Erstes Mal in der Geschichte:
ISS-Astronauten kehren vorzeitig zurück

Die NASA muss die SpaceX Crew-11 wegen eines medizinischen Notfalls vorzeitig von der ISS zurückholen. Es ist die erste derartige "Evakuierung" einer ganzen Mannschaft aus gesundheitlichen Gründen in der 25-jährigen Geschichte der Raumstation.

Vorzeitige Rückkehr der Crew-11

Um die bestmögliche Diagnose und Behandlung eines Besatzungsmitglieds zu gewährleisten, hat die US-Raumfahrtbehörde NASA am Donnerstag beschlossen, die vier Astronauten der SpaceX Crew-11 früher als geplant zur Erde zurückzuholen. Das stellt den ersten Fall einer medizinisch begründeten Rückholung einer gesamten Crew in der 25-jährigen Geschichte der Internationalen Raumstation ISS dar.

Der amtierende NASA-Administrator Jared Isaacman erklärte in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, dass diese Entscheidung in enger Abstimmung mit Flugchirurgen getroffen wurde. Die Möglichkeiten, dies ordnungsgemäß zu diagnostizieren und zu behandeln, sind auf der Internationalen Raumstation nicht vorhanden.

Der betroffene Astronaut befindet sich den Angaben zufolge in einem stabilen Zustand. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und unter Berufung auf ärztliche Schweigepflicht nannten die Verantwortlichen weder den Namen noch spezifische Details zur Art der Erkrankung. Zur Crew-11 gehören die NASA-Astronauten Zena Cardman und Mike Fincke, der japanische Astronaut Kimiya Yui von der JAXA sowie der Roskosmos-Kosmonaut Oleg Platonow. Infografik: Die Raumstation ISS in ZahlenDie Raumstation ISS in Zahlen Das Team war im August von Florida aus gestartet und hätte ursprünglich noch bis zum Frühjahr auf der Station forschen sollen. James Polk, der leitende Gesundheits- und medizinische Offizier der Weltraumbehörde, betonte, dass die Crew an Bord zwar über eine sehr robuste Reihe medizinischer Hardware verfüge, aber nicht über die vollständige Ausstattung, die man beispielsweise in einer Notaufnahme hätte, um eine vollständige Untersuchung eines Patienten durchzuführen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, deutete sich der Vorfall bereits am Mittwoch an, als die NASA einen geplanten Weltraumspaziergang der Astronauten Cardman und Fincke absagte. Polk stellte klar, dass es sich bei dem medizinischen Problem nicht um eine akute Verletzung handelt, die während der Arbeit oder operativer Tätigkeiten aufgetreten ist.


Das medizinische Korps der Astronauten behandelt gesundheitliche Probleme auf der ISS traditionell als streng vertrauliche Angelegenheit. Öffentliche Details zu solchen Vorfällen sind äußerst selten, um die Privatsphäre der Raumfahrer und ihrer Familien zu schützen.

Historisches Novum im All

Obwohl es in der Vergangenheit bereits gesundheitliche Zwischenfälle im Orbit gab - so wurde beispielsweise im Jahr 2021 ein Außeneinsatz wegen eines eingeklemmten Nervs bei Mark Vande Hei abgesagt -, führte bisher noch kein medizinisches Problem zu einer vorzeitigen Rückkehr einer gesamten Crew via SpaceX Dragon. James Polk merkte an, dass statistische Modelle eigentlich alle drei Jahre einen solchen ernsten Vorfall vorhersagen. Das Ereignis war somit rechnerisch gesehen längst überfällig. Das Szenario einer medizinischen Evakuierung wird von der NASA und ihren internationalen Partnern routinemäßig trainiert, sodass keine Gefahr für den operativen Ablauf der Rückkehr besteht.

Nach der Abreise der Crew-11 verbleibt lediglich eine Rumpfmannschaft von drei Personen auf der Station: der NASA-Astronaut Christopher Williams sowie die Kosmonauten Sergei Kud-Swertschkow und Sergei Mikajew. Williams ist laut der Behörde umfassend ausgebildet, um alle notwendigen Aufgaben im US-Segment der Station allein zu bewältigen, bis Verstärkung eintrifft. Die Reduzierung der Besatzung bedeutet jedoch, dass wissenschaftliche Experimente vorerst zurückgefahren werden müssen, um den Fokus auf die Wartung der Stationssysteme zu legen.

Die NASA prüft derzeit intensiv, ob der Start der Nachfolgemission Crew-12 beschleunigt werden kann, um die personelle Lücke auf der ISS zu schließen. Der Start war ursprünglich für Mitte Februar vorgesehen. Jared Isaacman wies darauf hin, dass die Crew-11 ihre primären Missionsziele ohnehin fast vollständig erreicht habe, was die Entscheidung zur vorzeitigen Rückkehr erleichterte. Ein genauer Zeitplan für das Abdocken und die Wasserung im Pazifik westlich von San Diego soll in den nächsten 48 Stunden bekannt gegeben werden. Die Bergungsschiffe sind bereits in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Glaubt ihr, dass medizinische Notfälle im All in Zukunft durch bessere Technik an Bord lösbar sein werden? Schreibt uns eure Meinung dazu gerne in die Kommentare.

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