163 Studien erfasst: Spannende Erkenntnisse, wie Lesen funktioniert

Ob ein einzelner Buchstabe oder ein ganzer Roman: Unser Gehirn reagiert beim Lesen sehr unterschiedlich. Eine umfassende Analyse von 163 Studien zeigt mit unerreichter Genauigkeit, welche Areale bei welchen Leseaufgaben aktiv werden.
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Gehirn-Atlas: So funktioniert Lesen wirklich

Ein Team des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften hat über 150 Neuroimaging-Studien ausgewertet, um das Gehirn bei unterschiedlichen Leseaufgaben besser zu verstehen. Dabei zeigte sich: Lesen ist kein einheitlicher Vorgang - das Gehirn nutzt je nach Komplexität der Inhalte unterschiedliche Bereiche.

Die Studie zeigt: Beim Lesen einzelner Buchstaben ist primär ein Bereich im hinteren Teil der linken Gehirnhälfte beteiligt (okzipitalen Cortex, OTC)). Sobald Worte, Sätze oder ganze Texte gelesen werden, kommen zusätzliche Regionen hinzu - vorwiegend in der linken Hirnhälfte. "Wir fanden eine hohe Verarbeitungsspezifität für Buchstaben-, Wort-, Satz- und Textlesen ausschließlich in linkshemisphärischen Arealen", schreiben die Studienautorinnen Sabrina Turker und Beatrice Fumagalli.


Unterschiedliche Aufgaben wie das Lesen von Pseudowörtern - sinnlose, aber lautregelkonforme Wortformen - oder das Treffen lexikalischer Entscheidungen - also ob ein Wort echt ist - aktivieren teils andere Hirnregionen als echtes Lesen. Wenn Menschen still und bewusst lesen, sind bestimmte Bereiche im vorderen und seitlichen Teil des Gehirns sowie im Kleinhirn besonders aktiv. Wenn sie dagegen entscheiden müssen, ob ein Wort echt ist oder erfunden, sind eher beide Seiten der Stirnregion und ein tiefer liegendes Gebiet im Gehirn beteiligt. Max-Plank: Metastudie Lesen im GehirnRegionen, die beim Lesen aktiv werden

Laut und leise anders

Die Analyse differenziert zudem zwischen lauten ("overt") und stillen ("covert") Lesemodi. Lautes Lesen führt zu höherer Aktivität in motorischen und auditorischen Arealen - Bereiche, die für Sprechbewegungen und Klangverarbeitung zuständig sind. Still gelesenes Material aktiviert hingegen stärker Regionen, die mit allgemeiner kognitiver Kontrolle verbunden sind. Die Ergebnisse stammen aus der Studie in Neuroscience & Biobehavioral Reviews

Die systematische Meta-Analyse bietet eine fundierte Grundlage für weitere Untersuchungen, etwa zur Frage, wie sich bei Menschen mit Lesestörungen wie Dyslexie bestimmte Aktivierungsmuster unterscheiden. Das könnte langfristig helfen, gezieltere Therapieformen zu entwickeln oder bildgebende Diagnostik zu verbessern.

Zusammenfassung
  • Analyse von 163 Studien zeigt Gehirnaktivität beim Lesen detailliert
  • Unterschiedliche Hirnareale aktiv je nach Komplexität des Gelesenen
  • Linke Gehirnhälfte dominant beim Verarbeiten von Text und Sprache
  • Lautes und stilles Lesen aktivieren teils verschiedene Hirnregionen
  • Studie bietet Grundlage für Forschung zu Lesestörungen wie Dyslexie
  • Ergebnisse könnten Entwicklung gezielter Therapien unterstützen

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