Remix OS: Android-Fork verscherzt es sich mit Open Source-Community

Jide, Jide Remix Mini, Jide Remix OS Bildquelle: Jide
Die Entwickler des Betriebssystems Remix OS wurden zuletzt von verschiedenen Seiten wohlwollend betrachtet - vor allem auch aus dem Open Source-Lager. Immerhin kündigten sie an, ein Android-basiertes System mit Desktop-Features zu veröffentlichen. Doch kaum ist dieses veröffentlicht, hat man es sich mit potenziellen Verbündeten ordentlich verscherzt.
"Die Remix OS-Entwickler zeigen keinen Respekt für Code-Lizenzen und die Arbeit anderer Leute", fasst man die Situation beim Linux Homefront Project zusammen. Denn nun, da das Betriebssystem endlich zum Download angeboten wird, zeigt sich, dass gleich eine ganze Reihe von Regeln der Open Source-Community komplett missachtet werden.

Dies beginnt bereits beim "Remix OS USB Tool", mit dem Windows-Nutzer das System auf einen USB-Stick installieren und ihren Rechner von diesem aus booten können. Bei genauerer Betrachtung stellt sich hier heraus, dass das Werkzeug keinesfalls eine Eigenentwicklung ist. Stattdessen wurde schlicht die Software UNetbootin mit einem neuen Namen, neuen Icons und einigen Änderungen an der Benutzeroberfläche versehen.


Das wäre im Grunde kein Problem - immerhin wird UNetbootin unter der GNU General Public License (GPL) Version 2 bereitgestellt und kann frei weiterverwendet werden. Allerdings stellt die Lizenz hierfür auch Bedingungen. So muss der veränderte Quellcode offen bereitgestellt beziehungsweise mitgeliefert werden. Außerdem sind in Source-Dateien, die geändert wurden, Kommentare zu hinterlassen, die auf die Änderungen hinweisen - immerhin sollen andere Entwickler diese später nachvollziehen können. Beide Punkte in den Lizenzbestimmungen werden von den Remix OS-Entwicklern allerdings missachtet.

Android-x86 bleibt verborgen

Nicht viel besser sieht es beim System selbst aus, das einen Fork des Android-x86 Projects darstellt. Dieses arbeitet mit der Apache-Lizenz, die etwas weniger Streng ist als die GPL. Aber auch hier wird zumindest verlangt, dass bei einer Weiternutzung der Software in eigenen Projekte die üblichen Hinweise auf die Urheber der genutzten Quellcodes und auf möglicherweise enthaltene Patente und Marken mitgeliefert werden. Solche Informationen findet man aber weder in der ausgelieferten Software noch auf der Webseite des Projektes.

Im Forum der Firma Jide, bei der das Remix OS-Projekt angesiedelt ist, fragten verschiedene Nutzer nach den Quellcodes. Einmal gab es eine klare Reaktion: "Die Antwort ist nein. Du bist kein Partner von Jide. Remix OS ist nicht Open Source." Das ist zwar kein feiner Zug, aufgrund der Apache-Lizenz aber grundsätzlich möglich - zumindest für einen Teil des Betriebssystems. Einige wichtige Komponenten, vor allem der enthaltene Linux-Kernel, stehen aber unter der GPL und der Zugang zum Quellcode muss zwingend gegeben sein. Auf entsprechende Nachfragen gab es dann überhaupt keine Reaktion mehr.

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Nun wird sich zeigen, wie es weitergeht. Remix OS dürfte das wohlwollende Interesse der Open Source-Community erst einmal komplett verspielen. Selbst wenn diese nicht die primäre Zielgruppe ist, wäre sie aber doch ein wichtiger Multiplikator und hat durchaus einigen Einfluss. Möglich auch, dass die Entwickler demnächst mit Klagen konfrontiert werden - denn die Szene nimmt es längst nicht mehr ohne weiteres hin, dass Lizenzen von kommerziellen Projekten schlicht ignoriert werden. Jide, Jide Remix Mini, Jide Remix OS Jide, Jide Remix Mini, Jide Remix OS Jide
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