Microslop: Microsoft gibt sich Discord-Community geschlagen

Microsoft hat einen über Monate schwelenden Konflikt rund um seine KI-Strategie entschärft: Der Begriff "Microslop", der Anfang 2026 im offiziellen Copilot-Discord-Server plötzlich blockiert wurde, lässt sich dort inzwischen wieder problemlos verwenden.
Microsoft, Discord, Microslop
WinFuture / KI-generiert
  • Das Wort Microslop wird im Copilot-Discord nicht mehr blockiert
  • Der Begriff entstand aus Frust über die aggressive KI-Integration
  • Microsoft strich den Copilot-Button inzwischen aus Snipping Tool
  • Die Copilot-Taste der Tastatur lässt sich nun frei neu belegen
  • Microsoft setzt künftig stärker auf KI-Dienste im Hintergrund

Sperren sind verschwunden

Nutzer posten den abwertenden Begriff für Microsofts KI-Dienste mittlerweile offen, ohne dass die Moderation eingreift, berichtet das US-Magazin WindowsLatest. Und auch die automatische Sperrung von Beiträgen, in denen das Wort vorkommt, findet nicht mehr statt. Eine offizielle Erklärung Microsofts für die Aufhebung des Filters gibt es bislang nicht.

Der Begriff war Ende 2025 beziehungsweise Anfang 2026 als Reaktion auf Microsofts aggressive Integration von Copilot in Windows 11 entstanden. Kritiker störten sich vor allem daran, dass die KI-Funktionen an zahlreichen Stellen des Betriebssystems auftauchten, teilweise unabhängig davon, ob Nutzer sie benötigten oder wollten. Die Bezeichnung verbreitete sich so stark, dass sogar eine Browser-Erweiterung Microsoft auf Webseiten durch "Microslop" ersetzte.


Im März war es Microsoft dann genug und der Begriff wurde im offiziellen Copilot-Discord automatisch blockiert. Nutzer testeten daraufhin Schreibvarianten wie "Microsl0p", um den Filter zu umgehen. Microsoft erklärte später, es habe sich lediglich um eine vorübergehende Anti-Spam-Maßnahme gehandelt und nicht um ein gezieltes Verbot des Wortes. Dennoch wurde der Discord-Server anschließend teilweise stärker eingeschränkt.

Inzwischen scheint sich die Situation nicht nur auf Discord verändert zu haben. Microsoft hat seine Strategie bei Copilot in Windows 11 tatsächlich zurückgefahren. Das Unternehmen kündigte im März an, unnötige Einstiegspunkte zu reduzieren und die Integration stärker auf tatsächlich nützliche Funktionen auszurichten. In der Folge verschwand der Copilot-Button unter anderem aus dem Snipping Tool. Auch in Notepad wurde die Funktion weniger prominent als "Writing tools" integriert.

Deutliche Änderungen

Darüber hinaus nahm Microsoft Abstand von der automatischen Installation der Microsoft-365-Copilot-App und kündigte weniger aufdringliche Werbung und Empfehlungen in Windows an. Selbst die speziell für Copilot eingeführte Tastaturtaste lässt sich inzwischen mit anderen Funktionen belegen. Microsoft hatte eingeräumt, dass die ursprüngliche Belegung bei manchen Nutzern Arbeitsabläufe und Barrierefreiheit beeinträchtigen konnte.

Die KI-Strategie selbst gibt Microsoft damit allerdings nicht auf. Statt Copilot möglichst prominent in der Benutzeroberfläche zu platzieren, verschiebt sich der Schwerpunkt offenbar hin zu KI-Funktionen, die stärker im Hintergrund arbeiten. Der weniger häufig auftauchende Begriff "Microslop" ist damit möglicherweise auch ein Zeichen dafür, dass sich der Charakter der Kritik an Microsofts KI-Kurs verändert hat. Auf Discord lässt sich der Begriff inzwischen aber trotzdem wieder problemlos verwenden, während unklar ist, wie stark die Kritik Einfluss auf Microsofts geänderte Strategie hatte.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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