Streit in Rollenspiel-Szene endet:
Dungeons & Dragons unter CC-Lizenz

Wizards of the Coast (WotC), der Verlag hinter Dungeons & Dragons (D&D), hat das Herzstück des Kult-Rollenspiels jetzt unter einer Creative Commons-Lizenz verfügbar gemacht. Der Streit mit der Community könnte dadurch beigelegt werden.

Alle brauchen einander

Rollenspiel-Systeme haben seit jeher mit einem gewissen Widerspruch zu kämpfen: Einerseits muss der herausgebende Verlag Geld verdienen und daher Kontrolle über die Publikationen behalten, andererseits ist man aber auch auf eine kreative und aktive Community angewiesen, die die jeweilige Spielwelt erst richtig mit Leben füllt.

Bereits in den frühen 2000er-Jahren hatte WotC daher zentrale Elemente des Spiels über die sogenannte Open Gaming License (OGL) zugänglich gemacht - ein Schritt, der durch Open-Source-Ideen wie Richard Stallmans GNU-Lizenz inspiriert war. Ziel war es, kreative Projekte zu fördern und langfristig mehr Spieler für das D&D-Universum zu begeistern.


Doch Anfang 2023 sorgten Pläne zur Überarbeitung der OGL für einen Sturm der Entrüstung. Geplante Änderungen sahen vor, dass Entwickler und Autoren bei Umsätzen über 50.000 Dollar berichten und ab 750.000 Dollar sogar Lizenzgebühren zahlen sollten. Besonders umstritten war eine durchgesickerte Version der neuen Lizenz, die eine Abgabe von 25 Prozent vorsah - allerdings nur für gedruckte Produkte und statische PDFs. Digitale Anbieter, etwa von Virtual Tabletops, fühlten sich dadurch im Unklaren gelassen.

Auf massiven Community-Protest hin zog WotC schließlich zurück und veröffentlichte das SRD in der Version 5.2 unter der international anerkannten Creative Commons Attribution 4.0 Lizenz, berichtet Ars Technica. Diese lässt keine nachträglichen Lizenz-Änderungen mehr zu und stellt sicher, dass zentrale Regeln des Spiels dauerhaft kostenlos und frei nutzbar bleiben - solange eine angemessene Namensnennung erfolgt.

Es gibt Ausnahmen

Die neue Version des SRD umfasst über 360 Seiten und basiert auf den Regeln der 2024er-Edition von D&D. Enthalten sind unter anderem neue Charakterhintergründe wie Krimineller oder Gelehrter, zusätzliche Völker wie Goliath und Ork, 16 Talente, 20 Zauber, 15 magische Gegenstände und 17 neue Monster - darunter auch das Nilpferd. Hier können sich Spieler nun beispielsweise frei bedienen, eigene Abenteuer in den offiziellen Welten schreiben und diese auch veröffentlichen.

Nicht freigegeben bleiben jedoch ikonische Kreaturen wie Beholder oder Illithiden, die weiterhin urheberrechtlich geschützt sind. Wer also eigene Inhalte veröffentlichen möchte, sollte weiterhin genau prüfen, welche Elemente verwendet werden dürfen.

Zusammenfassung
  • Wizards of the Coast veröffentlicht D&D-Kern unter Creative Commons
  • Neue Lizenz beendet Streit mit der Community über Nutzungsrechte
  • Frühere Open Gaming License sollte restriktiver werden
  • Geplante Änderungen sahen Berichtspflicht und Lizenzgebühren vor
  • Massive Proteste führten zur Veröffentlichung unter CC-Lizenz
  • Neue SRD-Version umfasst über 360 Seiten mit zusätzlichen Inhalten
  • Ikonische Kreaturen bleiben weiterhin urheberrechtlich geschützt

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