Spin statt Strom für Next-Gen-Chips:
Forscher machen wichtige Messung

Forschern ist es erstmals gelungen, eine theoretisch vorhergesagte Phase aus Elektronen und spannenden Quanteneffekten nach­zu­wei­sen - ein exotischer Zustand, der künftige Computer robuster und energieeffizienter machen könnte.
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Dieser Quantenzustand wird noch nützlich

In einem Labor an der University of California in Irvine ist Forschern etwas gelungen, das bislang nur auf dem Papier existierte: die Messung eines vollkommen neuen Quantenzustands. Er entsteht in einem künstlich geschaffenen Material, wenn es extremen Magnetfeldern ausgesetzt wird - und könnte Computer grundlegend verändern.

Bislang war diese Idee rein theoretisch. Doch nun zeigt sich: In bestimmten Materialien können sich Elektronen mit etwas koppeln, das auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint - einer Art Lücke, die entsteht, wenn ein Elektron aus dem ansonsten dicht besetzten Elektronenband eines Festkörpers entfernt wird. Fehlt ein Elektron, bleibt eine Stelle mit positiver Ladung zurück, die sich im Material wie ein Teilchen mit positiver Ladung verhält. Physiker nennen dieses "quasiteilchenhafte Fehlen" schlicht "Loch".


Die Theorie, die jetzt nachgewiesen wurde: Unter den richtigen Bedingungen verbinden sich Elektronen und "Löcher" zu Paaren. Das Besondere: beide Partner drehen sich gleich gerichtet - ein Verhalten, das selbst in der exotischen Welt der Quantenphysik selten ist. Das Material, das diesen Zustand möglich macht, wurde eigens am UC Irvine hergestellt. Es trägt den Namen Hafnium-Pentatellurid.

Die Probe war winzig, das eingesetzte Magnetfeld gigantisch: Bis zu 70 Tesla - rund 700.000-mal stärker als das Erdmagnetfeld - mussten erzeugt werden, um die Umwandlung zu beobachten. Dies gelang in einer Spezialanlage des Los Alamos National Laboratory und der National High Magnetic Field Laboratory in Florida.

Experiment im Überblick
  • Material: HfTe₅, synthetisiert in Jauregui-Labor (UC Irvine)
  • Magnetfeld: bis zu 70 Tesla, erzeugt am LANL/NHMFL
  • Messbare Transformation: Plötzlicher Abfall der Leitfähigkeit
  • Quantenzustand: Spin-ausgerichtete Elektron-Loch-Paare (Exzitonen)
  • Relevanz: Strahlungsresistenz, potenzielle Spintronik-Anwendungen

Und was sehen die Forscher? "Plötzlich bricht die Leitfähigkeit des Materials ein", berichtet Physikprofessor Luis A. Jauregui. "Das zeigt, dass es in eine neue Phase übergeht." In dieser Phase entsteht ein Zustand, der weder von elektrischer Ladung noch von klassischer Störung beeinflusst wird. Ein solches Verhalten könnte neue Wege für sogenannte Spintronik-Anwendungen eröffnen - Bauelemente, die Informationen über Spinrichtungen transportieren, statt über elektrische Ströme.

Robustheit Next-Gen

Laut Quelle könnte das Material so auch besonders strahlungsresistent sein - und somit für Raumfahrttechnologien interessant. Anders als heutige Halbleiter verliert der neue Quantenzustand seine Eigenschaften nicht bei hoher Strahlenbelastung. Das ist ein entscheidender Vorteil für künftige Missionen ins All, etwa zu Mars oder Jupitermond Europa.

Noch ist unklar, welche Anwendungen sich aus dem neu entdeckten Zustand ergeben könnten. Doch dass er überhaupt existiert und nun experimentell nachgewiesen wurde, gilt als bedeutender Schritt. Denn damit rückt eine Elektronik in Reichweite, die gegenüber Störungen und Strahlung robust ist - ein mögliches Fundament für langlebige Systeme im All oder für neuartige Quantentechnologien.

Was ist ein Quantencomputer?
Ein Quantencomputer ist ein neuartiger Computertyp, der die Gesetze der Quantenmechanik nutzt, um bestimmte Berechnungen deutlich schneller durchzuführen als klassische Computer. Anders als herkömmliche Computer arbeitet er nicht mit Bits (0 oder 1), sondern mit Qubits.

Diese Qubits können dank Quantenverschränkung und Superposition mehrere Zustände gleichzeitig annehmen. Dadurch können Quantencomputer bestimmte komplexe Probleme um ein Vielfaches schneller lösen als klassische Rechner.
Wozu braucht man Quantencomputer?
Quantencomputer sind besonders nützlich für komplexe Optimierungsprobleme, wie sie in der Logistik, Materialforschung oder Finanzwirtschaft vorkommen. Sie können chemische Reaktionen simulieren und damit die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Kryptografie. Quantencomputer könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken, aber auch neue, abhörsichere Kommunikationswege ermöglichen.
Wie funktioniert ein Qubit?
Ein Qubit basiert auf quantenmechanischen Systemen wie Elektronen oder Photonen. Anders als klassische Bits können Qubits dank der Quantensuperposition gleichzeitig den Wert 0 und 1 annehmen.

Durch Quantenverschränkung können mehrere Qubits miteinander verbunden werden, wodurch die Rechenleistung exponentiell steigt. Allerdings sind Qubits sehr empfindlich gegenüber Störungen und müssen auf fast den absoluten Nullpunkt gekühlt werden.
Ersetzt der Quantencomputer den PC?
Nein, Quantencomputer werden klassische Computer nicht ersetzen. Sie sind Spezialrechner für bestimmte komplexe Probleme, während klassische Computer für alltägliche Aufgaben weiterhin besser geeignet sind.

Wahrscheinlich werden Quantencomputer zukünftig als Co-Prozessoren oder Cloud-Services genutzt, auf die klassische Computer bei Bedarf zugreifen können.
Wie teuer ist ein Quantencomputer?
Die aktuellen Kosten für einen Quantencomputer liegen im Bereich von mehreren Millionen Euro. Der Großteil der Kosten entsteht durch die notwendige Kühltechnik und die hochpräzise Steuerungselektronik.

Zusätzlich fallen hohe Betriebskosten an, da die Systeme permanent auf unter -270 °C gekühlt werden müssen. Experten erwarten, dass die Kosten in den nächsten Jahren deutlich sinken werden.
Sind Quantencomputer gefährlich?
Quantencomputer selbst sind nicht gefährlich, aber sie könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken. Dies könnte sensitive Daten wie Bankverbindungen oder verschlüsselte Kommunikation gefährden.

Deshalb wird bereits an quantensicheren Verschlüsselungsmethoden gearbeitet. Diese sollen auch gegen Angriffe durch Quantencomputer sicher sein und rechtzeitig implementiert werden.
Wer entwickelt Quantencomputer?
Die Entwicklung wird von großen Tech-Unternehmen wie IBM, Google und Intel vorangetrieben. Auch Start-ups wie IonQ und Rigetti arbeiten an der Technologie.

Daneben forschen zahlreiche wissenschaftliche Institute und Universitäten weltweit an Quantencomputern. Deutschland ist durch Forschungseinrichtungen wie das Forschungszentrum Jülich ebenfalls stark vertreten.
Zusammenfassung
  • Forscher weisen erstmals theoretisch vorhergesagte Elektronenphase nach
  • Elektron-Loch-Paare mit gleicher Spinrichtung bilden exotischen Zustand
  • Das Experiment benötigte Magnetfeld 700000-mal stärker als Erdmagnetfeld
  • Hafnium-Pentatellurid zeigt plötzlichen Einbruch der Leitfähigkeit
  • Neuer Quantenzustand bleibt von elektrischer Ladung unbeeinträchtigt
  • Material könnte strahlungsresistente Raumfahrttechnologie ermöglichen
  • Entdeckung ebnet Weg für neuartige Spintronik statt Elektronik

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