Netzwelten: Back to Bundesdance
Wahlkampf durchzieht wieder Deutschland, und nach wenigen Stunden Wahlkampffernsehen, komme ich jetzt langsam ins Stöhnen. Schließlich folgenden Diskussionen stets nach dem gleichen Schema ab. Die Argumente sind bekannt und man kann quasi immer schon erahnen, welchen Gegenpunkt die andere Diskussionspartei bringen wird.So geht es oft weniger um Inhalte und vor allem die Kontexte, die dahinter stehen. Wie präsentieren sich Schröder, Fischer, Merkel und Co - das ist wichtig, das scheint im Vordergrund zu stehen.
Da ist man als Internet-versierter, Politik-interessierter Mensch doch froh, dass es wieder den Wahl-O-Mat gibt. Das ist eine Internet-Applikation, die den User vor 30 Thesen stellt. Will man zum Statement "Mehrwertsteuer muss erhöht werden" beispielsweise zustimmen, kann man dies gleich über entsprechende Buttons tun. Nach 30 Entscheidungen präsentiert der Wahl-O-Meter das Ergebnis.
Ich will ja ehrlich sein, mein am meisten passendes Ergebnis war die SPD. Jedoch habe ich auch 10 Thesen so beantwortet, wie die CDU sie vertritt. Ein Ergebnis, was mir nur zeigt: Es gibt keine optimale Partei, mit der ich 100% übereinstimmen würde. Auf dem Weg zum 18. September muss also jeder entscheiden, welche Thesen schwerer wiegen. Übrigens kann man diese Abwägung auch vor der Auswertung speziell angeben. Allenfalls besser als endlosen, unkonkreten Diskussionsrunden folgen zu müssen.
Auffallend sind auch die Webauftritte der Parteien: Sie wirken in diesem Jahr sehr modern, jung und frisch gestaltet. Nach öffentlichen Auftritten und Aussagen veröffentlicht die Gegenseite schnell so genannte "Rapid responses", welche dem Rezipienten angeblich die Fehler des anderen Lagers offenbaren sollen. Wirklich neutral und objektiv sind diese Informationsangebote nicht immer, wenn nicht sogar in den wenigsten Fällen. Lustiger sind da humoristische Webprojekte wie www.bundesdance.com, die die Politiker mit unfreiwilligen Aktionen auf den Arm nehmen wollen.
Für den Wahltermin und die Zukunft des Landes erscheint es mir wichtig, dass möglichst viele Menschen objektive und sachliche Instrumente wie Wahl-O-Mat oder Artikel in politischen Magazinen nutzen. So bleiben die Wahlentscheidungen weitgehend unabhängig von der populistischen Maschinerie der hohlen Phrasen und endlos akribisch einstudierter Wahlkampfreden.
Bis zum nächsten Mal,
Ihr Simon Bauer
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