Netflix-Chef: "YouTube ist direkter Konkurrent, nicht nur Katzenvideos"

Netflix-Co-CEO Ted Sarandos warnt Regulierer in Europa: YouTube ist längst keine reine Social-Media-Plattform mehr, sondern ein harter Konkurrent im heimischen Wohnzimmer. In Brüssel fordert er daher dringend weitreichende Anpassungen.
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Wettbewerb im heimischen Wohnzimmer

Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix, hat in Brüssel eine deutliche Warnung an die Entscheidungsträger der Europäischen Union gerichtet. Im Vorfeld der Überarbeitung der Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste appellierte der Manager, YouTube nicht länger als Plattform für Social Media zu betrachten. Die Tochter von Google sei ein direkter Konkurrent für Fernsehsender und Anbieter für Premium-Streaming, der reguliert werden müsse.

Viele Regulierer würden YouTube fälschlicherweise immer noch primär mit Katzenvideos assoziieren und dabei die Verschiebung der Nutzungsgewohnheiten übersehen. Die Realität in den Wohnzimmern sieht anders aus. Laut Sarandos finden 55 Prozent der Nutzung von YouTube über Apps direkt auf dem Fernseher statt. Der Markt für Connected TV ist ein Nullsummenspiel. Zeit, die auf YouTube verbracht wird, geht TV-Sendern oder Netflix direkt verloren.

Ich glaube, die Leute sehen YouTube einfach als eine Ansammlung von Katzenvideos und vielleicht als eine Möglichkeit, für sich zu werben, indem man seine Inhalte dort kostenlos hochlädt. Aber es stellt sich heraus, dass es ein Nullsummenspiel ist. Du entscheidest dich für YouTube auf Kosten von RTL oder Netflix. Ich denke, in diesem Fall geht es darum, zu erkennen und zu verstehen, dass YouTube genau in derselben Liga spielt wie wir.
Ted Sarandos
Sarandos unterstrich in einem Interview mit Politico auch das wirtschaftliche Gewicht Europas für sein Unternehmen. Mit Investitionen von über 11,3 Milliarden Euro in europäische Inhalte während der letzten zehn Jahre ist die Region zum wichtigsten Territorium für den Anbieter aufgestiegen. Der Streaming-Dienst generierte dort allein im letzten Quartal Umsätze von rund drei Milliarden Euro. Die rechtlichen Rahmenbedingungen spielen für die zukünftige Strategie eine entscheidende Rolle.

Der Vorstoß von Netflix kommt nicht unerwartet, wenn man die historische Entwicklung betrachtet. YouTube wurde im Jahr 2005 gegründet und im darauffolgenden Jahr von Google für 1,65 Milliarden US-Dollar (etwa 1,44 Milliarden Euro) übernommen. Netflix hingegen begann einst als DVD-Verleih per Post, bevor das Unternehmen das moderne Streaming etablierte. Heute konkurrieren beide Giganten intensiv um lukrative Werbebudgets.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Plattformen liegt in der Struktur der Inhalte. Während Netflix Milliarden in professionell produzierte Filme und Serien wie Stranger Things oder Squid Game investiert, verlässt sich YouTube stark auf nutzergenerierte Inhalte. Dennoch nähern sich die Geschäftsmodelle an. YouTube bietet vermehrt professionelle Produktionen an, während Netflix ein werbefinanziertes Abonnement eingeführt hat, um neue Zielgruppen zu erschließen.

YouTube erwirtschaftete im vergangenen Jahr durch Werbung enorme Einnahmen, die einen signifikanten Teil des Gesamtumsatzes von Alphabet ausmachen. Allein die Werbeeinnahmen von YouTube beliefen sich im letzten Quartal auf 9,2 Milliarden Dollar.

Wie seht ihr die Entwicklung auf dem Fernsehmarkt? Ist YouTube für euch eine echte Alternative zu klassischen Streaming-Diensten? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Netflix-Co-CEO Sarandos warnt EU-Regulierer vor Unterschätzung YouTubes
  • YouTube sei ein direkter Konkurrent für Streaming und TV-Sender
  • 55 Prozent der YouTube-Nutzung finden direkt auf dem Fernseher statt
  • Connected TV ist laut Sarandos ein Nullsummenspiel um Zuschauerzeit
  • Netflix investierte über 11,3 Milliarden Euro in europäische Inhalte
  • YouTubes Werbeeinnahmen betrugen zuletzt 9,2 Milliarden Dollar je Quartal
  • Beide Plattformen nähern sich in ihren Geschäftsmodellen zunehmend an

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