Amazon Kindle im Test: Qualität zum Kampfpreis

Kindle, E-Book-Reader, Amazon Kindle Bildquelle: Amazon
Schick, leicht und vor allem günstig: So präsentiert sich Amazons neuester E-Reader Kindle. Wir haben das 99 Euro teure E-Ink-Gerät getestet und sind durchaus angetan. Das Fehlen eines Touchscreens ist allerdings schade.
Tippen auf den Bildschirm. Das ist die Reaktion eines jeden, der Amazons neuesten Kindle-E-Reader erstmals in die Hand nimmt. Das passiert ganz automatisch, offenbar sind Touchscreens schon so tief in unser Bewusstsein eingedrungen, dass wir gar nicht mehr wissen, wie technische Geräte mit einem Display sonst noch bedient werden können. Amazon Kindle TestDer Kindle stellt 16 Graustufen auf einen 6-Zoll-Schirm dar Das Blöde daran: Einen Touchscreen hat der neueste E-Reader des Online-Versandhausriesen nicht. Der ist dem Kindle Touch vorbehalten, der ebenso wie das vor kurzem vorgestellte Tablet Kindle Fire aber nicht nach Europa kommt.

Der Kindle der vierten Generation ist also das einzige der neuen Geräte, das in Deutschland erhältlich ist. Er ist zwar nicht ganz so günstig wie in den USA, wo der Kindle gerade einmal 79 Dollar kostet, mit einem Preis von 99 Euro kann man Amazon aber auch nicht Preistreiberei vorwerfen. Zwar findet man auch bei uns durchaus Geräte, die diesen Betrag noch unterbieten (oder die in den vergangenen Tagen plötzlich deutlich billiger geworden sind), mit dem Kindle können sie aber kaum bis gar nicht mithalten. Amazon Kindle TestDer Kindle passt nun in jede Hosen- oder Jackentasche Schick und leicht
Das Vorgänger-Modell des Kindle kam mit Tastatur daher, auf diese verzichtet Amazon bei der vierten Generation. Ob man diese vermisst, ist hauptsächlich eine (Geschmacks-)Frage die Bedienung betreffend. Vom Standpunkt des Designs war es aber auf alle Fälle eine kluge Entscheidung. Der neueste Kindle ist leicht (170 Gramm), schlank und passt nun auch locker in eine durchschnittliche Hosen- oder Jackentasche.

Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist der Kindle (dem Amazon keinerlei Ziffer oder sonstige Unterbezeichnung spendiert hat) nämlich deutlich kleiner geworden. Das betrifft allerdings nicht den Bildschirm. Der misst wie auch beim Kindle Keyboard sechs Zoll. Amazon hat also beim Drumherum gespart, nicht beim Display.

Wenig spendabel war man allerdings auch beim Zubehör, dem Gerät liegt nur ein USB-Kabel bei. Damit kann man den Kindle am PC laden, ein Netzteil für Unterwegs muss man sich bei Bedarf für neun Euro extra dazukaufen. Es funktionieren aber auch gängige Micro-USB-Ladegeräte, die der eine oder andere heute nach einem Smartphone-Kauf zu Hause hat. Amazon Kindle TestStatt der Tastatur hat der Kindle nun vier Buttons und ein Steuerkreuz Statt der Tastatur findet man nun unter dem E-Ink-Display nur vier Tasten und ein Fünf-Wege-Steuerkreuz. Ganz links befindet sich der Zurück-Button, daneben der Knopf, der die (Bildschirm-)Tastatur aktiviert. In der Mitte ist dann das Steuerkreuz platziert, rechts davon sind dann die Menü- und die Home-Taste. Auf den Seiten links und rechts sind jeweils zwei Tasten zu finden, mit denen man vor- und zurückblättern kann. Auf der Unterseite ist gleich neben dem Micro-USB-Anschluss der Standby-Knopf.

Das Design des Geräts ist zweifellos sehr gut gelungen: Zum Einsatz kommt zwar "nur" Kunststoff in Aluminium-Optik, mit seinen zwei unterschiedlich dunklen Grautönen wirkt der Kindle dennoch edel. Die Verarbeitung ist solide, aber nicht perfekt: Bei unserem Gerät klapperte die (etwas hellere) "Abdeckung" auf der Rückseite auf der unteren Seite ein klein wenig, außerdem fühlte sich die linke "Seite vor"-Taste etwas verklemmt an. Allerdings ist weder das eine noch das andere ein echtes Ärgernis, sondern fällt in die Kategorie: Naja, für den Preis kann man nicht alles haben. Amazon Kindle TestDie virtuelle Tastatur wird über das Steuerkreuz bedient, was aber mehr als mühsam ist T-i-p-p-e-n i-s-t m-ü-h-s-a-m
Optisch ist der Verzicht auf die Tastatur mit Sicherheit kein Fehler. Die Bedienung profitiert grundsätzlich aber nicht davon: Das nun einblendbare Buchstaben- und Zahlen-Feld ist ein absoluter Krampf: Man navigiert sich von Zeichen zu Zeichen, für Großbuchstaben muss man sogar einen eigenen Reiter anwählen, so etwas wie eine Shift-Taste gibt es nicht. Wer sich einbildet, einen längeren Text so eintippen zu wollen, der sollte sich ausreichend mit Proviant eindecken. Motto: Wenn's mal wieder länger dauert...

Spaß macht das Tippen also nicht, ganz im Gegenteil. Aber: Eigentlich muss man auch so gut wie gar nicht tippen. Denn mit Ausnahme des WLAN-Passworts, das anfangs einmal eingegeben werden muss, lässt sich der Kindle praktisch komplett ohne Tastatur steuern. Buchkäufe kann man beispielsweise bequem(er) über den Webbrowser am Rechner erledigen, die E-Books werden dann einfach mit dem Kindle automatisch synchronisiert.

Im E-Book-Angebot kann man natürlich auch über den Kindle selbst stöbern, was zwar nicht so bequem ist wie über den Browser, aber dennoch ganz passabel funktioniert. Die Suchfunktion funktioniert gut und spuckt einem glücklicherweise schon nach wenigen Buchstaben einen passenden Vorschlag aus. Amazon Kindle TestDer Kindle-Shop ist die zentrale Quelle für E-Books Zudem gibt einem Amazon die von der Webseite gewohnten persönliche Empfehlungen, die aus den vorherigen Käufen erstellt werden. Außerdem kann man sich durch Bestseller und Neuheiten klicken. Bei ersterem wird eine Top-100 Liste angezeigt, sowohl von Kauf-Büchern, aber auch von kostenlosen Titeln. Bei den Gratis-E-Books findet man vor allem frei verfügbare Klassiker der Weltliteratur.

Amazon legt beim Kindle überhaupt großen Wert auf Usability. So erlebt der Kindle-Neuling gleich beim ersten Aktivieren des Geräts eine Überraschung: Der Kindle begrüßt den Neubesitzer mit Namen. Der Reader wird also gleich bei der Bestellung mit dem Account des Nutzers verknüpft, so dass man nicht erst seine Daten eingeben muss. Dabei bekommen sensible Zeitgenossen möglicherweise Datenschutz-Bauchweh, sehr bequem ist es aber allemal.

Praktisch sind auch die Leseproben: Man kann in jedes Buch auf Amazon reinlesen und anhand der ersten paar Kapitel entscheiden, ob man das Werk auch tatsächlich erwerben möchte. Drückt man während des Lesens der Leseprobe auf die Menü-Taste, erscheint gleich als erstes der Punkt "Dieses Buch jetzt kaufen". Allerdings ist hier eine gewisse Vorsicht geboten: Der Kauf wird tatsächlich sofort ausgeführt, eine "Sind Sie sicher?"-Zwischenabfrage oder Informationen über den Preis gibt es nicht. Man kann die Bestellung allerdings auch im Nachhinein stornieren, sollte man sich mal verdrücken.

Vampire würden ein Tablet kaufen
Für den neuesten Kindle gilt das, was für alle E-Reader zutrifft: Je heller das Licht scheint, desto besser ist das E-Ink-Diplay lesbar. Bei Sonnenlicht ist die Darstellung knackscharf und wirklich beeindruckend, bei künstlichem Licht am Abend dagegen weniger. Wer viel nach Einbruch der Dunkelheit liest, ist mit einem Tablet (da Hintergrund-beleuchtet) oder Papier-Buch wohl besser bedient.

Die Auflösung des Kindle beträgt übrigens 600 x 800 Pixel bei 167 dpi. Das Gerät kann 16 Graustufen darstellen. Alle fünf bis sechs Seiten, wird das Display aktualisiert, indem der E-Ink-Bildschirm für einen Bruchteil einer Sekunde schwarz bzw. zum Negativ wird. Das irritiert die ersten paar Male ein wenig, nach kurzer Zeit registriert man diesen Effekt aber gar nicht mehr. Amazon Kindle TestAufgeladen wird der Kindle per Micro-USB Völlig ungewohnt in heutigen Zeiten ist die Tatsache, dass der Akku schier ewig hält: Im (Dauer-)Betrieb sind es etwa fünf Tage, im Standby etwa drei bis vier Wochen. Ebenfalls ein völlig neues Gefühl ist die Tatsache, dass man das Gerät nicht extra ausschalten muss. Das liegt an der E-Ink-Technologie: Die bei "elektronischem Papier" eingesetzten Partikel verbleiben in ihrer Position ohne dass dabei eine Spannung angelegt werden muss.

Zwar hält der Akku des Vorgängers Kindle Keyboard etwa doppelt so lang (und hat auch doppelt so viel internen Speicher - der 2011er-Kindle hat zwei und nicht vier Gigabyte), für den Normalgebrauch reicht das aber dennoch allemal. Da können Smartphone- und Tablet-Besitzer ganz andere Geschichten erzählen.

Finger weg vom Browser
Um das Websurfen sollte man beim Kindle einen großen Bogen machen: Zwar gibt es einen Browser, der trägt die Bezeichnung "experimentell" aber vollkommen zurecht: Seiten werden zwar grundsätzlich dargestellt, die Navigation erweist sich hier aber als sehr mühsam. Zusätzlich dazu bleibt der Browser immer wieder mal "stecken" und reagiert eine Weile nicht.

Nach wie vor ein Problemfall sind auch PDF-Dokumente: Zwar stellt der Kindle diese halbwegs sauber dar, ihre Ansicht ist aber alles andere als komfortabel. So muss man manuell den Prozentwert des Zooms einstellen, was auf Dauer doch ziemlich mühsam ist.

Als Datei-Formate werden TXT, PDF, ungeschützte MOBI, PRC nativ; HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG und BMP (nach Konvertierung) unterstützt. EPUB fehlt leider nach wie vor. DRM-freie Bücher und andere vergleichbare Dateien kann man allerdings nicht direkt per USB auf das Gerät laden. Dazu muss man diese per Mail an seine Kindle.com-Adresse (bekommt man automatisch) mailen, Amazon leitet die Datei dann an den Kindle weiter. Nicht gerade praktisch, funktionieren tut es aber. Amazon Kindle TestAm Design des Geräts gibt es kaum etwas auszusetzen Fazit:
E-Books sind im deutschsprachigen Raum noch eine Randerscheinung. Ob sich das mit dem neuen Kindle ändert, ist nur schwer vorauszusagen. Der Preis könnte hier aber eine große Rolle spielen, denn bei 99 Euro wird so mancher in "Warum nicht?"-Modus gehen.

Eines muss aber klipp und klar festgestellt werden: Der Kindle ist ausschließlich etwas für Leute, die gerne lesen. Nicht mehr, nicht weniger. Wer im Internet surfen will, kauft sich besser ein Tablet, wer Dokumente bearbeiten will ein Notebook und wer ein Gerät zur Kommunikation sucht besorgt sich ein Smartphone.

Praktisch ist der Kindle auf alle Fälle. Ein durchschnittliches Taschenbuch wiegt gerne mal zwei oder drei Mal so viel, von einem Tablet erst gar nicht zu sprechen. Den Kindle kann man auch über einen längeren Zeitraum bequem in einer Hand halten (und in der U-Bahn mitleidig die Kraftsport-Übungen der Tablet-Nutzer belächeln).

Kurz gesagt: Für 99 Euro kann man beim Kindle kaum etwas falsch machen. Wem er nicht gefällt, kann ihn schließlich problemlos zurückschicken.

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