Nachfolger des LHC: CERN wirbt um 16 Milliarden Euro für den FCC
Der europäischen Teilchenforschungsorganisation CERN stehen schwierige Finanzierungsverhandlungen für einen neuen Teilchenbeschleuniger bevor: Das geplante Nachfolgeprojekt des Large Hadron Collider (LHC) soll rund 16 Milliarden Euro kosten.
Der FCC soll die wissenschaftliche Arbeit des bestehenden Teilchenbeschleunigers nahe Genf fortsetzen und deutlich erweitern. Der im Jahr 2008 gestartete LHC besitzt einen Umfang von rund 27 Kilometern. Die neue Anlage soll mehr als dreimal so groß werden und dadurch präzisere Messungen sowie Untersuchungen ermöglichen, die mit dem bisherigen Beschleuniger nicht in dieser Form möglich sind.
Der LHC beschleunigt Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit und lässt sie miteinander kollidieren. Dabei entstehen kurzlebige Teilchen, deren Eigenschaften Rückschlüsse auf die Bedingungen im frühen Universum erlauben. Zu den größten Erfolgen zählt die Entdeckung des Higgs-Bosons im Jahr 2012. Das Teilchen spielt eine zentrale Rolle bei der Erklärung, wie andere Elementarteilchen ihre Masse erhalten.
Der FCC soll unter anderem Elektronen mit ihren Antiteilchen, den Positronen, kollidieren lassen. Die dabei entstehenden Daten könnten helfen, bislang ungeklärte Eigenschaften der Materie besser zu verstehen. Dazu gehört auch die Dunkle Materie, deren Existenz sich durch ihre gravitativen Auswirkungen bemerkbar macht, obwohl sie mit bisherigen Methoden nicht direkt nachgewiesen werden kann.
Thomson sieht dennoch Chancen, die Investition mit konkretem wirtschaftlichem Nutzen zu verbinden. Die beteiligten Staaten und ihre Unternehmen könnten von technologischen Entwicklungen profitieren, etwa bei Hochtemperatur-Supraleitern. Solche Materialien sind unter anderem für die Energieversorgung und medizinische Geräte interessant.
Zudem verwies Thomson auf die Gründung des CERN im Jahr 1954, die trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte. Die Organisation habe seitdem nicht nur die Forschung vorangebracht, sondern auch technische Entwicklungen ermöglicht. Ein bekanntes Beispiel ist das World Wide Web, das 1989 am CERN entstand. Eine endgültige Entscheidung über den FCC wird voraussichtlich um 2028 fallen. Der Betrieb könnte Ende der 2040er-Jahre beginnen, während der LHC im selben Jahrzehnt auslaufen soll.
Siehe auch:
- CERN-Chef Mark Thomson fordert Bau des riesigen Future Circular Collider
- Die geplante Anlage soll mehr als dreimal so groß werden wie der LHC-Ring
- Kollisionen im neuen Beschleuniger sollen Rätsel Dunkler Materie klären
- Deutschlands Zweifel an der Finanzierung belasten das europäische Großprojekt
- Mark Thomson betont den wirtschaftlichen Nutzen durch neue Technologien
- Eine endgültige Entscheidung über den Beschleuniger fällt voraussichtlich 2028
Dreimal größer als der LHC
CERN-Generaldirektor Mark Thomson wirbt bei den europäischen Staaten für den Bau des Future Circular Collider (FCC). Trotz angespannter öffentlicher Haushalte dürfe Europa bei der Erforschung grundlegender Fragen des Universums nicht zurückweichen, erklärte er gegenüber der Financial Times.Der FCC soll die wissenschaftliche Arbeit des bestehenden Teilchenbeschleunigers nahe Genf fortsetzen und deutlich erweitern. Der im Jahr 2008 gestartete LHC besitzt einen Umfang von rund 27 Kilometern. Die neue Anlage soll mehr als dreimal so groß werden und dadurch präzisere Messungen sowie Untersuchungen ermöglichen, die mit dem bisherigen Beschleuniger nicht in dieser Form möglich sind.
Der LHC beschleunigt Protonen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit und lässt sie miteinander kollidieren. Dabei entstehen kurzlebige Teilchen, deren Eigenschaften Rückschlüsse auf die Bedingungen im frühen Universum erlauben. Zu den größten Erfolgen zählt die Entdeckung des Higgs-Bosons im Jahr 2012. Das Teilchen spielt eine zentrale Rolle bei der Erklärung, wie andere Elementarteilchen ihre Masse erhalten.
Der FCC soll unter anderem Elektronen mit ihren Antiteilchen, den Positronen, kollidieren lassen. Die dabei entstehenden Daten könnten helfen, bislang ungeklärte Eigenschaften der Materie besser zu verstehen. Dazu gehört auch die Dunkle Materie, deren Existenz sich durch ihre gravitativen Auswirkungen bemerkbar macht, obwohl sie mit bisherigen Methoden nicht direkt nachgewiesen werden kann.
Deutschland ist noch zurückhaltend
Die Finanzierung dürfte allerdings zur politischen Herausforderung werden. Europa muss gleichzeitig auf alternde Bevölkerungen, steigende Verteidigungsausgaben und die wirtschaftlichen Folgen internationaler Konflikte reagieren. Deutschland, der größte Geldgeber des CERN, hatte bereits Zweifel an der finanziellen Machbarkeit des Projekts geäußert.Thomson sieht dennoch Chancen, die Investition mit konkretem wirtschaftlichem Nutzen zu verbinden. Die beteiligten Staaten und ihre Unternehmen könnten von technologischen Entwicklungen profitieren, etwa bei Hochtemperatur-Supraleitern. Solche Materialien sind unter anderem für die Energieversorgung und medizinische Geräte interessant.
Zudem verwies Thomson auf die Gründung des CERN im Jahr 1954, die trotz schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte. Die Organisation habe seitdem nicht nur die Forschung vorangebracht, sondern auch technische Entwicklungen ermöglicht. Ein bekanntes Beispiel ist das World Wide Web, das 1989 am CERN entstand. Eine endgültige Entscheidung über den FCC wird voraussichtlich um 2028 fallen. Der Betrieb könnte Ende der 2040er-Jahre beginnen, während der LHC im selben Jahrzehnt auslaufen soll.
Siehe auch:
Thema:
Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.