Pokémon Go-Daten sollen jetzt riesige Navigations-KI trainieren

Die von zahlreichen Pokémon-Go-Spielern und Nutzern ähnlicher Games gesammelten Daten sollen jetzt genutzt werden, um ein großes Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem auf Basis von KI-Technologien aufzubauen. Das teilte der Spiele-Betreiber Niantic mit.

Jahrelanger Datenfluss

Über Jahre hinweg wurden in den Augmented-Reality-Spielen zahlreiche Standortdaten und zugehörige Aufnahmen der Umgebungen gesammelt. Mit diesen will Niantic nun ein KI-Modell entwickeln, das die physische Welt analysieren und verstehen kann. Grundlage hierfür sind Bildscans, die von Spielern der mobilen Apps und Nutzern der Scaniverse-App gesammelt wurden.

In einem Blogpost erklärte Niantic, dass es in den letzten fünf Jahren daran gearbeitet habe, sein Visual Positioning System (VPS) zu entwickeln. Dieses System nutzt Bilder von Smartphones, um deren Position und Orientierung in einer 3D-Karte zu bestimmen. Diese Karten entstehen durch das Scannen interessanter Orte, das Nutzer in Spielen wie Pokémon Go und mit Scaniverse durchführen.


Das Ziel ist der Aufbau eines sogenannten Large Geospatial Models (LGM). Diese Technologie soll ähnlich wie große Sprachmodelle (LLMs), die Text verarbeiten, physische Räume interpretieren. Hierzu greift Niantic auf über 10 Millionen gescannte Orte weltweit zurück und erhält wöchentlich etwa 1 Million neue Scans. Diese Scans, aufgenommen aus der Fußgängerperspektive, erfassen Gebiete, die für Autos oder Street-View-Kameras nicht zugänglich sind.

Die Daten fließen laut den Entwicklern in mehr als 50 Millionen neuronale Netzwerke, die spezifische Orte oder Blickwinkel repräsentieren. Diese Netzwerke komprimieren Tausende von Bildern zu digitalen Modellen physischer Räume und arbeiten mit über 150 Billionen Parametern, die ihnen helfen, Standorte zu erkennen. Das langfristige Ziel ist ein umfassendes Modell, das jeden Ort, selbst aus unbekannten Perspektiven, verstehen kann.

Hohe Genauigkeit

Niantics bestehende Lightship Visual Positioning System-Technologie demonstriert bereits das Potenzial: Spieler können virtuelle Objekte mit zentimetergenauer Präzision an realen Orten platzieren. Ein Beispiel ist das Pokémon-Playground-Feature, bei dem Spieler Pokémon an bestimmten Orten ablegen können, damit andere sie finden.

Während Niantic in seinem Blog mögliche Anwendungen wie Augmented Reality, Robotertechnologie, autonome Systeme und räumliche Planung hervorhebt, wirft die Datennutzung auch Fragen auf. Obwohl die Datenerhebung in den Nutzungsbedingungen von Pokémon Go wahrscheinlich abgedeckt ist, reagieren einige Spieler kritisch. Ein Reddit-Nutzer kommentierte: "Die meisten von uns wussten, dass ihr Geschäftsmodell nicht auf den Bedürfnissen der Spieler basiert." Trotz Kritik zeigt Niantics Ansatz, wie mobile Spiele eine bedeutende Rolle in der Entwicklung von KI und AR-Technologien spielen können.

Zusammenfassung
  • Niantic nutzt Pokémon Go-Daten für KI-basiertes Navigationssystem
  • Spieler-Standortdaten und Umgebungsaufnahmen dienen als Grundlage
  • Visual Positioning System ermöglicht genaue Ortsbestimmung
  • Ziel ist Aufbau eines Large Geospatial Models zur Rauminterpretation
  • Über 10 Millionen gescannte Orte und 50 Millionen neuronale Netzwerke
  • Anwendungen in AR, Robotik und autonomen Systemen geplant
  • Datennutzung stößt bei einigen Spielern auf Kritik

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