Tausend Ausweichmanöver am Tag:
SpaceX ist es im Orbit zu voll

Das Raumfahrtunternehmen SpaceX fordert von Satellitenbetreibern weltweit mehr Transparenz über die Positionen und Flugbahnen ihrer Raumfahrzeuge. Denn rund um die Erde wird es schnell immer voller - besonders aufgrund von Tausenden SpaceX-Satelliten.
Weltraum, Raumfahrt, Spacex, Rakete, Spaceship
  • SpaceX fordert einen verlässlichen Datenaustausch aller Satellitenbetreiber
  • Wachsende Konstellationen im Erdorbit erhöhen die Gefahr von Kollisionen
  • Nicht gemeldete Kurskorrekturen fremder Satelliten sorgen für Beinaheunfälle
  • Täglich müssen Starlink-Satelliten rund tausend Ausweichmanöver durchführen
  • Chinesische und russische Anbieter verweigern oft das Teilen von Bahndaten
  • Bislang fehlen weltweite Pflichten zur Koordination im erdnahen Weltraum

Mehr Austausch gefordert

Nur wenn Unternehmen ihre Bewegungsdaten zuverlässig austauschen, lasse sich das Kollisionsrisiko im Erdorbit trotz immer größerer Satellitenkonstellationen beherrschen. Das erklärte Michael Nicolls, Manager für Starlink bei SpaceX und Präsident des KI-Unternehmens xAI, laut eines Berichts von Ars Technica auf dem International Astronautical Congress im türkischen Antalya.

Die Forderung gewinnt angesichts des rasanten Ausbaus kommerzieller Satellitennetze an Bedeutung. Allein Starlink betreibt inzwischen mehr als 11.000 Satelliten und stellt damit rund zwei Drittel aller aktiven Raumfahrzeuge in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Gleichzeitig planen weitere Unternehmen und Staaten umfangreiche Konstellationen. SpaceX hat sogar eine mögliche Flotte von bis zu einer Million Satelliten für das Projekt Starmind angekündigt, das Rechenkapazität für künstliche Intelligenz ins All bringen soll. Auch Amazon und chinesische Betreiber bauen ihre Netzwerke aus.


Zwar ist der Weltraum noch lange nicht vollständig mit Satelliten gefüllt. Doch mit steigender Zahl der Objekte wächst auch die Wahrscheinlichkeit gefährlicher Begegnungen. Eine Kollision könnte Tausende zusätzliche Trümmerteile erzeugen, die wiederum andere Raumfahrzeuge gefährden. Im schlimmsten Fall würde dadurch eine Kettenreaktion entstehen, die den Orbit mit massenhaft Trümmern füllt.

Besonders problematisch sind laut Nicolls Satelliten, deren Betreiber Kursänderungen vornehmen, ohne andere Unternehmen darüber zu informieren. SpaceX habe wiederholt Begegnungen mit fremden Satelliten registriert, bei denen sich die Objekte bis auf einige Dutzend oder Hundert Meter angenähert hätten. Hinweise auf gezielte Angriffe gebe es dabei nicht. Vielmehr fehle es an verlässlichem Informationsaustausch.

SpaceX veröffentlicht selbst sogenannte Ephemeriden. Diese Datensätze enthalten Angaben zu Position und Bewegung eines Satelliten und ermöglichen es anderen Betreibern, mögliche Annäherungen vorherzusagen. Nicolls fordert, dass alle Unternehmen diese Informationen bereitstellen und bei Kursänderungen berücksichtigen.

International wird es schwierig

Die Satelliten von Starlink führen nach Angaben des Unternehmens rund tausend Ausweichmanöver pro Tag durch, um Kollisionen mit anderen Raumfahrzeugen und Weltraumschrott zu verhindern. Ein kameragestütztes System namens Stargaze erkennt dabei andere Objekte. In den vergangenen Monaten seien Starlink-Satelliten etwa 650 aktiven Satelliten anderer Betreiber ausgewichen. Nur ungefähr die Hälfte davon stammte von Unternehmen, die ihre Bahndaten mit SpaceX teilen, hieß es.

Besonders schwierig sei die Zusammenarbeit mit internationalen Betreibern. Während es unter anderem Vereinbarungen mit der chinesischen Raumstation gebe, verweigerten zahlreiche andere chinesische und russische Betreiber den Datenaustausch. Allerdings beteiligten sich auch Unternehmen aus westlichen Ländern nicht durchgängig.

Amazon Leo unterstützt hingegen eine engere Koordination. Das Unternehmen tausche sich bereits regelmäßig mit SpaceX und anderen Betreibern aus. Ohne gemeinsame Regeln und verlässliche Daten könnten die Folgen einer Kollision für sämtliche Raumfahrtunternehmen erheblich sein. Globale Vorschriften, die Satellitenbetreiber zum Teilen ihrer Bahndaten verpflichten, gibt es bislang nicht.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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