MPI: Vorratsdatenspeicherung hilft überhaupt nicht

Recht, Politik & EU Eine Vorratsdatenspeicherung trägt nicht zu besseren Möglichkeiten der Kriminalitätsbekämpfung bei. Zu diesem Urteil kommt ein wissenschaftliches Gutachten der kriminologischen Abteilung des Max-Planck-Instituts (MPI), das dem Chaos Computer Club (CCC) zugespielt und von diesem veröffentlicht wurde.

Immer wieder wird von Polizei und verschiedenen Politikern von einer angeblichen "Schutzlücke" gesprochen, die durch den Wegfall der Vorratsdatenspeicherung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts März 2010 entstanden sein soll. Die Studie kommt nun zum eindeutigen Ergebnis, daß eine solche Lücke nicht besteht.

"Die umfangreiche europaweite Erhebung und Auswertung des MPI offenbart, dass die Stammtischparolen von der 'Schutzlücke' durch den Wegfall der anlasslosen Telekommunikationsdatenspeicherung keine Faktenbasis haben", kommentierte CCC-Sprecher Frank Rieger die Ergebnisse der Studie zusammen. "Die Vorratsdatenspeicherung führt nachweislich nicht zu höheren Aufklärungsquoten bei schweren Verbrechen."

Das Gutachten vom Juli 2011 betrachtet detailliert Deliktsbereiche hinsichtlich ihrer Aufklärungsquoten. Für den Zeitraum, in dem es in Deutschland eine Vorratsdatenspeicherung gab, ist kein positiver Effekt auf die Aufklärungsquoten zu verzeichnen. Aber auch nach dem Ende der Vorratsdatenspeicherung war kein Abfall der Quote der aufgeklärten Fälle zu beobachten.


Weiterhin verglichen die MPI-Forscher die Situation und Entwicklungen in anderen europäischen Ländern und zogen auch die Daten aus der auf EU-Ebene durchgeführten Evaluation heran. Zudem wurden Ermittler, Staatsanwälte und Richter befragt. Auch im direkten Vergleich mit anderen europäischen Ländern, die derzeit eine Vorratsdatenspeicherung umsetzen, sei keine deutsche "Schutzlücke" feststellbar, so das Fazit.

Die Studie bemängelt weiterhin das Fehlen systematischer empirischer Untersuchungen zu den Auswirkungen der anlasslosen Massenerfassung. Auch in Zukunft seien solche wissenschaftlichen Evaluationen aus Kostengründen nicht einmal geplant. Entsprechend werden von den Befürwortern der Vorratsdatenspeicherung lediglich Einzelfälle herangezogen, um die Notwendigkeit einer massenhaften Speicherung von Kommunikationsdaten zu begründen, so der CCC.

"Der hartnäckige Unwille, technische Ermittlungsmaßnahmen, die tief in Grundrechte eingreifen, einer regelmäßigen neutralen Evaluierung zu unterwerfen, setzt sich hier fort", so Rieger. "Innenpolitiker und Sicherheitsbehörden sehen offenbar keinen Bedarf an einer sachlichen, faktengestützten Diskussion und versuchen stattdessen immer wieder, mit Einzelfällen und Anekdoten die öffentliche Meinung zu manipulieren."

Laut dem MPI-Gutachten halten solche in der öffentlichen Debatte gern verwendeten Fallbeschreibungen einer nüchternen wissenschaftlichen Überprüfung oftmals nicht stand. Explizit wird in der Studie des MPI auch darauf hingewiesen, dass keinerlei Hinweise dafür vorliegen, dass durch eine entsprechende Datenspeicherung ein islamistischer Terroranschlag verhindert worden sei.

Weitere Informationen: Studie des MPI (PDF)
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Einfach nur schön!
 
@huzgu444: Nur das solche Studien schon alle paar Monate veröffentlicht werden. Aber diese Fakten interessieren unseren Volksverrä...ahem Volksvertretern nicht, denn denen geht's ja sowieso um was anderes: brav die Wünsche bestimmter Lobbies zu erfüllen.
 
wer bringt die kosten für die speicherung auf? vielleicht sollten wir die daten derjenigen speichern, die so dafür sind, daß daten auf vorrat gespeichert werden (damit die justiz auch weiterhin niederste gründe angeben kann, um die steuerzahler abzuzocken - eben auf vorrat für zeiten, in denen die justiz sonst nichts zu tun hätte).
 
@r2d9: So wie es geplant war, die Kunden der Provider ... also indirekt. Die Provider sollten die Speicherung etwas finanziert bekommen, aber das dafür die Kunden bluten ist ja wohl klar.
 
[re:2] r2d9 am 27.01.12 18:03 Uhr
(+1
@wuddih: Die Kosten werden immer an die Bürger weitergegeben - denn die Gruppe Staat dienstleistet und produziert nichts - und hat daher selbst kein Geld. Sie erhält Geld, um es umzuverteilen und um es für öffentliche Einrichtungen einzusetzen, die auch dem "einzelsten" aller Einzelbürger nutzen. Dabei knappst sie sich ein gehöriges Sümmchen für sich selbst ab - und mißbraucht das Geld, um es mittels vorgeschobener Gründe gegen die Bürger selbst einzusetzen. Sorry, aber das einzige wirkliche Problemkind der Gesellschaft ist die Gruppe Staat. Sie wird aber immer noch zu verhätschelt, obwohl sie erst das Setting schafft, daß andere aus Widerstand "kriminell" werden lässt (wenn sie Flatlander sind und nicht erkennen, wie die Sache wirklich läuft).


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