Erdnaher Orbit wird zu voll:
Gefahr von Kollisionen steigt rasant

Der erdnahe Weltraum wird zunehmend zum Nadelöhr. Eine neue Studie warnt, dass immer mehr Satelliten in Umlaufbahnen operie­ren, die bereits jetzt überfüllt sind. Das hat potenziell gefährliche Folgen für die Raumfahrt.
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Immer mehr Ausweichmanöver

Während 2019 nur etwa 0,2 Prozent aller Satelliten mehr als zehn Ausweichmanöver pro Monat durchführen mussten, ist dieser Anteil bis Anfang 2025 auf 1,4 Prozent gestiegen. Das ist ein Anstieg um das Siebenfache. Das klingt nach wenig, bedeutet aber, dass rund 340 Satelliten regelmäßig Kurskorrekturen durchführen müssen, um Trümmern oder anderen Raumfahrzeugen auszuweichen, heißt es in einem aktuellen Paper.

Die wachsende Dichte im Orbit ist vor allem auf den Boom kommerzieller Satellitenprogramme zurückzuführen. Laut der Studie, die auf Daten des US Space Command basiert, hat sich die Zahl der Objekte im niedrigen Erdorbit (LEO) seit 2019 um 76 Prozent erhöht - von 13.700 auf über 24.000. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten dort mehr als 70.000 Satelliten kreisen.


"Die Betreiber wollen nicht ihre gesamte Zeit damit verbringen, Kollisionen zu vermeiden oder Treibstoff für Ausweichmanöver zu verbrauchen", erklärte Studienmitautorin Maya Harris vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Ab etwa zehn Manövern pro Monat sei der Aufwand für viele Missionen kaum noch vertretbar.

Besonders stark betroffen sind die Höhenbereiche zwischen 400 und 600 Kilometern sowie zwischen 700 und 800 Kilometern, wo sich sowohl viele aktive Satelliten als auch große Mengen an Weltraumschrott befinden. In diesen Regionen müssen manche Satelliten bereits heute regelmäßig ausweichen.

Starlink verschärft alles

Laut des britischen Raumfahrtexperten Hugh Lewis von der Universität Birmingham besteht mittlerweile eine rund zehnprozentige Wahrscheinlichkeit, dass es innerhalb eines Jahres zu einer ernsthaften Kollision im Orbit kommt. Ein solcher Zusammenstoß würde Tausende neuer Trümmerteile erzeugen - und damit das Risiko weiterer Kollisionen erheblich steigern.

Besonders die Starlink-Konstellation von SpaceX spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Laut eines Berichts an die US-Kommunikationsbehörde FCC führten Starlink-Satelliten allein im ersten Halbjahr 2025 rund 145.000 Ausweichmanöver durch - im Schnitt vier pro Satellit und Monat. Die Forschenden mahnen, dass künftig besser abgestimmte Startstrategien und internationale Kooperationen nötig seien, um eine Überlastung des erdnahen Raums zu verhindern. Ob jedoch eine weltweite Koordination - etwa zwischen den USA und China - realistisch ist, bleibt fraglich.

Zusammenfassung
  • Überfüllung des erdnahen Orbits führt zu rasantem Anstieg von Ausweichmanövern
  • Anzahl der Objekte im niedrigen Erdorbit ist seit 2019 um 76 Prozent gewachsen
  • Kommerzieller Satellitenboom könnte bis 2030 zu mehr als 70000 Satelliten führen
  • Besonders kritisch sind Höhenbereiche zwischen 400-600 km und 700-800 km
  • Wahrscheinlichkeit für ernsthafte Kollision im Orbit liegt bei etwa zehn Prozent
  • Starlink-Satelliten führten im ersten Halbjahr 2025 etwa 145.000 Ausweichmanöver durch
  • Internationale Kooperation zur Verhinderung von Orbitüberlastung wird gefordert

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