BSI und Verfassungsschutz warnen vor Angriffswelle auf Messenger

Gefälschte Support-Nachrichten, geklonte KI-Stimmen und missbrauchte QR-Codes: Eine raffinierte Angriffswelle überrollt Messenger wie Signal und WhatsApp. BSI und Verfassungsschutz warnen daher vor dem heimlichen Mitlesen kompletter Chatgruppen.
Deutschland, Bsi, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Verfassungsschutz warnt vor Betrug

Die Bundesämter warnen nun erneut vor gezielten Phishing-Angriffen auf Messengerdienste. Bereits im Februar 2026 hatten die Behörden auf eine mutmaßlich staatlich gesteuerte Kampagne hingewiesen. Ziel sind vor allem hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Militär und Diplomatie sowie investigative Journalisten.

Die Angreifer versuchen, die Kontrolle über Konten bei Diensten wie Signal oder WhatsApp zu übernehmen. Die Täter geben sich in Chats als offizieller Support aus, etwa als "Signal Security ChatBot". Unter Vorwänden wie drohendem Datenverlust fordern sie Nutzer auf, Verifizierungscodes per SMS oder persönliche Identifikationsnummern preiszugeben. So verschaffen sie sich Zugriff auf die Konten.

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KI-Stimmenklone als Werkzeug der Angreifer

Cyberkriminelle setzen zudem auf künstliche Intelligenz. Mithilfe täuschend echt klingender Stimmenklone, für die oft wenige Sekunden echtes Audiomaterial zur Erstellung der Täuschung genügen, erschleichen sie Vertrauen.

Wie der Verfassungsschutz mitteilt, sind die Kampagnen weiterhin aktiv und gewinnen sogar an Dynamik. Ein unberechtigter Zugriff ermöglicht es Angreifern, vertrauliche Einzelchats mitzulesen und ganze Gruppen zu kompromittieren.

Teilweise nutzen sie QR-Codes, um zusätzliche Geräte zu verknüpfen und ihre Aktivitäten zu verschleiern. Der Zugriff kann dann aufgrund der Plattform-Vorgaben bis zu 45 Tage unbemerkt bleiben. Betroffene können ihre Konten weiterhin scheinbar normal nutzen, ohne den Angriff sofort zu erkennen. Infografik Instant Messaging: Die beliebtesten Messenger der DeutschenInstant Messaging: Die beliebtesten Messenger der Deutschen

Schutzmaßnahmen für betroffene Nutzer

Das BSI stellt nun einen interaktiven Leitfaden bereit. Bei verdächtigen Nachrichten sollten Nutzer umgehend reagieren. Empfohlen werden:

  • Sofortige Änderung der hinterlegten PIN
  • Löschen und Neuanlegen des Kontos in schweren Fällen
  • Zügige Information des eigenen Kontaktnetzwerks

Plattformbetreiber reagieren zudem vermehrt mit Maßnahmen gegen betrügerische Konten. Meta entfernte laut Medienberichten im Frühjahr 2026 Millionen solcher Accounts. Gleichzeitig verlagern sich Aktivitäten auf alternative Plattformen wie Telegram, wo hohe Nutzerlimits die Strafverfolgung erschweren. Grundsätzlich gilt: All diese Diensteanbieter kontaktieren ihre Nutzer nicht unaufgefordert über Messenger-Dienste. Werden unerwartet persönliche Daten oder Codes abgefragt, ist Vorsicht geboten.

Habt ihr selbst schon verdächtige Nachrichten über Signal oder WhatsApp erhalten? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit uns. Was meint ihr dazu?

Woran erkenne ich den Signal-Betrug?
Angreifer geben sich in Messengern als offizieller Support aus, etwa unter Namen wie "Signal Security ChatBot". Sie behaupten oft, es drohe ein Datenverlust, und setzen die Nutzer massiv unter Druck.

Das Ziel der Kriminellen ist es, an Ihre SMS-Verifizierungscodes oder die persönliche PIN zu gelangen. Geben Sie diese sensiblen Daten niemals weiter. Ein gesundes Misstrauen gegenüber unaufgeforderten Support-Nachrichten ist hier der beste Schutz für Ihren Arbeitsalltag.
Schreibt mich der Signal-Support an?
Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Signal Foundation stellt unmissverständlich klar, dass sie Nutzer niemals von sich aus innerhalb des Messengers kontaktiert.

Erhalten Sie eine Nachricht von einem angeblichen Support-Konto, handelt es sich definitiv um einen Betrugsversuch. Blockieren Sie den Absender umgehend und löschen Sie die Nachricht, um kein Risiko für sich oder Ihr Unternehmen einzugehen.
Was tun, wenn mein Konto gehackt ist?
Wenn Sie versehentlich Ihre PIN oder einen Code weitergegeben haben, empfiehlt das BSI schnelles Handeln. Ändern Sie sofort Ihre PIN, löschen Sie das kompromittierte Konto und erstellen Sie ein neues.

Informieren Sie zudem umgehend Ihre Kontakte über einen anderen sicheren Kanal. Angreifer nutzen gekaperte Konten oft, um das Vertrauen Ihrer Kollegen auszunutzen und diese durch gezieltes Social Engineering ebenfalls anzugreifen.

Das BSI bietet auf seiner Website einen interaktiven Leitfaden an, der Betroffene Schritt für Schritt durch den Bereinigungsprozess führt.
Wie funktioniert die QR-Code-Masche?
Neben der klassischen PIN-Abfrage existiert eine zweite, besonders tückische Methode. Nutzer werden durch geschickte Täuschung dazu verleitet, einen präparierten QR-Code mit ihrem Smartphone zu scannen.

Dadurch wird ein neues Gerät mit dem Messenger-Konto verknüpft. Der Angreifer erhält so bis zu 45 Tage lang unbemerkten Zugriff auf Ihre Chats. Prüfen Sie als IT-Anwender daher regelmäßig in den App-Einstellungen die Liste der verknüpften Geräte und entfernen Sie unbekannte Einträge sofort.
Wie gefährlich sind KI-Stimmenklone?
Die Gefahr durch KI-generierte Audio-Deepfakes steigt rasant. Laut Sicherheitsexperten sollen bereits drei Sekunden einer echten Sprachaufnahme ausreichen, um eine menschliche Stimme mit 85-prozentiger Genauigkeit zu klonen.

Kriminelle nutzen dies für sogenanntes "Vishing" (Voice-Phishing), um beispielsweise als Vorgesetzter getarnt telefonisch Überweisungen oder Passwörter anzufordern. Für den Arbeitsalltag empfiehlt es sich, im Team ein geheimes Codewort zu vereinbaren, um die Identität bei ungewöhnlichen Anfragen zu verifizieren.
Welche Folgen drohen Unternehmen?
Ein kompromittiertes Messenger-Konto auf einem Firmenhandy stellt ein massives Sicherheitsrisiko dar. Angreifer können nicht nur vertrauliche Einzelchats mitlesen, sondern potenziell ganze Chatgruppen infiltrieren und sensible Unternehmensdaten abgreifen.

Die finanziellen Schäden sind enorm. Bei erfolgreichen Deepfake-Betrugsvorfällen soll der durchschnittliche Verlust für Unternehmen mittlerweile bei rund 500.000 US-Dollar (etwa 460.000 Euro) liegen. Prävention und Aufklärung der Mitarbeiter sind daher essenziell.
Warum gilt Telegram als Risiko?
Während Signal und WhatsApp oft für direkte Phishing-Angriffe genutzt werden, hat sich Telegram laut Analysten zu einem "Dark Web Lite" entwickelt. Dort floriert der industrielle Handel mit Phishing-Kits und gestohlenen Kreditkartendaten.

Die Plattform blockiert zwar jährlich Millionen von Kanälen, doch die kriminellen Netzwerke gelten als äußerst widerstandsfähig und weichen schnell auf Backups aus. Für den geschäftlichen Austausch sensibler IT-Daten ist Telegram daher aus Sicherheitssicht nicht zu empfehlen.
Zusammenfassung
  • BSI und Verfassungsschutz melden neue Phishing-Wellen auf Messengern
  • Täuschende Support-Chats fordern SMS-Codes oder PINs zum Kontozugriff
  • KI-Stimmenklone wirken echt und erleichtern gezielte Vertrauensangriffe
  • Angreifer koppeln teils per QR-Code weitere Geräte und bleiben verborgen
  • Unbemerkter Fremdzugriff kann laut Plattformregeln bis zu 45 Tage dauern
  • Empfohlen sind PIN-Änderung, Netzwerkwarnung und notfalls Konto-Neustart

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