ReactOS: Russischer Präsident erwägt Finanzierung

Der freie Windows-Klon ReactOS könnte nach vielen Jahren, in denen die Entwicklung mangels Ressourcen nur schleppend vorankam, nun einen entscheidenden Schub bekommen. Der russische Staatspräsident Dmitry Medvedev denkt darüber nach, das Programmierer-Team zu unterstützen.

Wie die 'BBC' unter Berufung auf Aleksey Bragin, den Koordinator des ReactOS-Projektes, berichtet, besuchte Medvedev eine Schule, in der zufällig Marat Karatov, einer der beteiligten Programmierer, lernt. Dieser nutzte die Gelegenheit, um dem Gast das Betriebssystem zu zeigen.

"Marat entschied sich, die Chance zu nutzen und dem Präsidenten von unserer freien, nichtkommerziellen Initiative zu berichten", so Bragin. Der Entwickler erklärte Medvedev zudem, dass wohl eine Million Euro ausreichen würde, um das Entwicklungsprojekt über die Ziellinie zu bringen und die erste Final-Version verbreiten zu können.

Medvedev habe daraufhin bekundet, dass er das Projekt sehr interessant findet und darüber nachdenken wolle, die benötigten finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.


Die Entwicklung von ReactOS dauert nun schon 15 Jahre an. Ziel der Entwickler ist die Bereitstellung eines Open Source-Systems, das kompatibel zu Windows ist. Bisher ist man nicht über eine experimentelle Entwicklungsstufe hinausgekommen, allerdings sei man laut Bragin inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem man die Software in absehbarer Zeit tatsächlich zur Benutzung freigeben kann.

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ReactOS ReactOS ReactOS
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Den Nutzern soll dadurch die Freiheit gewährt werden, sich seitens des Betriebssystems von Microsoft trennen zu können, ohne gleich auch alle Anwendungen austauschen zu müssen. Der Klon arbeite laut den Entwicklern bereits performanter als das Original. So soll der Boot-Vorgang beispielsweise nur ein Zehntel der Zeit benötigen.

Das liegt allerdings auch an einem noch nicht annähernd gleichen Funktionsumfang. Der Hauptteil der Entwicklungsarbeiten liegt nach wie vor beim Kernel und verschiedenen Subsystemen. Verschiedene Standard-Anwendungen lassen sich mit dem Betriebssystem, das von den neueren Windows-Varianten weit entfernt ist, aber schon benutzen.
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Ganz schön gewitzt dieser Marat Karatov. Mal schauen ob es dann tatsächlich nochmal einen Schub bei der Entwicklung gibt.
 
@RobCole: Ich vermute mal, dass - ohne Wertung - vielen Linux zu "frickelig" ist und die verfügbare Software längst nicht alles abdeckt. Wenn die das ReactOS richtig geschmeidig hinbekommen und auch den Anschluss an die Gegenwart nicht verpassen, wäre das ein genialer Schachzug. Außer Konkurenz zu Linux, aber dennoch als Alternative zu MS. Die Idee dahinter finde ich gut.
 
@Mr. Cutty: Ich denke mal, mit Wertung, dass vielen die mit Linux groß geworden sind Windows fricklig finden. Und ReactOS läuft für die Manpower absolut zufriedenstellend, wüsste kein vergleichbares und komplexes Projekt welches identisch wäre.
 
@Mr. Cutty: Das Problem mit den Programmen ist wie folgt: Ein Entwickler bietet sein Programm für Windows und Mac an. Nun kommt die Anfrage, ob man auch einen Linux-Port anbieten könnte. Als Antwort bekommt man nur zu hören, daß es sich nicht rechnen würde. In Anbetracht der Tatsache, daß es einige Leute gibt, die nur bei Windows oder Mac hängen, weil sie an diversen Programmen hängen, interessiert dabei nicht. Die Sichtweise der Entwickler ist einfach: Die Kunden sind doch schon Kunden. Würde man nun einen Linux-Port bereitstellen, gäbe es kaum neue Kunden, weil ja die alten, die ja schon Kunden sind, nur die Plattform wechseln würden. Das wäre dann wohl zu unrentabel, weil sich auf Linux kein Geld verdienen würde. Das ist zumindest die Begründung von Adobe (findet sich irgendwo im Adobe-Forum), andere Firmen denken aber bestimmt ähnlich. Traurige Einstellung, aber leider Realität. Würden die Adobe-Programme nativ für Linux angeboten, würde ich sofort wechseln, und nicht nur ich. Bei anderen Programmen ist das garantiert ebenso. Ist einfach wieder ein klassisches Henne-Ei-Problem.
 
@bgmnt: Das liegt aber auch an der "Ich-will-alles-kostenlos"-Mentalität der Linuxgemeinde.


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