, dass Kriminelle die Technologie in industriellem Maßstab nutzen.
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Immer leichter nutzbar

Was einst als technisches Nischenphänomen galt, ist inzwischen billig, leicht zugänglich und massenhaft einsetzbar. Die Untersuchung der AI Incident Database dokumentiert zahlreiche Fälle, in denen gefälschte Videos oder Stimmen genutzt wurden, um Vertrauen zu erschleichen und Geld zu erbeuten - etwa durch angebliche Politiker, Ärzte oder bekannte Journalistinnen und Journalisten, die in manipulierten Clips für dubiose Produkte oder Investitionen werben. Das berichtet die britische Tageszeitung The Guardian.

So wird auf einen täuschend echt wirkenden Videoauftritt des australischen Regierungschefs verwiesen, der ein Investment anpries. Auch empfahlen vermeintliche Mediziner verschiedene Hautpflegeprodukte. Solche Betrugsmaschen sind Teil eines wachsenden Trends: Kriminelle greifen zunehmend auf frei verfügbare KI-Werkzeuge zurück, um gezielt Opfer auszuwählen.


Die Schäden sind erheblich. Ein Finanzmitarbeiter in Singapur überwies nach einem gefälschten Videoanruf mit angeblichen Führungskräften fast eine halbe Million Dollar. In Großbritannien summierten sich Betrugsverluste binnen neun Monaten bis November 2025 auf schätzungsweise fast 11 Milliarden Euro.

Sogar Fake-Bewerber

Experten warnen, dass die Einstiegshürden rapide gesunken sind. Laut MIT-Forscher Simon Mylius machen Betrugsfälle inzwischen den Großteil der gemeldeten KI-Zwischenfälle aus. Auch Harvard-Forscher Fred Heiding beobachtet, dass die Technologie immer leistungsfähiger und schneller werde. Und damit für nahezu jeden nutzbar.

Wie subtil die Methoden sein können, zeigt ein Fall aus der Wirtschaft: Jason Rebholz, Chef eines KI-Sicherheitsunternehmens, wurde nach einer Stellenausschreibung von einem scheinbar hoch qualifizierten Bewerber kontaktiert. Erst im Videogespräch bemerkte er Unstimmigkeiten, wie einen künstlich wirkenden Hintergrund, unscharfe Gesichtsränder und technische Auffälligkeiten. Eine Analyse bestätigte später: Das Video war KI-generiert.

Experten erwarten, dass sich die Lage weiter verschärft. Besonders bei Sprachklonen sei die Qualität bereits so hoch, dass Betrüger glaubhaft Angehörige imitieren können. Sollten auch Video-Deepfakes perfekter werden, drohen weitreichende Folgen - von manipulierten Bewerbungsverfahren bis hin zu Risiken für Wahlen und das Vertrauen in digitale Institutionen insgesamt.

Zusammenfassung
  • Deepfakes werden von Kriminellen mittlerweile industriell eingesetzt
  • Gefälschte Videos mit Politikern und Ärzten werben für dubiose Produkte
  • Ein Mitarbeiter überwies nach Fake-Videoanruf fast eine halbe Million Dollar
  • Betrugsverluste in Großbritannien bis November 2025 betrugen 11 Milliarden Euro
  • Einstiegshürden für Betrugstechnologien sind laut Experten rapide gesunken
  • Besonders Sprachklone erreichen bereits täuschend echte Qualität
  • Experten warnen vor weitreichenden Folgen für Wahlen und Vertrauen

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