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Quantenäquivalent des 2. Hauptsatz der Thermodynamik entdeckt

Ein zentrales Rätsel der Quantenphysik scheint gelöst: En­tangle­ment - also Quantenverschränkung - lässt sich unter bestimmten Bedingungen genauso verlustfrei "hin und zurück" manipulieren wie Energie in der klassischen Thermodynamik.
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Wunderbatterie: Verschränkung nun umkehrbar

Alles beginnt mit einem Gedankenexperiment: Zwei Teilchen, weit voneinander entfernt - und doch sofort miteinander verbunden. Misst man eines, kennt man augenblicklich den Quantenzustand des anderen - etwa Spin oder Polarisation -, auch wenn beide Teilchen Lichtjahre voneinander entfernt sind. Diese Fernwirkung ohne greifbare Verbindung ist seit Jahrzehnten das Herzstück der Quantenmechanik - und zugleich ihr größtes Mysterium.

Schon länger beobachten Physiker auffällige Gemeinsamkeiten zwischen der klassischen Thermodynamik - also der Lehre von Wärme und Energie - und den Gesetzmäßigkeiten der Quantenverschränkung. So gibt es in beiden Bereichen eine Art Maß für Ordnung: In der Thermodynamik beschreibt Entropie, wie stark Energie in einem System verteilt ist - also ob es geordnet oder durcheinander erscheint. Auch in der Quantenwelt gibt es ein solches Maß: die Verschränkungs-Entropie. Sie zeigt, wie eng zwei Teilchen miteinander verbunden sind. Doch eine zentrale Frage blieb offen: Gibt es auch in der Quantenwelt ein Gesetz, das - wie der zweite Hauptsatz der Thermodynamik - regelt, wann sich ein Prozess vollständig und verlustfrei umkehren lässt?


Die Suche nach einem zweiten Gesetz, das dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik entspricht, war bislang ein ungelöstes Problem in der Quanteninformationswissenschaft. Die Lösung dieses Problems war unsere Hauptmotivation.
Tulja Varun Kondra, Mitautor der Studie
Bisher galt: Nein. Eine verlustfreie Rückkehr zum Ausgangszustand schien nicht möglich - zumindest dann, wenn zwei Beteiligte nur lokal an ihren verschränkten Teilchen arbeiten und sich ausschließlich über klassische Kanäle wie Telefon oder Internet abstimmen dürfen. In der Fachsprache werden solche Szenarien oft mit den fiktiven Figuren "Alice" und "Bob" beschrieben - sie stehen stellvertretend für zwei Forscher, die mit verschränkten Teilchen arbeiten oder Quanteninformationen austauschen. In solchen Szenarien konnte die veränderte Verschränkung nicht vollständig rückgängig gemacht werden.

Genau an diesem Punkt setzt die neue Arbeit an, veröffentlicht am 2. Juli 2025 in Physical Review Letters. Ein internationales Team, darunter Tulja Varun Kondra und Alexander Streltsov, hat einen Ausweg gefunden: die Entanglement Battery. Diese Batterie speichert nicht Energie, sondern Verschränkung selbst. Solange ihr "Ladestand" nicht sinkt, kann sie bei jeder Manipulation assistieren - und damit Reversibilität ermöglichen. Alice und Bob können damit auch komplexe, gemischte Zustände ohne bleibenden Verlust transformieren und zurückführen. Der Trick: Die Batterie wirkt als Katalysator, ohne sich aufzubrauchen.

Was ist die "Entanglement Battery" konkret?
  • Sie ist kein physisches Gerät, sondern ein gedachtes quantenmechanisches System, das selbst verschränkt ist.
  • Ihre Funktion: Bei Transformationen von Quantenzuständen stellt sie zusätzliche Verschränkungen bereit oder nimmt sie auf - ähnlich wie klassische Batterien, die Energie speichern und abgeben.
  • Wichtigste Regel: Die Verschränkung in der Batterie darf bei der Nutzung nicht abnehmen.
  • Sie ist mathematisch so modelliert, dass sie sich wie ein thermodynamisches Hilfssystem verhält - vergleichbar mit einem Wärmebad oder einer idealen Energiequelle.

Verschiebungslogik

"Was wir zeigen, ist ein vollständiger reversibler Rahmen für Verschiebungen jeder Art von Verschränkung", sagt Streltsov. Der Ansatz geht sogar darüber hinaus: Auch in Systemen mit mehr als zwei Teilchen - etwa in quantenvernetzten Netzwerken - könnte eine derartige Batterie helfen, Zustände effizient zu steuern.

Die Grundidee lässt sich auch auf andere Bereiche der Quantenphysik übertragen: Statt Verschränkung könnten auch andere "Quantenressourcen" zwischengespeichert werden - etwa Eigenschaften, die für besonders geordnete Zustände sorgen oder die Arbeit in Quantenmaschinen antreiben. So wie eine Batterie nicht nur Lampen, sondern auch Motoren oder Sensoren versorgen kann, könnte man künftig gezielt solche Quanteneigenschaften speichern und rückholbar machen. Das Team schlägt dafür ein allgemeines Regelwerk vor - eine Art zweiten Hauptsatz für verschiedene Quantenressourcen.

Was ist ein Quantencomputer?
Ein Quantencomputer ist ein neuartiger Computertyp, der die Gesetze der Quantenmechanik nutzt, um bestimmte Berechnungen deutlich schneller durchzuführen als klassische Computer. Anders als herkömmliche Computer arbeitet er nicht mit Bits (0 oder 1), sondern mit Qubits.

Diese Qubits können dank Quantenverschränkung und Superposition mehrere Zustände gleichzeitig annehmen. Dadurch können Quantencomputer bestimmte komplexe Probleme um ein Vielfaches schneller lösen als klassische Rechner.
Wozu braucht man Quantencomputer?
Quantencomputer sind besonders nützlich für komplexe Optimierungsprobleme, wie sie in der Logistik, Materialforschung oder Finanzwirtschaft vorkommen. Sie können chemische Reaktionen simulieren und damit die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen.

Ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet ist die Kryptografie. Quantencomputer könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken, aber auch neue, abhörsichere Kommunikationswege ermöglichen.
Wie funktioniert ein Qubit?
Ein Qubit basiert auf quantenmechanischen Systemen wie Elektronen oder Photonen. Anders als klassische Bits können Qubits dank der Quantensuperposition gleichzeitig den Wert 0 und 1 annehmen.

Durch Quantenverschränkung können mehrere Qubits miteinander verbunden werden, wodurch die Rechenleistung exponentiell steigt. Allerdings sind Qubits sehr empfindlich gegenüber Störungen und müssen auf fast den absoluten Nullpunkt gekühlt werden.
Ersetzt der Quantencomputer den PC?
Nein, Quantencomputer werden klassische Computer nicht ersetzen. Sie sind Spezialrechner für bestimmte komplexe Probleme, während klassische Computer für alltägliche Aufgaben weiterhin besser geeignet sind.

Wahrscheinlich werden Quantencomputer zukünftig als Co-Prozessoren oder Cloud-Services genutzt, auf die klassische Computer bei Bedarf zugreifen können.
Wie teuer ist ein Quantencomputer?
Die aktuellen Kosten für einen Quantencomputer liegen im Bereich von mehreren Millionen Euro. Der Großteil der Kosten entsteht durch die notwendige Kühltechnik und die hochpräzise Steuerungselektronik.

Zusätzlich fallen hohe Betriebskosten an, da die Systeme permanent auf unter -270 °C gekühlt werden müssen. Experten erwarten, dass die Kosten in den nächsten Jahren deutlich sinken werden.
Sind Quantencomputer gefährlich?
Quantencomputer selbst sind nicht gefährlich, aber sie könnten bestehende Verschlüsselungsmethoden knacken. Dies könnte sensitive Daten wie Bankverbindungen oder verschlüsselte Kommunikation gefährden.

Deshalb wird bereits an quantensicheren Verschlüsselungsmethoden gearbeitet. Diese sollen auch gegen Angriffe durch Quantencomputer sicher sein und rechtzeitig implementiert werden.
Wer entwickelt Quantencomputer?
Die Entwicklung wird von großen Tech-Unternehmen wie IBM, Google und Intel vorangetrieben. Auch Startups wie IonQ und Rigetti arbeiten an der Technologie.

Daneben forschen zahlreiche wissenschaftliche Institute und Universitäten weltweit an Quantencomputern. Deutschland ist durch Forschungseinrichtungen wie das Forschungszentrum Jülich ebenfalls stark vertreten.
Zusammenfassung
  • Wissenschaftler entdecken ein Quantenäquivalent zum zweiten Hauptsatz
  • Quantenverschränkung kann mithilfe einer 'Entanglement Battery' bewahrt werden
  • Die Quantenbatterie ermöglicht reversible Umwandlungen ohne Verluste
  • Forscher bewiesen am 2. Juli 2025 die verlustfreie Umkehrbarkeit von Prozessen
  • Das Konzept ist auf weitere Quantenressourcen und komplexe Systeme übertragbar
  • Ähnlichkeiten zwischen klassischer Thermodynamik und Quantenphysik bestätigt

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