Fast jeder wird identifizierbar:
Clearview baut Mega-Gesichtsdatenbank

Mit aggressivem Methoden will das Unternehmen Clearview AI eine Mega-Datenbank von Gesichter aufbauen. Trotz unzähliger Rechtsstreitigkeiten und lauter Kritik will man dank neuer Investoren bald 100 Milliarden Bilder erfasst haben und das Geschäft weiter ausbauen.
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Clearview lobt sich für ein System, das noch mehr kann als das von China

Das US-Startup Clearview AI steht seit Jahren in der Kritik. Apple hatte die App des Unternehmens 2020 wegen klaren Regelverstößen ganz aus dem App Store geschmissen, Facebook hat wegen der unerlaubten Erfassung von Bildern von der Social-Media-Plattform und dem Bilderdienst Instagram sogar eine Unterlassungsanordnung erwirkt. Auch Google, Twitter und YouTube fordern von dem Unternehmen die Löschung aller erfassten Inhalte, Clearview stellt sich in den USA mit einer sehr eigenwilligen Interpretation der "Meinungsfreiheit" gegen diese Forderungen.

Jetzt bringt sich das Unternehmen mit großen Versprechen für neue Investoren in Position. Im Zentrum der Zukunftspläne steht dabei weiterhin, die größte Gesichtsdatenbank der Welt aufzubauen und diese Informationen gewinnbringend weiterzuverkaufen. In einer Präsentation für Investoren, über die die Washington Post jetzt erstmals berichtet, spricht das Unternehmen davon, dass man innerhalb des nächsten Jahres die Schwelle von 100 Milliarden Gesichtsfotos in seiner Datenbank knacken wird. "Fast jeder Mensch auf der Welt wird identifizierbar sein", so Clearview stolz.

Wie das Unternehmen weiter zu seinem "Gesichtsindex" schreibt, ist die Datenbank seit Anfang 2020 von 3 Milliarden Bildern auf mehr als 10 Milliarden angewachsen. Mittlerweile will man rund 1,5 Milliarden neue Bilder pro Monat erfassen können. Damit könne man ein Produkt bieten, das die "in China verwendeten Systeme" sogar noch übertreffe, da die Gesichtsdaten auch mit "Metadaten aus öffentlichen Quellen" und "Informationen zu sozialen Verbindungen" angefüttert würden.

Noch viel größere Pläne

Waren bisher vor allem Strafverfolgungsbehörden die erklärten Wunschkunden, will sich das Unternehmen hier mit seinem Datenschatz und eigener Gesichtserkennungs-Technologie noch breiter aufstellen. Die Präsentation beschreibt Bemühungen, ein System zur Überwachung von "Gig-Economy-Arbeiter" zu entwickeln. Weitere Pläne: Clearview arbeitet an weiteren Identifikationssystemen, die Menschen am Gang erkennen, Fingerabdrücke aus der Ferne scannen und Standorte aus Fotos ermitteln.

Gerade in Bezug auf die USA wählt das Unternehmen dabei einen klassisch patriotischen Ansatz, um sich als ein wichtiges Produkt "Made in USA" zu positionieren. "Sie versuchen ausdrücklich, die Kontroverse über ihr Unternehmen zu nutzen, um zu behaupten, dass sie prominent sind", zitiert die Washington Post den Datenexperten Jack Poulson. "Und sie kombinieren das mit einer nationalistischen Rhetorik - dass die USA China in Sachen Überwachung übertrumpfen müssen, um die bürgerlichen Freiheiten zu schützen."
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