Meilenstein auf dem langen Weg zum künstlichen Winterschlaf erreicht

In einen langen Schlaf schicken und den Stoffwechsel herunterfahren: Sci-Fi skizziert den künstlichen Winterschlaf gerne als wichtiges Werkzeug der Weltraumreisen. Aber auch Forscher fasziniert die Idee. Jetzt ist es erstmals gelungen, einen Primaten in den Winterschlaf zu schicken.

Forscher üben sich daran, uralte Winterschlafneuronen zu triggern

Bei Weltreisen in Sci-Fi-Geschichten gehört es zur ganz normalen Standardausrüstung an Bord eines jeden gut sortierten Raumschiffs: Vorrichtungen, mit denen die Passagiere in einen künstlichen Winterschlaf versetzt werden können - zugegeben, auch in der Fiktion funktionieren diese Anlagen selten reibungslos. Hier auf der Erde versuchen sich aktuell Forscher daran, die komplexe Vorarbeit für die Entwicklung eines solchen Systems zu leisten. Künstlicher Winterschlaf in PrimatenForscher finden 'Schalter': künstlicher Winterschlaf in Primaten Die Körper von Primaten - außer bei Lemuren - sind nicht darauf ausgelegt, längere Phasen von deutlich verminderter Stoffwechselleistung zu tolerieren, ein Zustand, den man als Hypometabolismus bezeichnet. Einfach formuliert: Die Affenfamilie, und damit Menschen, würde zwar gerne vielleicht mal Winterschlaf machen, kann es aber nicht. Ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Wang Hong und Dr. Dai Ji vom Shenzhen Institute of Advanced Technology (SIAT) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften hat laut Phys hier einen Durchbruch erreicht.


Wie die Forscher beschreiben, konnte durch die gezielte Aktivierung einer Gruppe von Hypothalamus-Neuronen der erste steuerbare "künstliche Winterschlaf" bei nicht-menschlichen Primaten eingeleitet werden. "Wir führten fMRI-Scans durch und identifizierten mehrere Regionen, die an der Thermoregulation und der Wahrnehmung beteiligt sind", so Dr. Dai, einer der korrespondierenden Autoren. "Dies ist die erste fMRI-Studie, die diese Hirnweiten funktionellen Verbindungen untersucht."

Gezielt in den künstlichen Winterschlaf

Dann die Überraschung: Bei gezielter Aktivierung bestimmter Neuronen in diesem Bereich konnte sowohl bei betäubten als auch bei wachen Affen zuverlässig Hypothermie ausgelöst werden. Erster Effekt der neuronalen Stimulation: eine deutliche Senkung der Körperkerntemperatur. Die Erklärung der Forscher: Die Neuronen, die das Verhalten auslösen, sind von entscheidender Bedeutung bei der Thermoregulation im Primatengehirn.

"Diese Arbeit ist die erste erfolgreiche Demonstration von Hypothermie bei einem Primaten, die auf gezielter neuronaler Manipulation beruht", zitiert Phys Dr. Wang. "Angesichts der wachsenden Begeisterung für die bemannte Raumfahrt ist dieses hypothermische Affenmodell ein Meilenstein auf dem langen Weg zum künstlichen Winterschlaf."

Siehe auch:



Tipp einsenden