KI-Innovation im Ohr: Anker Soundcore Liberty 5 Pro Max im Test
Anker hat mit dem Soundcore Liberty 5 Pro Max ein neues In-Ear-Flaggschiff veröffentlicht. Und das schafft echte Innovation. Denn zu Disziplinen wie ANC, Telefonie und Sound integriert man spannende KI-Features in die Kopfhörer. Mehr dazu in unserem Testbericht.
Denn für das Verständnis der beiden Varianten ist eine Tatsache von essenzieller Bedeutung: Die eigentlichen Ohrhörer sind bei beiden Modellen baugleich. Treiber, Geräuschunterdrückung, Telefonqualität, Sitz und Laufzeit unterscheiden sich nicht. Der Aufpreis der Max-Variante bezieht sich einzig und allein auf das Ladecase und die damit verbundenen Zusatzfunktionen.
Doch so viel vorweg: Diese haben es durchaus in sich - sie sind auch mehr als bloße Spielerei, sondern tatsächlich nützlich.
Anker Soundcore Liberty 5 Pro Max: Neue Form, bequemer Sitz
Soundcore Liberty 5 Pro Max
Für 249,99 Euro bei Media Markt
Zentral für den Großteil der Neuerungen ist ein hauseigener Chip mit der Bezeichnung Thus, den Anker als deutlich leistungsstärker als die Vorgängergenerationen beschreibt. Da der Hersteller Software und Hardware damit selbst aufeinander abstimmen kann, schlägt sich die Eigenentwicklung an mehreren Stellen nieder, vor allem bei der Geräuschunterdrückung, der Sprachübertragung in Telefonaten und der Reaktionszeit der Sprachbefehle.
Der neue Look ist wie immer Geschmackssache, zumal die Hörer etwas weiter aus dem Ohr herausstehen als besonders flach gebaute Konkurrenten. Das Gewicht der einzelnen Ohrhörer liegt bei sechs bis sieben Gramm, was sich in der Praxis in jedem Fall sehr leicht anfühlt. Eine IP55-Zertifizierung schützt vor Staub und Spritzwasser, womit Schweiß und Regen kein Problem darstellen.
Der eigentliche Unterschied zur Pro-Version liegt wie bereits erwähnt im Ladecase. Während das Pro-Modell lediglich einen schmalen Bildschirmstreifen an der Front hat, bieten die Pro Max ein vollflächiges AMOLED-Touchdisplay mit rund 1,8 Zoll Diagonale - die gesamte Oberseite des Deckels. Dieses Display ist heller und schärfer als jenes des günstigeren Modells. Es öffnet sich über einen Schiebemechanismus, der die Hörer freigibt.
Das Case ist praktisch, aber ziemlich groß - für die Hosentasche fast zu groß
Es wirkt hochwertig, fällt jedoch spürbar größer und schwerer aus als beim Pro und ebenso größer als bei vielen Mitbewerbern. Dass das Case wegen seiner glatten, teils glänzenden Oberfläche leicht aus der Hosentasche oder von glatten Sitzflächen rutschen kann, ist ein nachvollziehbarer, wenn auch kleiner Kritikpunkt. Auffällig ist, dass die zusätzliche Bauhöhe und das Gewicht einen Komfortnachteil darstellen: Wer ein möglichst kompaktes Etui für die Hosentasche sucht, wird das Pro-Max-Case als unhandlich empfinden.
Eine technische Besonderheit ist, dass das Case über ein eigenes Mikrofon und einen eigenen Lautsprecher verfügt und sich unabhängig von den Ohrhörern per Bluetooth mit dem Smartphone verbindet. Genau das ist die Voraussetzung für die Zusatzfunktionen der Max-Variante.
Das neue Design ist ein echter Fortschritt, denn die Kopfhörer sitzen fest und bequem
Insgesamt fällt der Halt sicher aus: Auch bei Sport, beim Laufen oder im Fitnessstudio bleiben die Hörer zuverlässig an Ort und Stelle. Voraussetzung für Komfort, Klang und Geräuschunterdrückung ist allerdings die passende Aufsatzgröße und ein guter Abschluss zum Gehörgang - mit dem falschen Aufsatz leidet das Tragegefühl ebenso wie die Akustik.
Was den Komfort betrifft, so muss man vor allem bei In-Ears immer wieder betonen, dass der Sitz stark von der Anatomie des Ohres abhängt. Einen Kopfhörer, den der eine für bequem hält, mag ein anderer als unangenehm oder drückend empfinden. Der Autor dieser Zeilen ist eindeutig zur ersten Kategorie zu zählen und findet sogar, dass die Liberty 5 Pro (Max) den komfortabelsten Sitz bieten, den er je im Ohr erleben konnte - nichts drückt oder irritiert.
Die Touch-Funktionalität am Display ist praktisch, könnte aber zuverlässiger sein
Bei der Reaktionsfreude des Bildschirms zeigte sich im Test allerdings eine klare Einschränkung, denn das Display reagiert spürbar zu träge und unpräzise: Eingaben werden nicht immer sofort erkannt, mitunter sind mehrere Wischbewegungen nötig, bis eine Aktion ausgelöst wird. Das mindert den Nutzen nicht grundsätzlich, trübt den ansonsten ausgereiften Eindruck aber merklich - und nervt schlichtweg.
Neben dem Display stehen natürlich auch Touchflächen an den Hörern selbst zur Verfügung. Deren Standardbelegung wirkt zunächst wenig durchdacht, lässt sich in der App jedoch frei anpassen, sodass Einfach-, Doppel- und Dreifachtipper sowie Wischgesten für die Lautstärke individuell zugewiesen werden können. Zudem fühlt sich ein längerer Druck recht unpräzise an: Der Wechsel zwischen ANC und Transparenzmodus ist über einen Langdruck nicht immer erfolgreich (ein eigens eingestellter Doppel-Tap ist hier wesentlich besser).
Der Thus-Chip hat seinen Ursprung übrigens in Deutschland
Soundcore Liberty 5 Pro Max
Für 249,99 Euro bei Media Markt
Wer Berührungssteuerungen am Ohr generell unangenehm findet, kann auf die Sprachbefehle ausweichen, die ohne Aktivierungswort auskommen. Kommandos wie das Starten und Stoppen der Wiedergabe oder das Wechseln von Titeln werden nahezu verzögerungsfrei umgesetzt; der Thus-Chip soll die Latenz hierbei deutlich reduzieren. Die Reaktionszeit liegt nach Herstellerangabe knapp unter einer Sekunde.
Nachteilig ist lediglich, dass man sich die korrekten Befehle einprägen muss, und dass das Aktivieren der Sprachsteuerung die Akkulaufzeit etwas verkürzen kann. Ergänzend ist mit Anka eine Sprachassistentin an Bord, die auf Zuruf einfache Fragen beantwortet. Wie nützlich diese Funktion ist, hängt stark von den eigenen Vorlieben ab - sie wirkt deshalb eher als Beigabe denn als zentrales Merkmal.
Diese Funktionsfülle ist eine Stärke, bringt aber eine Schwäche mit sich: Die Menüführung ist nicht immer übersichtlich, und manche Optionen sind tief in Untermenüs verborgen.
Mit Hörpräferenzen ...
... zur individuellen HearID
Zudem lassen sich nicht alle Funktionen gleichzeitig nutzen. So schließen sich beispielsweise LDAC und die Mehrgeräteverbindung mit drei Geräten gegenseitig aus, und die Klangaufwertung per KI deaktiviert LDAC, Dolby Atmos und die Sprachsteuerung. Wer alles ausreizen möchte, muss daher Prioritäten setzen.
Die Touch-Bedienung auf Kopfhörern ...
... und Assistentin Anka
Anschließend überträgt das Case die Aufnahme automatisch an die App, die ein Transkript sowie eine zusammenfassende Mitschrift erzeugt. Die Erkennungsgenauigkeit fällt durchweg hoch aus und bewegt sich auf dem Niveau etablierter Diktier- und Konferenzlösungen. Laut Hersteller werden über 100 Sprachen unterstützt. Kleiner Nachteil: Wer dieses Feature intensiv nutzen will, der benötigt ein Pro-Abo, denn inbegriffen sind "nur" 120 Minuten pro Jahr Transkription. Für monatliche 18 Euro gibt es dann 1200 Minuten (pro Monat).
Die Funktion ist für Berufstätige mit vielen Besprechungen oder für Studierende ein echter Mehrwert, für den durchschnittlichen Käufer bleibt sie hingegen eher eine Nischenfunktion. Wer so etwas braucht und nützlich findet, erhält aber ein spannendes Feature, das gut und exakt funktioniert. Kleiner Life-Hack am Rande: Wer sich das Abo sparen will, kann die Audio-Aufnahme schlichtweg exportieren und die Abschrift in einem externen Dienst erledigen.
Bei der Transkription erfolgt die Aufnahme über das Case, die Abschrift über die App
Die Übersetzung arbeitet in zwei Varianten: einem dialogischen Zwei-Wege-Modus, bei dem das Case als Mikrofon und Lautsprecher für das Gegenüber dient, während die übersetzten Antworten über die Hörer kommen, sowie einem einseitigen Modus, der das Gesprochene des Gegenübers in nahezu Echtzeit überträgt.
In der Praxis funktioniert das solide, ist aber nicht vollständig verzögerungsfrei: Man muss eine Taste drücken, sprechen und kurz auf das Ergebnis warten, wobei das Mikrofon bei Sprechpausen mitunter zu früh abschaltet. Der Komfortgewinn gegenüber reinen Smartphone-Lösungen wie Google Übersetzer fällt dadurch begrenzt aus.
Wichtig zu wissen ist, dass sowohl Transkription als auch Übersetzung eine aktive Internetverbindung voraussetzen, da die Verarbeitung in der Cloud erfolgt; ohne Verbindung stehen die Funktionen nicht zur Verfügung. Anders als bei manchen Konkurrenzlösungen, die solche Aufgaben lokal auf dem Gerät erledigen, ist hier also stets WLAN oder Mobilfunk nötig.
Auffällig ist, dass trotz des modernen Bluetooth-6.1-Standards zum Verkaufsstart weder LE Audio noch Auracast bereitstehen; ob diese per Firmware-Update nachgereicht werden, ist offen. Ebenso fehlt die Möglichkeit, das Case als kabelgebundenen Funksender zu nutzen, wie es einige Flaggschiffe anderer Hersteller bieten.
Die Features im Überblick
Bei gutem Sitz reduziert das System die wahrgenommene Lautstärke von Außengeräuschen sehr wirksam und bewegt sich nahe am Niveau der Flaggschiffe von Bose, Sony und Apple (kommt aber nicht ganz heran). Tieffrequente, gleichmäßige Geräusche wie Klimaanlagen, Zug- oder Triebwerksdröhnen werden wie üblich besonders gut gedämpft.
Der Transparenzmodus fällt natürlich und frei von störendem Rauschen aus, und die Easy-Chat-Funktion erleichtert kurze Gespräche, ohne dass man die Hörer herausnehmen müsste - sie ist aber natürlich anfällig für Fremdgespräche, etwa dann, wenn sich der Sitznachbar in der U-Bahn mit jemandem spricht oder telefoniert.
Die KI-Soundverbesserung ist natürlich nichts für Audio-Puristen
Ob die kräftige Abstimmung gefällt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks: Für die meisten Gelegenheitshörer dürfte sie ansprechend und sogar wünschenswert (also die klassische "Spaßausrichtung") sein, anspruchsvolle Klangpuristen werden dagegen feinere und räumlichere Alternativen wie die Sennheiser Momentum True Wireless 4 oder die Technics-Modelle bevorzugen.
Natürlich lassen sich der Klang und bei Bedarf der Bass der Soundcore Liberty 5 Pro Max anpassen: über den Hörtest, den Equalizer oder die Voreinstellung Clear Vocals. Eine Eigenheit ist, dass die Abstimmung bei ausgeschalteter Geräuschunterdrückung etwas natürlicher und ausgewogener klingt.
Dolby Atmos mit Kopfverfolgung kann der räumlichen Wiedergabe von Filmen und passenden Tonspuren mehr Tiefe verleihen, während sein Nutzen bei normaler Musik umstritten ist. Auch die KI-gestützte Klangaufwertung ist so eine Sache: Sie kann minderwertige Aufnahmen klarer wirken lassen, neigt aber je nach Material zu hörbaren Artefakten und kostet zusätzlich Akku, sodass ihr Wert vom jeweiligen Einsatz abhängt.
Das Ergebnis ist bemerkenswert: Gesprächspartner bestätigten, von lauten Umgebungen kaum etwas wahrzunehmen, während die eigene Stimme klar und natürlich übertragen wird. Anker verweist in diesem Zusammenhang auf einen Guinness-Weltrekord für Sprachklarheit, den das baugleiche Pro-Modell aufgestellt hat.
Unter optimalen Bedingungen treten gelegentlich leichte Knackgeräusche auf, und in besonders lauten Situationen empfiehlt sich die Option für klarere Anrufe in der App, die die Stimme noch konsequenter isoliert, dafür aber den Akku stärker belastet. In dieser Disziplin gehören die Hörer zu den besten ihrer Klasse und übertreffen teils selbst etablierte Referenzen wie die Apple AirPods Pro 3.
In der Praxis wird der Wert je nach Lautstärke, aktivierten Funktionen und verbundenen Geräten nicht immer vollständig erreicht und liegt eher knapp darunter. Das ist konkurrenzfähig, aber kein Spitzenwert. Praktisch ist die schnelle Aufladung, bei der fünf Minuten im Case für rund vier Stunden Wiedergabe genügen. Geladen wird per USB-C oder kabellos via Qi.
Ebenso klar fallen die Einschränkungen aus: Das Case ist groß und schwer, das Touchdisplay reagiert alles andere zuverlässig, und der Klang ist gut, aber nicht überragend und in der Werkseinstellung sehr bassbetont. Vieles davon ist aber eine Frage der Prioritäten.
Wer die Transkription und Übersetzung per künstlicher Intelligenz (KI) tatsächlich nutzt, etwa im beruflichen Umfeld, findet im Pro Max einen sinnvollen und vor allem im In-Ear-Segment auch innovativen Mehrwert gegenüber dem günstigeren Liberty 5 Pro, der bei identischen Ohrhörern dieselbe Klang-, ANC- und Telefonleistung bietet. Wer diese Zusatzfunktionen nicht braucht, fährt mit dem kleineren Modell deutlich günstiger und kompakter.
Innerhalb seines Preisrahmens jedoch zählt der Pro Max zu den überzeugendsten Komplettpaketen. Und es ist schlichtweg auch erfrischend, einen Kopfhörer in der Hand und im Ohr zu haben, der etwas anders ist und eben Neues bietet.
Soundcore Liberty 5 Pro Max Für 249,99 Euro bei Media Markt
Soundcore Liberty 5 Pro Für 179,99 Euro bei Media Markt
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Liberty 5 Pro vs. Liberty 5 Pro Max
Mit dem Liberty 5 Pro Max führt Anker innerhalb seiner Soundcore-Reihe erstmals eine Stufe oberhalb des bisherigen Pro-Modells ein. Das bedeutet auch einen Preisanstieg, denn die In-Ear-Kopfhörer kosten 249,99 Euro. Wer auf die Zusatzfeatures (KI, Ladecase mit Display etc.) verzichten kann und "nur" einen Kopfhörer sucht, kann zu den günstigeren Liberty 5 Pro für 179,99 Euro greifen.Denn für das Verständnis der beiden Varianten ist eine Tatsache von essenzieller Bedeutung: Die eigentlichen Ohrhörer sind bei beiden Modellen baugleich. Treiber, Geräuschunterdrückung, Telefonqualität, Sitz und Laufzeit unterscheiden sich nicht. Der Aufpreis der Max-Variante bezieht sich einzig und allein auf das Ladecase und die damit verbundenen Zusatzfunktionen.
Doch so viel vorweg: Diese haben es durchaus in sich - sie sind auch mehr als bloße Spielerei, sondern tatsächlich nützlich.
Anker Soundcore Liberty 5 Pro Max: Neue Form, bequemer Sitz
Soundcore Liberty 5 Pro Max
Für 249,99 Euro bei Media Markt
Zentral für den Großteil der Neuerungen ist ein hauseigener Chip mit der Bezeichnung Thus, den Anker als deutlich leistungsstärker als die Vorgängergenerationen beschreibt. Da der Hersteller Software und Hardware damit selbst aufeinander abstimmen kann, schlägt sich die Eigenentwicklung an mehreren Stellen nieder, vor allem bei der Geräuschunterdrückung, der Sprachübertragung in Telefonaten und der Reaktionszeit der Sprachbefehle.
Design und Verarbeitung der Kopfhörer
Optisch bricht die Serie mit dem bisherigen Stiel-Design von Soundcore. Stattdessen setzt Anker auf eine geschwungene, bohnenförmige Bauform, die in der Silhouette eher an die QuietComfort-Modelle von Bose erinnert als an klassische AirPods-Alternativen. Diese Formgebung ist eigenständig und sorgt für einen Wiedererkennungswert, den frühere Soundcore-Modelle nicht besaßen.Der neue Look ist wie immer Geschmackssache, zumal die Hörer etwas weiter aus dem Ohr herausstehen als besonders flach gebaute Konkurrenten. Das Gewicht der einzelnen Ohrhörer liegt bei sechs bis sieben Gramm, was sich in der Praxis in jedem Fall sehr leicht anfühlt. Eine IP55-Zertifizierung schützt vor Staub und Spritzwasser, womit Schweiß und Regen kein Problem darstellen.
Der eigentliche Unterschied zur Pro-Version liegt wie bereits erwähnt im Ladecase. Während das Pro-Modell lediglich einen schmalen Bildschirmstreifen an der Front hat, bieten die Pro Max ein vollflächiges AMOLED-Touchdisplay mit rund 1,8 Zoll Diagonale - die gesamte Oberseite des Deckels. Dieses Display ist heller und schärfer als jenes des günstigeren Modells. Es öffnet sich über einen Schiebemechanismus, der die Hörer freigibt.
Das Case ist praktisch, aber ziemlich groß - für die Hosentasche fast zu groß
Es wirkt hochwertig, fällt jedoch spürbar größer und schwerer aus als beim Pro und ebenso größer als bei vielen Mitbewerbern. Dass das Case wegen seiner glatten, teils glänzenden Oberfläche leicht aus der Hosentasche oder von glatten Sitzflächen rutschen kann, ist ein nachvollziehbarer, wenn auch kleiner Kritikpunkt. Auffällig ist, dass die zusätzliche Bauhöhe und das Gewicht einen Komfortnachteil darstellen: Wer ein möglichst kompaktes Etui für die Hosentasche sucht, wird das Pro-Max-Case als unhandlich empfinden.
Eine technische Besonderheit ist, dass das Case über ein eigenes Mikrofon und einen eigenen Lautsprecher verfügt und sich unabhängig von den Ohrhörern per Bluetooth mit dem Smartphone verbindet. Genau das ist die Voraussetzung für die Zusatzfunktionen der Max-Variante.
Das neue Design ist ein echter Fortschritt, denn die Kopfhörer sitzen fest und bequem
Sitz und Tragekomfort der Anker In-Ears
Zum Lieferumfang gehören fünf Größen an Silikonaufsätzen sowie aufsteckbare Flügel, die sich in der Ohrmuschel abstützen und für zusätzlichen Halt sorgen. Wem diese Flügel nicht zusagen, der kann sie gegen flache Kunststoffteile tauschen oder ganz weglassen.Insgesamt fällt der Halt sicher aus: Auch bei Sport, beim Laufen oder im Fitnessstudio bleiben die Hörer zuverlässig an Ort und Stelle. Voraussetzung für Komfort, Klang und Geräuschunterdrückung ist allerdings die passende Aufsatzgröße und ein guter Abschluss zum Gehörgang - mit dem falschen Aufsatz leidet das Tragegefühl ebenso wie die Akustik.
Was den Komfort betrifft, so muss man vor allem bei In-Ears immer wieder betonen, dass der Sitz stark von der Anatomie des Ohres abhängt. Einen Kopfhörer, den der eine für bequem hält, mag ein anderer als unangenehm oder drückend empfinden. Der Autor dieser Zeilen ist eindeutig zur ersten Kategorie zu zählen und findet sogar, dass die Liberty 5 Pro (Max) den komfortabelsten Sitz bieten, den er je im Ohr erleben konnte - nichts drückt oder irritiert.
Bedienung über Display, Touch und Sprache
Das Touchdisplay des Case funktioniert ähnlich wie die Oberfläche einer Smartwatch. Über Wischgesten in vier Richtungen lassen sich Modi der Geräuschunterdrückung wechseln, EQ-Voreinstellungen durchblättern, die Wiedergabe steuern, sowie Einstellungen wie Bluetooth-Verbindungen, Helligkeit oder Dolby Audio aufrufen. Der praktische Vorteil liegt darin, dass sich nahezu alle Funktionen direkt am Etui regeln lassen, ohne das Smartphone hervorholen zu müssen.
Die Touch-Funktionalität am Display ist praktisch, könnte aber zuverlässiger sein
Bei der Reaktionsfreude des Bildschirms zeigte sich im Test allerdings eine klare Einschränkung, denn das Display reagiert spürbar zu träge und unpräzise: Eingaben werden nicht immer sofort erkannt, mitunter sind mehrere Wischbewegungen nötig, bis eine Aktion ausgelöst wird. Das mindert den Nutzen nicht grundsätzlich, trübt den ansonsten ausgereiften Eindruck aber merklich - und nervt schlichtweg.
Neben dem Display stehen natürlich auch Touchflächen an den Hörern selbst zur Verfügung. Deren Standardbelegung wirkt zunächst wenig durchdacht, lässt sich in der App jedoch frei anpassen, sodass Einfach-, Doppel- und Dreifachtipper sowie Wischgesten für die Lautstärke individuell zugewiesen werden können. Zudem fühlt sich ein längerer Druck recht unpräzise an: Der Wechsel zwischen ANC und Transparenzmodus ist über einen Langdruck nicht immer erfolgreich (ein eigens eingestellter Doppel-Tap ist hier wesentlich besser).
Der Thus-Chip hat seinen Ursprung übrigens in Deutschland
Soundcore Liberty 5 Pro Max
Für 249,99 Euro bei Media Markt
Wer Berührungssteuerungen am Ohr generell unangenehm findet, kann auf die Sprachbefehle ausweichen, die ohne Aktivierungswort auskommen. Kommandos wie das Starten und Stoppen der Wiedergabe oder das Wechseln von Titeln werden nahezu verzögerungsfrei umgesetzt; der Thus-Chip soll die Latenz hierbei deutlich reduzieren. Die Reaktionszeit liegt nach Herstellerangabe knapp unter einer Sekunde.
Nachteilig ist lediglich, dass man sich die korrekten Befehle einprägen muss, und dass das Aktivieren der Sprachsteuerung die Akkulaufzeit etwas verkürzen kann. Ergänzend ist mit Anka eine Sprachassistentin an Bord, die auf Zuruf einfache Fragen beantwortet. Wie nützlich diese Funktion ist, hängt stark von den eigenen Vorlieben ab - sie wirkt deshalb eher als Beigabe denn als zentrales Merkmal.
App und Funktionsumfang
Die Soundcore-App ist überaus umfangreich. Neben HearID 5.0, einem personalisierten Klangprofil auf Basis eines Hörtests, finden sich ein Achtband-Equalizer mit mehreren Voreinstellungen, Dolby Atmos mit Kopfverfolgung, eine Trageerkennung, ein Lautstärkebegrenzer zum Gehörschutz, Umgebungsklänge sowie die Funktion Easy Chat, die bei erkannter Sprache automatisch in den Transparenzmodus schaltet und die Musik leiser regelt.Diese Funktionsfülle ist eine Stärke, bringt aber eine Schwäche mit sich: Die Menüführung ist nicht immer übersichtlich, und manche Optionen sind tief in Untermenüs verborgen.
Mit Hörpräferenzen ...
... zur individuellen HearID
Zudem lassen sich nicht alle Funktionen gleichzeitig nutzen. So schließen sich beispielsweise LDAC und die Mehrgeräteverbindung mit drei Geräten gegenseitig aus, und die Klangaufwertung per KI deaktiviert LDAC, Dolby Atmos und die Sprachsteuerung. Wer alles ausreizen möchte, muss daher Prioritäten setzen.
KI-Notizen und Übersetzung
Die eigentlichen Alleinstellungsmerkmale des Pro Max sind die Transkription und die Übersetzung, beide ermöglicht durch das eigenständig vernetzte Case. Die Aufnahme lässt sich bequem über das Display starten oder über eine Taste an der Rückseite. Während der Aufzeichnung können über ein Flaggensymbol wichtige Stellen markiert werden, um sie später leichter wiederzufinden.
Die Touch-Bedienung auf Kopfhörern ...
... und Assistentin Anka
Anschließend überträgt das Case die Aufnahme automatisch an die App, die ein Transkript sowie eine zusammenfassende Mitschrift erzeugt. Die Erkennungsgenauigkeit fällt durchweg hoch aus und bewegt sich auf dem Niveau etablierter Diktier- und Konferenzlösungen. Laut Hersteller werden über 100 Sprachen unterstützt. Kleiner Nachteil: Wer dieses Feature intensiv nutzen will, der benötigt ein Pro-Abo, denn inbegriffen sind "nur" 120 Minuten pro Jahr Transkription. Für monatliche 18 Euro gibt es dann 1200 Minuten (pro Monat).
Die Funktion ist für Berufstätige mit vielen Besprechungen oder für Studierende ein echter Mehrwert, für den durchschnittlichen Käufer bleibt sie hingegen eher eine Nischenfunktion. Wer so etwas braucht und nützlich findet, erhält aber ein spannendes Feature, das gut und exakt funktioniert. Kleiner Life-Hack am Rande: Wer sich das Abo sparen will, kann die Audio-Aufnahme schlichtweg exportieren und die Abschrift in einem externen Dienst erledigen.
Bei der Transkription erfolgt die Aufnahme über das Case, die Abschrift über die App
Die Übersetzung arbeitet in zwei Varianten: einem dialogischen Zwei-Wege-Modus, bei dem das Case als Mikrofon und Lautsprecher für das Gegenüber dient, während die übersetzten Antworten über die Hörer kommen, sowie einem einseitigen Modus, der das Gesprochene des Gegenübers in nahezu Echtzeit überträgt.
In der Praxis funktioniert das solide, ist aber nicht vollständig verzögerungsfrei: Man muss eine Taste drücken, sprechen und kurz auf das Ergebnis warten, wobei das Mikrofon bei Sprechpausen mitunter zu früh abschaltet. Der Komfortgewinn gegenüber reinen Smartphone-Lösungen wie Google Übersetzer fällt dadurch begrenzt aus.
Wichtig zu wissen ist, dass sowohl Transkription als auch Übersetzung eine aktive Internetverbindung voraussetzen, da die Verarbeitung in der Cloud erfolgt; ohne Verbindung stehen die Funktionen nicht zur Verfügung. Anders als bei manchen Konkurrenzlösungen, die solche Aufgaben lokal auf dem Gerät erledigen, ist hier also stets WLAN oder Mobilfunk nötig.
Konnektivität der Liberty 5 Pro Max
Die Verbindung läuft über Bluetooth 6.1. Unterstützt werden die Codecs SBC und AAC, auf kompatiblen Android-Geräten zusätzlich das hochauflösende LDAC. Eine Mehrgeräteverbindung erlaubt das gleichzeitige Koppeln von bis zu drei Quellen, etwa Smartphone, Tablet und Notebook, wobei LDAC bei drei aktiven Verbindungen entfällt. Google Fast Pair sorgt für schnelles Koppeln unter Android, und die "Wo ist?"-Funktionvon Apple wird ebenfalls unterstützt.Auffällig ist, dass trotz des modernen Bluetooth-6.1-Standards zum Verkaufsstart weder LE Audio noch Auracast bereitstehen; ob diese per Firmware-Update nachgereicht werden, ist offen. Ebenso fehlt die Möglichkeit, das Case als kabelgebundenen Funksender zu nutzen, wie es einige Flaggschiffe anderer Hersteller bieten.
Geräuschunterdrückung (ANC) und Transparenz
Die aktive Geräuschunterdrückung gehört zu den Stärken der Soundcore Liberty 5 Pro Max und profitiert spürbar vom Thus-Chip. Anker bewirbt eine gegenüber dem Liberty 4 Pro deutlich verbesserte Leistung. In der Praxis lässt sich die Stärke in fünf Stufen regeln, ergänzt um einen adaptiven Modus, der die Unterdrückung automatisch an die Umgebung anpasst.
Die Features im Überblick
Bei gutem Sitz reduziert das System die wahrgenommene Lautstärke von Außengeräuschen sehr wirksam und bewegt sich nahe am Niveau der Flaggschiffe von Bose, Sony und Apple (kommt aber nicht ganz heran). Tieffrequente, gleichmäßige Geräusche wie Klimaanlagen, Zug- oder Triebwerksdröhnen werden wie üblich besonders gut gedämpft.
Der Transparenzmodus fällt natürlich und frei von störendem Rauschen aus, und die Easy-Chat-Funktion erleichtert kurze Gespräche, ohne dass man die Hörer herausnehmen müsste - sie ist aber natürlich anfällig für Fremdgespräche, etwa dann, wenn sich der Sitznachbar in der U-Bahn mit jemandem spricht oder telefoniert.
Klang der neuen Soundcore-Kopfhörer
Im Inneren arbeiten 9,2-Millimeter-Treiber. Die Werksabstimmung ist (wie so oft) klar bassbetont und warm ausgelegt. Der tiefe Bereich tritt kräftig und energiegeladen auf, was sich bei Pop, Hip-Hop und elektronischer Musik auszahlt, in der Grundeinstellung jedoch leicht überpräsent geraten kann. Die Mitten sind sauber aufgelöst, Stimmen kommen klar zur Geltung, während die Höhen vergleichsweise früh abfallen.
Die KI-Soundverbesserung ist natürlich nichts für Audio-Puristen
Ob die kräftige Abstimmung gefällt, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks: Für die meisten Gelegenheitshörer dürfte sie ansprechend und sogar wünschenswert (also die klassische "Spaßausrichtung") sein, anspruchsvolle Klangpuristen werden dagegen feinere und räumlichere Alternativen wie die Sennheiser Momentum True Wireless 4 oder die Technics-Modelle bevorzugen.
Natürlich lassen sich der Klang und bei Bedarf der Bass der Soundcore Liberty 5 Pro Max anpassen: über den Hörtest, den Equalizer oder die Voreinstellung Clear Vocals. Eine Eigenheit ist, dass die Abstimmung bei ausgeschalteter Geräuschunterdrückung etwas natürlicher und ausgewogener klingt.
Dolby Atmos mit Kopfverfolgung kann der räumlichen Wiedergabe von Filmen und passenden Tonspuren mehr Tiefe verleihen, während sein Nutzen bei normaler Musik umstritten ist. Auch die KI-gestützte Klangaufwertung ist so eine Sache: Sie kann minderwertige Aufnahmen klarer wirken lassen, neigt aber je nach Material zu hörbaren Artefakten und kostet zusätzlich Akku, sodass ihr Wert vom jeweiligen Einsatz abhängt.
Telefonieren mit den Liberty 5 Pro Max
Die Sprachübertragung in Telefonaten ist das herausragende Merkmal der Liberty 5 Pro Max und überzeugte, ja begeisterte im Test. Acht Mikrofone und zwei Knochenleitungssensoren erfassen die Stimme und filtern Hintergrundgeräusche heraus.Das Ergebnis ist bemerkenswert: Gesprächspartner bestätigten, von lauten Umgebungen kaum etwas wahrzunehmen, während die eigene Stimme klar und natürlich übertragen wird. Anker verweist in diesem Zusammenhang auf einen Guinness-Weltrekord für Sprachklarheit, den das baugleiche Pro-Modell aufgestellt hat.
Unter optimalen Bedingungen treten gelegentlich leichte Knackgeräusche auf, und in besonders lauten Situationen empfiehlt sich die Option für klarere Anrufe in der App, die die Stimme noch konsequenter isoliert, dafür aber den Akku stärker belastet. In dieser Disziplin gehören die Hörer zu den besten ihrer Klasse und übertreffen teils selbst etablierte Referenzen wie die Apple AirPods Pro 3.
Akkulaufzeit im Praxistest
Anker gibt die Laufzeit mit bis zu 6,5 Stunden bei aktiver Geräuschunterdrückung an, ohne ANC bis zu zwölf Stunden. Zusammen mit dem Case ergeben sich rund 28 Stunden mit oder bis zu 50 Stunden ohne Geräuschunterdrückung.In der Praxis wird der Wert je nach Lautstärke, aktivierten Funktionen und verbundenen Geräten nicht immer vollständig erreicht und liegt eher knapp darunter. Das ist konkurrenzfähig, aber kein Spitzenwert. Praktisch ist die schnelle Aufladung, bei der fünf Minuten im Case für rund vier Stunden Wiedergabe genügen. Geladen wird per USB-C oder kabellos via Qi.
Unser Fazit
Ankers Soundcore Liberty 5 Pro Max ist ein vielseitiger und außergewöhnlich funktionsreicher Allrounder unter den In-Ear-Kopfhörern. Die klaren Stärken sind die wirksame Geräuschunterdrückung, die herausragende Telefonqualität, der sichere und Sitz und der enorme Funktionsumfang.Ebenso klar fallen die Einschränkungen aus: Das Case ist groß und schwer, das Touchdisplay reagiert alles andere zuverlässig, und der Klang ist gut, aber nicht überragend und in der Werkseinstellung sehr bassbetont. Vieles davon ist aber eine Frage der Prioritäten.
Wer die Transkription und Übersetzung per künstlicher Intelligenz (KI) tatsächlich nutzt, etwa im beruflichen Umfeld, findet im Pro Max einen sinnvollen und vor allem im In-Ear-Segment auch innovativen Mehrwert gegenüber dem günstigeren Liberty 5 Pro, der bei identischen Ohrhörern dieselbe Klang-, ANC- und Telefonleistung bietet. Wer diese Zusatzfunktionen nicht braucht, fährt mit dem kleineren Modell deutlich günstiger und kompakter.
Innerhalb seines Preisrahmens jedoch zählt der Pro Max zu den überzeugendsten Komplettpaketen. Und es ist schlichtweg auch erfrischend, einen Kopfhörer in der Hand und im Ohr zu haben, der etwas anders ist und eben Neues bietet.
Soundcore Liberty 5 Pro Max Für 249,99 Euro bei Media Markt
Soundcore Liberty 5 Pro Für 179,99 Euro bei Media Markt
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