Gescheiterte Amazon-Gewerkschaftsgründung ruft Behörde auf den Plan

In den USA steht das Scheitern der Gründung einer Gewerkschaft bei Amazon im Mittelpunkt einer Untersuchung. Der US-Ar­beits­auf­sichts­be­hör­de liegen Beschwerden vor, laut denen Amazon Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Gründung beschimpft und bedroht habe.
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Das geht aus einem Bericht des Online-Magazins Motherboard hervor. Dabei soll der Ton im Konzern rau sein, wenn es generell um Gewerkschaften und Interessenvertretungen geht. So sollen Amazon-Manager gegenüber Arbeitern erklärt haben, dass Gewerkschaftsorganisatoren "Schlägertrupps" seien, die gegen Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen vorgehen. Im gleichen Zug sollen die Mitarbeiter, die sich für eine Gewerkschaft stark gemacht haben, als Verbrecher beleidigt worden sein.

Aufsichtsbehörde schreitet nach Beschwerde ein

Die Untersuchung der US-Arbeitsaufsichtsbehörde (National Labor Relations Board, kurz NLRB) ergab zudem, dass Amazon-Vertreter Mitarbeitern versprochen haben sollen, sich ihrer Probleme anzunehmen und Beschwerden der Angestellten ernst zu nehmen. Man machte den Mitarbeitern dabei aber klar, dass der Konzern nur kooperativ sein wird, wenn man von der Gründung einer Gewerkschaft absehe. Durch solche Versprechen soll es dann letztendlich dazu gekommen sein, dass sich bislang nicht genügend Mitarbeiter für die Gründung einer Amazon-Gewerkschaft finden ließen.

Motherboard nannte auch einen konkreten Fall aus dem Amazon-Verteilzentrum JFK8 in New York City. Amazon-Vertreter hätten gegenüber Mitarbeitern dort erklärt, dass eine laufende Gewerkschaftsinitiative scheitern würde und dass es "zwecklos" sei, für eine Gewerkschaft zu stimmen, weil eine Gewerkschaft "hier niemals zustande kommen würde".

Amazon muss Verantwortliche schulen

Amazon wiegelt die Vorwürfe ab. Eine Unternehmenssprecherin betonte, dass die Vorwürfe gegen Amazon falsch seien und sich das Unternehmen freue, das auch zu beweisen. Die Arbeitsaufsichtsbehörde hat für die Zwischenzeit nun festgelegt, dass Amazon erst einmal Schulungen für Manager, Aufsichtspersonen, Sicherheitskräfte und Berater am JFK8 abhalten muss, die sich mit den Rechten der Arbeitnehmer befassen, sich zu organisieren und Gewerkschaften zu gründen, ohne dass es zu Vergeltungsmaßnahmen kommt.

Amazon muss außerdem allen JFK8-Beschäftigten die Gewerkschaftsrechte vorlesen und jedem Vorgesetzten und jeder Führungskraft die Gewerkschaftsrechte zukommen lassen. "Ich möchte die Arbeitsaufsichtsbehörde für diese bahnbrechende Maßnahme loben", erklärte einer der Anwälte der Amazon Labor Union. "Amazon war noch nie mit der Forderung nach einer öffentlichen Lesung konfrontiert. Ich denke, das wird ihnen bei der Einhaltung des Nationalen Arbeitsbeziehungsgesetzes sehr helfen."

Siehe auch: Amazon greift zu bizarren Methoden, um Gewerkschaft zu verhindern
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