Es brodelt: Ist es zwischen Microsoft & OpenAI bald vorbei?

Die schöne neue Welt der Künstlichen Intelligenz klingt gelegentlich eher nach dem Wilden Westen. Laut eines Berichts der New York Times brodelt es gewaltig hinter den Kulissen, sodass die Partnerschaft zwischen Microsoft und OpenAI recht plötzlich enden könnte.
Satya Nadella, Sam Altman, Köpfe, Heads

Reichlich Ärger zwischen den Partnern

Microsoft hat bekanntermaßen Milliarden Dollar in OpenAI investiert und lässt das Startup-Unternehmen im Gegenzug seine gigantischen Rechenzentren für den Betrieb von ChatGPT und anderen KI-Diensten nutzen. Gleichzeitig kann Microsoft die Technologien von OpenAI nutzen, um eigene KI-Angebote zu entwickeln.

Dass Microsoft aber vor einigen Monaten eine eigene, dedizierte Abteilung für die Arbeit an KI-Diensten gegründet hat, legt durchaus nahe, dass man sich in Redmond nicht zu sehr auf OpenAI verlassen will. Laut dem Bericht der New York Times (NYT) sorgte auch die De facto-Übernahme des mit OpenAI konkurrierenden Startup-Unternehmens Inflection AI durch Microsoft und der Umstand, dass der Inflection-Mitgründer Mustafa Suleyman mittlerweile zum KI-Chef von Microsoft erklärt wurde, für reichlich Verstimmung bei OpenAI.

Microsofts KI-Chef macht OpenAI-Mitarbeiter runter

Einige Mitarbeiter, Führungskräfte und OpenAI-Mitgründer Sam Altman sollen ziemlich sauer sein, dass Suleyman jetzt bei Microsoft arbeitet. Außerdem soll es für Unruhe sorgen, dass einige Microsoft-Ingenieure mittlerweile mit PCs von OpenAI in dessen Hauptquartier arbeiten.

Suleyman habe einen OpenAI-Mitarbeiter in einem Meeting angeschrien, weil die Firma aus San Francisco angeblich nicht so schnell neue Technologien an Microsoft weiterreichen soll, wie man es wünscht. In anderen Fällen hätten Microsoft-Mitarbeiter wichtige Software von OpenAI heruntergeladen, ohne sich an die zuvor abgestimmten Abläufe zu halten.

OpenAI hat sich eine Exit-Klausel gesichert

Dies sind jedoch nicht die größten Probleme, die es zwischen den Partnern gibt. So existiert dem Bericht zufolge eine Klausel in den ursprünglichen Verträgen zwischen den Firmen, laut der Microsoft den Zugriff auf die Technologien von OpenAI verliert, sobald das Startup sein Ziel der sogenannten "Artificial General Intelligence" (AGI) erreicht. Dabei handelt es sich um KI-Systeme, die die Intelligenz eines Menschen erreichen oder gar übertreffen.

Ursprünglich sei diese Klausel eingebaut worden, damit Microsoft die Technologien von OpenAI nicht "missbrauchen" kann. Mittlerweile gilt sie aber als eine Art Ausweg für OpenAI, um sich auf einen Schlag aus der Abhängigkeit von Microsoft zu lösen. Die Entscheidung darüber, wann der Zeitpunkt erreicht ist, soll dabei dem Vorstand von OpenAI obliegen.

Kürzlich hat Microsoft sich unterdessen darauf eingelassen, seinen Griff um OpenAI etwas zu lösen. So erlaubte man OpenAI, einen Vertrag mit Oracle im Wert von etwa 10 Milliarden Dollar abzuschließen, in dessen Rahmen Oracle Rechenzentren für die KI-Modelle von OpenAI einrichtet. Allerdings liefert Microsoft dabei weiterhin die Software für den Betrieb der Systeme. Außerdem hat OpenAI es geschafft, die Kosten, die Microsoft im Rahmen eines künftigen gemeinsamen Projekts für die Nutzung seiner Rechenzentren erhebt, zu senken.

OpenAI hat unterdessen vor allem ein Problem: die Finanzierung. Das Unternehmen verbrennt gigantische Summen, weswegen allein in diesem Jahr Verluste in Höhe von etwa 5,5 Milliarden Dollar erwartet werden. Immerhin konnte man zuletzt 6,6 Milliarden Dollar von Geldgebern einsammeln. Dies soll jedoch die Frage aufwerfen, was Microsofts künftige Anteile angeht, sobald OpenAI sich zu einem profitorientierten Unternehmen wandelt.

Zusammenfassung
  • Microsoft und OpenAI: Partnerschaft könnte bald enden
  • Microsoft investierte Milliarden in OpenAI für KI-Technologien
  • Spannungen durch Microsofts eigene KI-Abteilung und Übernahmen
  • Streit um Technologietransfer und Zugriff auf OpenAI-Ressourcen
  • Vertragsklausel könnte OpenAI von Microsoft unabhängig machen
  • OpenAI schließt Vertrag mit Oracle für Rechenzentren ab
  • Finanzielle Herausforderungen: OpenAI erwartet hohe Verluste

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