Sternhaufen kümmern sich nicht um Newtons Schwerkraftgesetze

Die klassischen Schwerkraftgesetze Isaac Newtons hat jeder in seiner Alltagserfahrung verinnerlicht. Im Universum finden sich aber immer wieder Dinge, die schlicht nicht in deren Korsett passen - das ist auch bei einigen Sternhaufen in unserer Umgebung der Fall. Die Untersuchung, deren Ergebnisse in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society veröffentlicht wurden, erforschte offene Sternhaufen. Diese entstehen, wenn Tausende von Sternen in kurzer Zeit in einer riesigen Gaswolke geboren werden. Bei der Geburt der Sterne werden die Überreste der Gaswolke weggeblasen, wodurch sich der Haufen ausdehnt und eine lockere Formation von Dutzenden bis Tausenden von Sternen entsteht, die durch schwache Gravitationskräfte zusammengehalten werden.

Bei der langsamen Auflösung des Haufens sammeln sich die Sterne in zwei sogenannten Gezeitenschweifen. "Nach den Newtonschen Gravitationsgesetzen ist es Zufall, in welchem der Schweife ein verlorener Stern landet", erklärte Jan Pflamm-Altenburg vom Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik an der Universität Bonn. "Beide Schweife sollten also etwa die gleiche Anzahl von Sternen enthalten. In unserer Arbeit konnten wir jedoch erstmals nachweisen, dass das nicht stimmt: In den von uns untersuchten Haufen enthält der vordere Schweif immer deutlich mehr Sterne in der Nähe des Haufens als der hintere Schweif."


Gaia hilft

Die Zugehörigkeit der Sterne zu den Schweifen ist dabei nicht besonders einfach zu bestimmen. Man benötigt dafür Daten über die Geschwindigkeit, die Bewegungsrichtung und das Alter des jeweiligen Objektes. An diese Informationen kamen die Wissenschaftler nun aber aufgrund der Messungen des europäischen Weltraum-Observatoriums Gaia, das darauf spezialisiert ist, die Bewegungen von Milliarden Sternen in der Milchstraße zu vermessen.

Um die nun erlangten Daten zu erklären, kommt man mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz nicht weit. Deutlich korrekter ließen sich die beobachteten Phänomene durch die sogenannte Modifizierte Newtonsche Dynamik (MOND) beschreiben. Dabei handelt es sich um eine umstrittene Hypothese, die alternativ zur Dunklen Materie genutzt werden könnte, um bestimmte Erscheinungen erklärbar zu machen.

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