Flugzeuge lassen sich via Bordcomputer-Malware entführen

Flugzeug, Flughafen, Lufthansa Bildquelle: Lufthansa
Die Pilotenvereinigung Cockpit fordert, dass der IT-Sicherheit in Flugzeugen deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Aktuell seien viele Systeme offen wie ein Scheunentor und Maschinen lassen sich unter Umständen mit einer dafür entwickelten Malware übernehmen.
Über die Bordkommunikation können Angreifer aktuell Zugang zu wichtigen Bereichen der Bordelektronik bekommen. In einer Dokumentation des Senders NDR, die Das Erste am heutigen Abend zeigt, beschwert sich Pilotensprecher Jörg Handwerg darüber, "wie schlecht die Systeme geschützt sind".

Hintergrund dessen ist ein interner Vortrag, zu dem der Cockpit den Sicherheits-Spezialisten Hugo Teso kürzlich eingeladen hatte. Der gelernte Pilot veranschaulichte dabei, wie sich mit einer Schadsoftware die Steuerung kapern lässt, sobald ein Flugzeug per Autopilot fliegt. "Da war nur noch gespenstische Stille", so Handwerg. "Die Anzahl an Computern, die man manipulieren kann, ist doch erheblich höher, als ich angenommen hatte. Hier muss dringend etwas geschehen."

Teso demonstriert in der Doku anhand einer umgebauten Drohne, wie er sich in Flugzeug-Steuerungen hacken könnte. Seitens der Verantwortlichen will man das Thema offenbar lieber nicht öffentlich diskutieren. Sowohl der europäische Flugzeughersteller Airbus als auch die zuständige EU-Kommission in Brüssel lehnten Interviewanfragen der Autoren dazu ab. Airbus schrieb, zu "Details dieses Themenkomplexes" wolle der Konzern nicht "in der Öffentlichkeit auftreten". Aus Brüssel hieß es per Mail, man nehme dort aus Sicherheitsgründen "zur Schlüssigkeit spezifischer Angriffsformen nicht Stellung".

Nicht nur Flugzeuge sind in Gefahr

Aber nicht nur Flugzeuge sind über ihre IT für Angriffe anfällig. Auch in der Schifffahrt muss man sich zukünftig verstärkt Gedanken zu dem Thema machen. So wird in dem Film ein Fall gezeigt, der schon vor einiger Zeit etwas Aufmerksamkeit bekam. Ein US-Forscherteam der texanischen Universität Austin hatte hier eine Luxus-Yacht im Mittelmeer unbemerkt von ihrem Kurs abgebracht. Dafür fälschten die Angreifer die Navigationsdaten des Global Positioning Systems (GPS), die das Schiff empfängt.

Neue Angriffslücken biete nach Ansicht von Forschern auch das sogenannte "Internet der Dinge", das immer mehr Computernetzwerke von Firmen und Verbrauchern miteinander verbindet. Vorreiter sei vor allem das vernetzte Auto, heißt es in dem Film, der auch dazu Beispiele geglückter Angriffe bereithält. Aber auch Alltagstechnologien vom Garagenöffner bis zur industriellen Fertigungsstraße seien womöglich anfällig für Attacken.

"Als etwa in den Achtzigerjahren die ersten Geräte mit eingebauten Kleinstrechnern auf den Markt kamen, dachte noch kaum einer an Hacker", sagt der Bochumer Computerexperte Christoph Paar im NDR Interview. Autor Klaus Scherer nahm ihn beim Wort und öffnete mit Paars selbstgebauten "Hackomaten" mal eben das Garagentor seiner verblüfften Hamburger Nachbarn. Flugzeug, Flughafen, Lufthansa Flugzeug, Flughafen, Lufthansa Lufthansa
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