Facebook will Telefonie-Geschäft der Mobilfunker massiv angreifen
Die Telekommunikations-Konzerne könnten in der nächsten Zeit in einem weiteren Kerngeschäft in den Hintergrund gedrängt werden. Nachdem sie bereits einen guten Teil des SMS-Segments an die Messenger verloren, will der Marktführer bei den Social Networks, Facebook, nun in großem Stil bei der Sprachübertragung angreifen.
Bei der Weiterentwicklung des Facebook-Messengers sollen daher entsprechende Schwerpunkte gesetzt werden. "Ein substantieller Anteil unserer Nutzer telefoniert bereits mit der App. Dabei haben wir die Funktion überhaupt nicht prominent eingebaut. Aber wir werden die Telefonie-Funktion schnell weiter entwickeln. Sie wird sehr wichtig für uns", erklärte Facebook-Manager David Marcus in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus (heutige Ausgabe).
Bei den Telekommunikationskonzernen hat man eine solche Entwicklung schon vor längerer Zeit kommen sehen. Bei vielen Mobilfunkverträgen wurde daher per Vertragsklausel beispielsweise die Nutzung von VoIP untersagt. Allerdings ließ sich dies nicht komplett aufrecht erhalten, so dass die Sprachübertragung über die Internet-Anbindung jetzt teilweise genutzt wird, um die Nutzer zumindest in teurere Tarife zu locken. Teils gibt es sie auch als kostenpflichtige Zusatzoption. Im Zuge der Diskussion um die Netzneutralität gerieten die Unternehmen aber auch damit immer weiter unter Druck.
Durch die Messenger verloren die Mobilfunker bereits hohe Umsätze im SMS-Geschäft. Die Bedeutung dieser Dienste wird auch klar, wenn man sich vor Augen führt, dass Facebook immerhin mehr als 20 Milliarden Dollar in die Übernahme des Marktführers WhatsApp investierte. Auch dieser soll in Zukunft verstärkt mit Sprachübertragungen aufwarten. Infografik: WhatsApp bei den Jungen populärer als SMS
Erst einmal wird Facebook aber seinen eigenen Messenger weiterentwickeln. Dabei geht es auch darum, Wege zu finden, mit dem Dienst Geld zu verdienen. Entsprechende Pläne gibt es bereits. "Die Kommunikation zwischen Unternehmen und unseren Nutzern könnte ein wichtiger Weg sein, Geld mit dem Messenger zu verdienen. Davon versprechen wir uns sehr viel", so Marcus.
Der Messenger wird so voraussichtlich das wichtigste Facebook-Produkt in diesem Jahr. Marcus kann sich sogar vorstellen, die Kommunikations-App ganz vom Facebook-Mutterschiff zu lösen, um das Wachstumstempo hochzuhalten. "Heute wird der Messenger mit der Facebook-Identität genutzt. Solange wir das nicht ändern, haben wir eine Grenze nach oben. Vielleicht ändern wir aber das auch", deutete der Manager an.
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