Neobroker Scalable Capital ist jetzt eine vollwertige Bank

Der Neobroker Scalable Capital erhält von der EZB die Voll­bank­li­zenz und erweitert als Folge sein Angebot um Kredite bis 100.000 Euro. Ab Oktober werden Prime-Kunden unbegrenzt mit zwei Prozent verzinst, während sich die Handelszeiten verlängern.
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Scalable Capital

Scalable wird zur Vollbank

Scalable Capital hat von der Europäischen Zentralbank die Erlaubnis für das Einlagen- und Kreditgeschäft erhalten und darf sich nun offiziell Bank nennen. Das Unternehmen wird durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) und die Deutsche Bundesbank als CRR-Kreditinstitut beaufsichtigt. Damit folgt der Münchener Neobroker seinem Berliner Konkurrenten Trade Republic, der bereits Ende 2023 eine Vollbanklizenz erhielt.

Die neue Lizenz ermöglicht es nach Angaben von Scalable, die komplette Wertschöpfungskette von der Depotführung über den Börsenhandel bis hin zu Einlagen und Krediten selbst abzuwickeln. Bisher war das Fintech auf Partnerbanken angewiesen, um bestimmte Dienstleistungen anzubieten.

Höhere Zinsen für Premium-Kunden

Ab dem ersten Oktober ändert sich das Zinsangebot deutlich: In Prime+ gilt der Zinssatz für Guthaben in unbegrenzter Höhe, in Free verdoppelt sich das verzinste Guthaben auf 100.000 Euro. Der Zinssatz bleibt bei zwei Prozent jährlich und entspricht dem aktuellen EZB-Einlagenzins.


Eine wichtige Neuerung betrifft die Verwahrung der Kundengelder. Prime+-Guthaben werden ab Oktober bei der Scalable Capital Bank und mehreren Partnerbanken verwahrt, wobei zum Start drei Partnerbanken zur Verfügung stehen. Diese Verteilung soll die Einlagensicherung optimieren, da pro Bank und Kunde 100.000 Euro abgesichert sind. Für Kunden mit höheren Guthaben bedeutet das eine deutlich bessere Absicherung ihrer Einlagen.

Scalable startet auch ein eigenes Kreditgeschäft. Das Unternehmen vergibt künftig selbst Kredite zwischen 1.000 und 100.000 Euro. Die Besonderheit: Als Sicherheit dienen Wertpapiere aus dem Kundendepot - allerdings nur ETFs, Fonds und bestimmte Aktien, nicht aber Kryptowährungen.

Die Kreditlinie kann maximal drei Viertel des Werts der hinterlegten Wertpapiere betragen. Die Zinsen werden taggenau auf den ausstehenden Kreditbetrag berechnet, die Beantragung erfolgt papierlos in der App oder im Web. Für Prime+-Kunden liegt der Zinssatz bei 3,24 Prozent jährlich, für Free-Kunden bei 4,24 Prozent. Diese Konditionen liegen deutlich unter den üblichen Dispozinsen traditioneller Banken.

Erweiterte Handelszeiten

Parallel zur Banklizenz erweitert Scalable seine Handelsinfrastruktur. Die Handelszeiten werden ab dem 15. September auf 7:30 bis 22:00 Uhr ausgeweitet. Das Unternehmen hat den technischen Betrieb der European Investor Exchange in Hannover übernommen und bietet zusätzlich Handel über Gettex und Xetra an.

Ein weiteres lang erwartetes Feature soll bald folgen: Die Kinderdepots, die bereits im Mai angekündigt wurden, sollen nach Angaben der WirtschaftsWoche "in wenigen Wochen" starten. Trade Republic hatte ein entsprechendes Angebot bereits erfolgreich eingeführt und damit neue Kundengruppen erschlossen.

Was haltet ihr von Scalables Schritt zur Vollbank? Seht ihr Vorteile in der Integration aller Finanzdienstleistungen unter einem Dach?

Zusammenfassung
  • Scalable Capital erhält Vollbanklizenz von der EZB und wird von Bafin beaufsichtigt
  • Ab Oktober: Prime+-Kunden erhalten unbegrenzt zwei Prozent Zinsen auf Guthaben
  • Neue Kreditangebote zwischen 1000 und 100.000 Euro mit Wertpapieren als Sicherheit
  • Kundengelder werden bei Scalable und mehreren Partnerbanken mit besserer Absicherung verwahrt
  • Handelszeiten werden ab 15. September auf 7:30 bis 22:00 Uhr ausgeweitet
  • Günstige Kreditzinsen: 3,24 Prozent für Prime+ und 4,24 Prozent für Free-Kunden
  • Angekündigte Kinderdepots sollen in wenigen Wochen eingeführt werden

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