MSR: Chinas erster Thorium-Reaktor bekommt Betriebserlaubnis

Nach langer Vorbereitung haben chinesische Nuklearforscher jetzt einen weiteren Meilenstein erzielt: Sie erhielten die Be­triebs­ge­neh­mi­gung für den ersten Flüssigsalzreaktor (MSR) des Lan­des, in dem Thorium die Energie liefern soll.
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MSR werden von den Verfechtern der Stromgewinnung aus der Kernspaltung immer wieder als der nächste große Schritt gefeiert. Immerhin bringen diese Systeme gegenüber den klassischen Atomkraftwerken einen entscheidenden Vorteil mit: In ihnen kann es nicht zu einer Kernschmelze kommen, wodurch die Gefahr gravierender Unfälle, durch die ganze Regionen über Jahrzehnte oder länger unbewohnbar werden, erheblich reduziert wird.

Allerdings bringen diese Reaktoren im Vergleich nicht nur Vorteile, sondern auch neue Probleme mit sich. Unter anderem muss man die Tritiumproduktion in den Griff bekommen. Diese schwere Form des Wasserstoffs strahlt und diffundiert wie der normale Wasserstoff leicht durch die Wandungen von geschlossenen Systemen. Und auch bei den Schwierigkeiten des Umgangs mit dem Atommüll gibt es hier in erster Linie eine Verschiebung statt der häufig versprochenen Lösung. Wie genau sich Vor- und Nachteile zueinander verhalten, lässt sich bisher aber kaum konkret benennen, da es sich in erster Linie um theoretische Überlegungen handelt, nennenswerte Praxisprüfungen an Forschungsreaktoren gibt es im Grunde nicht.


Kleiner Testreaktor

Dies allerdings soll das nun zugelassene System in China ändern. Die Betriebsgenehmigung der nationalen Behörde für nukleare Sicherheit wurde der Chinesischen Akademie der Wissenschaften erst einmal für zehn Jahre erteilt, berichtete die South China Morning Post. Sie gilt für den Reaktor in der Wüstenstadt Wuwei in der Provinz Gansu, der mit einer Leistung von zwei Megawatt arbeitet. Das Projekt selbst wurde bereits 2011 ins Leben gerufen, mit dem Bau wurde jedoch erst 2018 begonnen.

Die kommenden Jahre sollen nun zeigen, wie sich ein MSR in der Praxis betreiben lässt. Abhängig von den Ergebnissen könnten dann später Planungen für den Bau größerer Anlagen in Angriff genommen werden. In den USA will die von Microsoft-Mitbegründer Bill Gates unterstützte Firma Terra Power diesen Zwischenschritt umgehen und gleich mit einem System mit mehreren hundert Megawatt Leistung in den Versuchsbetrieb starten, um den Reaktor später auch kommerziell nutzen zu können.

Selbst wenn die fraglichen Projekte erfolgreich verlaufen, ist allerdings schon klar, dass die Technologie keine nennenswerte Rolle in der Energiewende spielen wird - denn dafür würden selbst einige wenige Kraftwerke zu spät kommen. Unklar ist beim aktuellen Forschungsstand auch die Frage, zu welchen Preisen mit den MSR letztlich Strom produziert werden kann.

Zusammenfassung
  • Chinesische Nuklearforscher erhielten Genehmigung für MSR.
  • Chinesischer Forschungs-MSR mit zwei MW Leistung in Wuwei.
  • Ergebnisse sollen zeigen, wie sich MSR betreiben lässt.

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