Kollision abgesagt? Neue Studie stellen galaktisches Schicksal infrage

Lange galt ein Zusammenstoß der Milchstraße mit Andromeda als nahezu sicher - eine langsame kosmische Kollision. Jetzt wurde noch einmal exakt nachgerechnet: Dieses Szenario ist längst nicht so unausweichlich, wie bislang angenommen.
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Milchstraße und Andromeda: Kosmischer Crash abgesagt?

Ein Forschungsteam unter Leitung von Till Sawala (Universität Helsinki) hat mithilfe von 100.000 Computersimulationen untersucht, wie sich unsere Heimatgalaxie und Andromeda in den nächsten Milliarden Jahren zueinander verhalten. Grundlage der Studie sind aktualisierte Messdaten von Gaia (ESA) und Hubble (NASA), zwei der präzisesten Astrometrie-Instrumente im Orbit.

Dabei wurde erstmals auch die Gravitation der Großen Magellanschen Wolke (LMC) einbezogen - einer Satellitengalaxie mit etwa einem Zehntel der Masse der Milchstraße. Ihre Wechselwirkung mit der Dunklen Materie der Milchstraße hat einen größeren Einfluss als bisher vermutet. Das Resultat: Die Bahn Andromedas wird spürbar verändert, die Wahrscheinlichkeit einer frontalen Kollision sinkt.

ESA/Hubble arbeite 10 Jahre an Andromeda-Bild

Anders als frühere Modelle haben die Forscher:
  • Beobachtungsunsicherheiten in alle Variablen integriert, statt nur mit dem wahrscheinlichsten Einzelwert zu rechnen.
  • Erstmals den gravitativen Einfluss der LMC (Large Magellanic Cloud) mitberücksichtigt. Diese lenkt die Milchstraße durch eine senkrechte Gravitation relativ zur Bahn Andromedas spürbar ab - trotz einer Masse von nur 15 Prozent der Milchstraße.

Die Wahrscheinlichkeit für eine direkte Verschmelzung von Milchstraße und Andromeda innerhalb der nächsten 5 Milliarden Jahre beträgt nur noch 2 Prozent, so die Auswertung. Erst auf einer Zeitskala von 10 Milliarden Jahren steigt sie auf rund 50 Prozent. Dagegen rückt ein anderes Ereignis in den Vordergrund: Der beinahe sichere Zusammenschluss der Milchstraße mit der LMC - und das schon in weniger als 2 Milliarden Jahren.

Wenn ich die Ergebnisse unserer Berechnungen sehe, bin ich erstaunt, mit welcher Präzision wir die Entwicklung gigantischer Sternensysteme über Milliarden von Jahren nachbilden und ihr mögliches Schicksal nachvollziehen können. Das ist ein beeindruckender Beleg für die Kraft der Physik - verbunden mit der Rechenleistung moderner Supercomputer.
Carlos Frenk, Durham University, Kosmologe

Neue Daten viel genauer

Was die neuen Simulationen vor allem zeigen: Viele frühere Vorhersagen waren grobe Annäherungen - geprägt von begrenzten Daten, starren Annahmen und vereinfachten Modellen. Erst mit den präzisen Beobachtungen von Gaia und Hubble, kombiniert mit der Rechenkraft moderner Supercomputer, gelingt es nun, das Zusammenspiel galaktischer Kräfte realitätsnäher zu erfassen.

Doch auch dieses Bild bleibt eine Momentaufnahme - ein mathematischer Blick in eine Zukunft, die sich nicht exakt berechnen lässt. Ob Milchstraße und Andromeda einander umkreisen, sich verfehlen oder verschmelzen: Die endgültige Antwort wird sich erst noch zeigen. In ein paar Milliarden Jahren.

Fakten kompakt

  • 100.000 Simulationen auf Basis von Gaia- und Hubble-Daten
  • 2 Prozent Kollision mit Andromeda in 5 Mrd. Jahren, ~50 Prozent in 10 Mrd. Jahren
  • Fast sichere Kollision mit der LMC in 2 Mrd. Jahren
  • Erstmals Berücksichtigung der LMC-Schwerkraftwirkung
  • Veröffentlichung: Nature Astronomy, Juni 2025

Die jetzt veröffentlichte Studie in Nature Astronomy basiert auf einer früheren Vorabversion, die bereits im Sommer 2024 auf dem Preprint-Server arXiv erschien. Seitdem wurde das Modell deutlich erweitert: Die Zahl der Simulationen wurde auf 100.000 erhöht, erstmals flossen auch Beobachtungsunsicherheiten systematisch ein. Mit der inzwischen begutachteten Fassung liegt eine validierte und umfassendere Analyse vor, die die ursprünglichen Annahmen überprüft und vertieft.

Wie groß ist Andromeda?
Die Andromedagalaxie ist mit einem Durchmesser von etwa 200.000 Lichtjahren deutlich größer als unsere Milchstraße, die etwa 100.000 Lichtjahre misst. Sie beherbergt schätzungsweise eine Billion Sterne, während die Milchstraße etwa 100 bis 400 Milliarden Sterne enthält.

Mit einer Masse von etwa 800 Milliarden bis 1,6 Billionen Sonnenmassen übertrifft Andromeda unsere Heimatgalaxie auch in dieser Hinsicht. Ihre beeindruckende Größe macht sie zu einem dominanten Mitglied der Lokalen Gruppe, der Galaxiensammlung, zu der auch die Milchstraße gehört.
Kann man Andromeda sehen?
Ja, die Andromedagalaxie ist tatsächlich das am weitesten entfernte Objekt, das mit bloßem Auge von der Erde aus sichtbar ist. Bei guten Beobachtungsbedingungen - einem klaren Nachthimmel und geringer Lichtverschmutzung - erscheint sie als verschwommener Lichtfleck am Himmel im Sternbild Andromeda.

Mit einem Fernglas oder kleinen Teleskop wird der Anblick deutlich besser, und man kann die charakteristische elliptische Form erkennen. Die beste Zeit zur Beobachtung in der nördlichen Hemisphäre sind die Herbst- und Wintermonate, wenn das Sternbild Andromeda hoch am Nachthimmel steht.
Gibt es Planeten in Andromeda?
Astronomen gehen davon aus, dass es in der Andromedagalaxie zahlreiche Planeten gibt, obwohl der direkte Nachweis aufgrund der enormen Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren extrem schwierig ist. Die Prozesse der Planetenentstehung sollten dort ähnlich ablaufen wie in unserer Milchstraße.

2009 glaubten Wissenschaftler, ein Mikrolinsen-Ereignis beobachtet zu haben, das auf einen Planeten in der Andromedagalaxie hindeuten könnte. Bei einer geschätzten Anzahl von einer Billion Sternen in Andromeda ist es höchstwahrscheinlich, dass viele davon von Planetensystemen umgeben sind, möglicherweise mit Millionen oder Milliarden potenziell bewohnbarer Welten.
Leben in der Andromedagalaxie?
Obwohl wir keine direkten Beweise für Leben in der Andromedagalaxie haben, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die Bedingungen dort grundsätzlich lebensfeindlicher sein sollten als in unserer Milchstraße. Bei einer Billion Sternen ist die statistische Wahrscheinlichkeit für Leben durchaus gegeben.

Insbesondere um sonnenähnliche Sterne könnten sich erdähnliche Planeten in der habitablen Zone befinden, wo Temperaturen flüssiges Wasser erlauben. Auch um Rote Zwerge, die häufigste Sternart, könnten unter bestimmten Bedingungen einfache Lebensformen existieren, obwohl diese Sterne durch ihre Strahlungsausbrüche (Flares) Herausforderungen für die Entwicklung komplexen Lebens darstellen könnten.
Wie alt ist die Andromedagalaxie?
Das genaue Alter der Andromedagalaxie ist schwer zu bestimmen, aber astronomische Untersuchungen deuten darauf hin, dass sie ähnlich alt wie unsere Milchstraße sein dürfte - also etwa 10-13 Milliarden Jahre. Die ältesten Sterne im Halo der Galaxie sind vermutlich 11-12 Milliarden Jahre alt.

Interessanterweise haben Astronomen festgestellt, dass etwa ein Drittel der Sterne im Halo von Andromeda deutlich jünger sind, nur etwa 6-8 Milliarden Jahre alt. Dies wird als Hinweis auf eine bewegte Geschichte mit mehreren Galaxienkollisionen interpretiert, bei denen Andromeda kleinere Galaxien "verschluckt" hat.
Was passiert bei der Kollision?
Wenn die Andromedagalaxie und die Milchstraße kollidieren, wird dies nicht die katastrophale Explosion sein, die man sich vielleicht vorstellt. Der Abstand zwischen einzelnen Sternen ist so groß, dass direkte Sternkollisionen fast nie vorkommen.

Stattdessen werden die Gravitationskräfte beider Galaxien zu dramatischen Veränderungen führen. Die Spiralarme werden sich auflösen, und nach einem kosmischen Tanz, der mehrere Milliarden Jahre dauert, werden beide Galaxien zu einer neuen elliptischen Riesengalaxie verschmelzen, die manchmal scherzhaft "Milkomeda" genannt wird. Unser Sonnensystem wird wahrscheinlich in einen anderen Orbit in der neuen Galaxie geworfen.
Zusammenfassung
  • Neue Computersimulationen widerlegen früheres Modell einer sicheren Kollision
  • Forschungsteam nutzte 100.000 Simulationen mit aktualisierten Messdaten
  • Gravitation der Großen Magellanschen Wolke verändert die Bahn Andromedas
  • Wahrscheinlichkeit einer Kollision mit Andromeda sinkt auf nur zwei Prozent
  • Die Milchstraße wird vermutlich früher mit der Magellanschen Wolke verschmelzen
  • Präzise Beobachtungen von Gaia und Hubble ermöglichen realistischere Vorhersagen
  • Trotz verbesserter Modelle bleibt die galaktische Zukunft nicht exakt berechenbar

Siehe auch:


Bresser National Geographic
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