Digitales Hochzeitsdrama: ChatGPT-Lapsus lässt glückliche Ehe platzen

Wenn KI den Bund fürs Leben schmiedet, kann das Folgen haben. So erklärte ein niederländisches Gericht eine Ehe jetzt für nichtig, da die mit ChatGPT verfassten Gelübde rechtlich zwingende Formulierungen vermissen ließen.
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WinFuture / KI-generiert

Unfreiwillig ledig durch KI-Fehler

Nicht nur, dass ChatGPT 5.2 zu seiner Veröffentlichung zunächst enttäuschte, der Chatbot war zuletzt auch in eine Reihe kontroverser Vorfälle verwickelt. Dabei ging es um den Suizid eines Teenagers und Beihilfe zum Mord. Für weniger dramatische, aber dennoch aufsehenerregende Folgen sorgte jetzt die Verwendung von OpenAIs KI zur Erstellung von Ehegelübden.

So hat ein niederländisches Gericht in Zwolle eine am 19. April 2025 geschlossene Ehe nun nachträglich für ungültig erklärt. Das betroffene Paar ist jetzt offiziell wieder ledig, da die während der Zeremonie verwendeten und von ChatGPT erstellten Texte essenzielle, gesetzlich vorgeschriebene Formulierungen vermissen ließen. Der Richter entschied strikt nach Gesetzeslage: Wo der Staat klare Worte fordert, reicht KI-Lyrik nicht aus.


Der Fehler unterlief im Rahmen einer in den Niederlanden beliebten Tradition. Um der Trauung eine persönliche Note zu verleihen, hatte das Paar einen Freund als sogenannten "Eendagsbabs" eingesetzt. Dabei handelt es sich um einen Laien, der für einen einzigen Tag zum Standesbeamten ernannt wird. Um den richtigen Ton zwischen Humor und Feierlichkeit zu treffen, nutzte dieser Freund ChatGPT für die Erstellung der Zeremonie-Texte. Die KI lieferte zwar den gewünschten Stil, ignorierte jedoch die zwingenden Vorgaben des niederländischen Bürgerlichen Gesetzbuches.

Romantik statt Gesetz

Wie Tech Xplore unter Berufung auf die Gerichtsunterlagen berichtet, enthielt der von der KI erstellte Text zwar emotionale Versprechen, verfehlte aber den juristischen Kern vollständig. Gemäß Artikel 1:67 des Bürgerlichen Gesetzbuches müssen beide Partner auf die Frage, ob sie alle gesetzlichen Pflichten der Ehe erfüllen werden, mit einem klaren "Ja" antworten. ChatGPT formulierte stattdessen poetische, aber rechtlich wertlose Alternativfragen:

Versprichst du, heute, morgen und für alle kommenden Tage an ihrer Seite zu stehen? Zusammen zu lachen, zu wachsen und sie zu lieben - was auch immer das Leben bringt?
ChatGPT-generierte Frage an den Bräutigam
Anstatt der rechtlich bindenden Erklärung der Eheschließung endete die Zeremonie zudem mit der Feststellung des Redners: "Dann erkläre ich euch hiermit nicht nur zu Mann und Frau, sondern vor allem zu einem Team, einem verrückten Paar, zur Liebe des anderen und zum Zuhause des anderen." Diese Formulierungen waren dem Gericht zu vage und entsprachen nach Ansicht der Verantwortlichen nicht der erforderlichen Willenserklärung zur Übernahme ehelicher Pflichten.

Menschliche Kontrolle versagte

Der Vorfall offenbart allerdings nicht nur technologische, sondern auch menschliche Unzulänglichkeiten. Ein offizieller Standesbeamter der Gemeinde war während der Zeremonie anwesend, um als Aufsichtsperson den korrekten Ablauf zu gewährleisten. Er schritt jedoch nicht ein, als die fehlerhaften Gelübde verlesen wurden. Der gravierende Formfehler fiel erst Monate später bei einer internen behördlichen Prüfung auf, woraufhin die Staatsanwaltschaft die Löschung des Eheeintrags beantragte.

Das Paar wehrte sich juristisch gegen die Annullierung und argumentierte, der Fehler liege nicht in ihrer Verantwortung, sondern bei der Aufsicht. Sie baten das Gericht, das ursprüngliche Hochzeitsdatum aus emotionalen Gründen beizubehalten oder den Verwaltungsakt unwirksam zu machen. Das Gericht wies dies jedoch zurück. In der Urteilsbegründung hieß es, man verstehe zwar die Bedeutung des Datums für Mann und Frau, könne sich aber nicht über zwingendes Recht hinwegsetzen. Die Ehe wurde aus dem Personenstandsregister gestrichen. Um vor dem Gesetz als verheiratet zu gelten, muss das Paar die Zeremonie nun unter Einhaltung der korrekten Formvorschriften wiederholen.

Warnung vor Einsatz von KI

Dieser Fall dient als prägnantes Beispiel dafür, dass KI-Tools wie ChatGPT zwar 'kreative' Texte generieren können, aber kein semantisches Verständnis für zwingende rechtliche Nuancen besitzen. Für Endanwender unterstreicht das Urteil die Notwendigkeit, KI-generierte Inhalte in formalen Prozessen stets penibel durch Fachexperten prüfen zu lassen. Verlässt man sich blind auf die Ausgabe eines Chatbots, riskiert man, dass Verträge oder sogar Ehen null und nichtig sind.

Was haltet ihr von dem Urteil? Findet ihr die Entscheidung des Gerichts angemessen oder hätte man hier ein Auge zudrücken sollen? Wir sind auf eure Meinungen in den Kommentaren gespannt.

Zusammenfassung
  • Niederländisches Gericht erklärt Ehe für ungültig wegen ChatGPT-Gelübden
  • KI-erstellten Ehegelübden fehlten gesetzlich vorgeschriebene Formulierungen
  • Von ChatGPT formulierte poetische Fragen ersetzten rechtlich bindende Erklärungen
  • Aufsichtsperson erkannte Formfehler während der Zeremonie nicht
  • Fehler wurde erst Monate nach der Hochzeit bei behördlicher Prüfung entdeckt
  • Gericht lehnte Bitte des Paares ab, das ursprüngliche Hochzeitsdatum beizubehalten
  • KI-Texte bei rechtlichen Angelegenheiten müssen fachlich geprüft werden

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