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Bekannteste Anti-Piraterie-Kampagne nutzte illegal kopierte Schriftart

Wer um das Jahr 2005 ins Kino ging oder eine DVD erwarb, bekam dabei wahrscheinlich auch die bekannte "You wouldn't steal a car"-Kampagne der US-Filmindustrie zu sehen. Nun steht fest, dass die Anti-Piraterie-Lobbygruppe dabei gegen das Urheberrecht verstieß.
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MPAA

Macher der Anti-Piraterie-Kampagne selbst Piraten

Die Motion Picture Association of America (MPAA) machte Mitte der 2000er-Jahre mit einer breit angelegten Werbekampagne Stimmung gegen die unter Konsumenten verbreitete Praxis, sich DVDs zu kopieren oder Filme und Serien einfach aus dem Internet herunterzuladen.

Die "You wouldn't steal a car"-Kampagne bildete die Speerspitze der Versuche der US-Filmindustrie, verletzte aber offenbar selbst das Urheberrecht. Konkret betrifft dies wohl die von den Autoren der Werbemittel verwendete Schriftart, die den oben genannten Schriftzug so prominent darstellte.


Alte MPAA-Dateien enthalten Hinweise auf kopierten Font

Eine Journalistin wurde laut Ars Technica jüngst darauf aufmerksam, dass die in der Kampagne verwendete Schriftart von dem Portal "Fonts in Use" als "FF Confidential" identifiziert wurde, die von dem Schriftgestalter Just van Rossum bereits im Jahr 1992 entwickelt wurde. Diese Schriftart ist wegen ihres Stencil-Looks sehr beliebt, aber eben auch eine kommerziell vermarktete Schriftart und damit entsprechend teuer.

Die MPAA oder die mit de Erstellung der Werbematerialien betrauten Firmen oder Agenturen wollten die dafür anfallenden Gebühren offenbar nicht zahlen. Wie ein interessierter Netz-Nutzer nämlich anhand eines Blicks der über das Internet Archive noch immer verfügbaren Original-PDFs der MPAA auf deren alter Website zu der Anti-Piraterie-Kampagne feststellte, nutzte man einfach eine nachgemachte Version der Schriftart FF Confidential.

XBand Rough: Kopie mit unbekanntem Ursprung

Mit Hilfe des Tools FontForge ließ sich bei einer Analyse der PDF-Dateien von der alten MPAA-Website ermitteln, dass man nicht FF Confidential, sondern den Font "XBand Rough" verwendet hat. Dabei handelt es sich nach aktuellem Kenntnisstand um eine unlizenzierte Kopie von FF Confidential, die sich optisch nicht vom Original unterscheidet.

Im Grunde verstößt damit die Organisation der Filmfirmen, die mit ihrer Kampagne mit großem Aufwand gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen versuchte, selbst gegen das Urheberrecht. Die MPAA bzw. ihre inzwischen nur noch als "Motion Picture Association" (MPA) bekannte moderne Version ohne den Namenszusatz "America" wollte sich zu dem Thema auf Anfragen der Presse hin bisher nicht äußern.

Die Original-Schriftart FF Confidential wird mittlerweile von dem Unternehmen MonoType vermarktet und ist noch immer ein kommerzieller Font. Woher die kopierte Version XBand Rough stammt, ist bisher heute nicht ganz klar. Sie erschien etwa vier Jahre nach dem Original und könnte ursprünglich eine ganz normal erworbene Ausgabe von FF Confidential gewesen sein. Später wurde die Schriftart wahrscheinlich einfach nur umbenannt und dann unter dem neuen Namen kostenlos weiterverbreitet - also genau das, was die Filmkonzerne gern irreführend als "Raubkopie" bezeichnen.

Zusammenfassung
  • Anti-Piraterie-Kampagne 'You wouldn't steal a car' nutzte unlizenzierte Schriftart
  • MPAA verwendete kopierte Version 'XBand Rough' statt originaler 'FF Confidential'
  • Urheberrechtsverletzung durch Organisation, die gegen Piraterie kämpfte
  • Schriftart-Analyse anhand alter PDF-Dateien auf MPAA-Website durchgeführt
  • Kopierte Schriftart optisch identisch mit Original, aber nicht lizenziert
  • MPA (früher MPAA) äußert sich bisher nicht zu den Vorwürfen
  • Herkunft der kopierten Schriftart 'XBand Rough' bleibt unklar

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