Medion: Besitzer Lenovo stößt Großteil der Firma hinter dem 'Aldi-PC' ab

Medion wird aufgeteilt. Lenovo gibt den Großteil der deutschen Elektronikfirma an Gerd Brachmann zurück. Während die PC-Sparte bei den Chinesen bleibt, übernimmt der Gründer Haushaltselektronik und Aldi Talk.
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Medion / Aldi

Medion kehrt zu den Wurzeln zurück

Die Elektronikfirma Medion steht vor einer bedeutsamen Neuausrichtung. Der chinesische Eigentümer Lenovo hat den Großteil des Essener Unternehmens nur wenige Monate nach der kompletten Übernahme an Gründer Gerd Brachmann zurückgegeben. Die Aufspaltung erfolgt dabei auf Basis der Produktsparten. So behält Lenovo die lukrative PC-Sparte mit den Marken Medion und Erazer, während alle anderen Geschäftsbereiche in eine neue Medion GmbH überführt wurden.

Gerd Brachmann, der das Unternehmen 1983 gemeinsam mit Helmut Linnemann unter dem Namen "Brachmann & Linnemann oHG" gründete, erhält somit die Kontrolle über Haushaltselektronik, TV-Geräte, Wearables und den Mobilfunkdienst Aldi Talk zurück. Die neue Medion GmbH übernimmt zudem Marketing, Vertrieb und Logistik für die PC-Produkte, während Lenovo als OEM-Lieferant fungiert.


Wie die Wirtschaftswoche (via FAZ) berichtete, wurde die Transaktion bereits Anfang August vollzogen. Die meisten der 350 Mitarbeiter wechseln zur neuen GmbH, lediglich 23 Angestellte verbleiben bei Lenovo. Das "auszugliedernde Vermögen" umfasst sämtliche "Nicht-PC-Aktivitäten" und hat ein Nettoreinvermögen von rund 160 Millionen Euro.

Vom Aldi-PC-Pionier zum Elektronik-Imperium

Brachmann, der nach dem Fachabitur eine Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker sowie zum Außenhandelskaufmann absolvierte, baute Medion zu einem der größten deutschen Elektronikhändler auf. 1996 lieferte Medion erstmals fertig konfigurierte PCs an Aldi. Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die den deutschen Elektronikmarkt nachhaltig prägen sollte.

Den ersten großen Hype gab es 1997 mit dem Intel-Pentium-166-MMX-Rechner, der inklusive 15-Zoll-Monitor damals für unter 1800 DM angeboten wurde. Die Nachfrage war so groß, dass es zu chaotischen Szenen in den Aldi-Filialen kam. Ein Kunde versuchte damals sogar, sich den letzten Rechner in einer Filiale mit einer Waffe zu sichern.

Im Jahr 2003, dem Höhepunkt der Geschäftsentwicklung, setzte Medion knapp drei Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Gewinn von 180 Millionen Euro. Das Unternehmen war zu diesem Zeitpunkt einer der größten deutschen Computerhersteller und beschäftigte über 2.000 Mitarbeiter. 2011 verkaufte Brachmann seine Mehrheitsbeteiligung für 629 Millionen Euro an Lenovo, blieb aber als Geschäftsführer an Bord.

Strategische Fokussierung auf Kerngeschäft

Die jetzige Aufspaltung ermöglicht es beiden Unternehmen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Lenovo kann sich verstärkt auf das PC-Geschäft fokussieren, während Brachmann mit der breiten Produktpalette von Haushaltsgeräten bis zu Telekommunikationsdiensten wieder unternehmerische Freiheit erhält.

Die Rückkehr zur ursprünglichen Struktur könnte Medion neue Wachstumschancen eröffnen, birgt aber auch Risiken. Während Brachmann wieder direkten Einfluss auf die Geschäftsentwicklung hat, muss sich das Unternehmen in einem zunehmend umkämpften Markt behaupten, in dem Online-Händler und internationale Konzerne den Ton angeben. Für Kunden wird sich aller Voraussicht nach aber erst einmal nichts ändern.

Was haltet ihr von Medions Rückkehr zu den Wurzeln? Teilt eure Einschätzung zu dieser Unternehmensentscheidung in den Kommentaren mit!

Zusammenfassung
  • Lenovo gibt Großteil von Medion an Gründer Gerd Brachmann zurück
  • Brachmann erhält Kontrolle über Haushaltselektronik und Aldi Talk
  • Lenovo behält die lukrative PC-Sparte mit den Marken Medion und Erazer
  • Neue Medion GmbH übernimmt Marketing, Vertrieb und Logistik
  • Das ausgegliederte Vermögen umfasst rund 160 Millionen Euro
  • Von 350 Mitarbeitern wechseln die meisten zur neuen Medion GmbH
  • Medion war besonders erfolgreich mit PC-Angeboten bei Aldi seit 1996

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