"Dogfights im All":
Satelliten interagieren zunehmend miteinander

In den Orbits um die Erde spielen sich zunehmend Manöver ab, die an Luftkämpfe erinnern. Die Satelliten der Großmächte beobachten sich inzwischen nicht nur gegenseitig, sondern reagieren zunehmend auch aufeinander.
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Kampf um Vorherrschaft

Wie stark die Konkurrenz zwischen den USA und China inzwischen auch den Orbit erreicht hat, zeigt ein Vorfall aus dem Jahr 2022, der erst jetzt bekannt wurde. Damals näherte sich der US-Aufklärungssatellit "USA 270" zwei neu gestarteten chinesischen Raumfahrzeugen in rund 35.000 Kilometern Höhe in der geostationären Umlaufbahn, wie die Washington Post berichtet.

Wie bei einem taktischen Manöver wählte der US-Satellit eine Position mit der Sonne im Rücken, um seine Ziele genauer beobachten zu können. Doch die chinesischen Satelliten reagierten: Einer bremste ab, ließ den US-Satelliten vorbeiziehen und setzte sich anschließend hinter ihn. Die Rollen waren vertauscht, ein Katz-und-Maus-Spiel, das Pentagon und Peking öffentlich nie bestätigten. Fachleute sprechen inzwischen von regelrechten "Dogfights im All".


Solche Begegnungen sind Teil einer neuen Phase der Militarisierung des Weltraums. Satelliten sind unverzichtbar für Kommunikation, Navigation, Aufklärung und mehr. Wer hier die Oberhand gewinnt, verschafft sich entscheidende strategische Vorteile. Immer häufiger nähern sich Raumfahrzeuge daher einander auf wenige Dutzend Kilometer, was in kosmischen Maßstäben eine heikle Distanz darstellt.

Früher blieben Satelliten meist auf festen Bahnen, um Treibstoff zu sparen. Heute jedoch entwickeln die großen Raumfahrtnationen, allen voran die USA, China und Russland, wendige Systeme, die beschleunigen, abbremsen und sogar im Verbund fliegen können. Ziel ist es, andere Satelliten auszuspähen, ihre Signale zu analysieren oder sie im Ernstfall zu stören.

China holt auf

Vor allem China hat in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt. Mit inzwischen mehr als tausend Satelliten und einer Rekordzahl an Raketenstarts baut Peking seine Präsenz im All rasant aus. Anders als in den USA ist das chinesische Raumfahrtprogramm eng an das Militär gebunden. Gleichzeitig betont die Regierung, sie setze sich für die friedliche Nutzung des Weltraums ein und lehne ein Wettrüsten ab.

Aber auch Washington rüstet auf. Bereits 2014 startete das Pentagon ein Überwachungsprogramm für die geostationäre Umlaufbahn, eine Art "Nachbarschaftswache im All". Ziel ist es, potenzielle Gegner frühzeitig zu erkennen und eigene Systeme zu schützen. Militärs sprechen offen davon, eine "Überlegenheit im Weltraum" anstreben zu wollen.

Noch befinden sich diese orbitalen Scharmützel in einer frühen Phase. Doch mit zunehmender Automatisierung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz könnten künftig ganze Schwärme von Satelliten gleichzeitig manövrieren. Was heute wie ein taktisches Kräftemessen wirkt, könnte sich damit zu einem zentralen Element künftiger Konflikte entwickeln.

Zusammenfassung
  • Satelliten führen im Erdorbit zunehmend Manöver ähnlich Luftkämpfen durch
  • USA und China liefern sich strategische Positionswechsel im geostationären Orbit
  • Die Militarisierung des Weltraums erreicht mit gezielten Annäherungsmanövern eine neue Phase
  • Moderne Satellitensysteme können beschleunigen, abbremsen und im Verbund fliegen
  • China hat mit über tausend Satelliten seine Weltraumpräsenz erheblich ausgebaut
  • Das Pentagon startete 2014 ein Überwachungsprogramm für die geostationäre Umlaufbahn
  • KI-gesteuerte Satellitenschwärme könnten zukünftig eine zentrale Rolle in Konflikten spielen

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